Vatikan-Experte in Papenburg Schnellsprecher Englisch übt sich in Langsamkeit

Andreas Englisch signierte seine Bücher, ein Angebot, das viele Papenburger gerne nutzten. Foto: Susanne Risius-HartwigAndreas Englisch signierte seine Bücher, ein Angebot, das viele Papenburger gerne nutzten. Foto: Susanne Risius-Hartwig

Papenburg. „Heute übe ich, was ich am schlechtesten kann, nämlich, langsam zu sprechen“, versprach Andreas Englisch und erntete damit den ersten von vielen Lachern des Abends. Seine Zuhörer in der restlos ausverkauften Aula des staatlichen Gymnasiums in Papenburg unterhielt der Vatikan-Experte mit Anekdoten und Insiderwissen aus dem Kirchenstaat.

Die Bezeichnung „Lesung“ passte zum Auftritt von Andreas Englisch eigentlich nicht. Das Stehpultpult ließ der seriös im grauen Anzug gekleidete Vatikan-Experte links liegen. Statt dessen nahm er das Mikrofon in die Hand und plauderte ganz frei aus dem römisch katholischen Nähkästchen. Zum Beispiel von seiner ersten Begegnung mit einem Papst. Johannes Paul II. berichtete dem ehemaligen Sportjournalisten damals, dass er nicht gerne über Fußball spreche. Als Kind sei Karol Wojtyla nämlich von seinem Bruder mit zum Bolzplatz genommen worden. „Wir brauchen Dich“, hieß es. Doch kaum hatte sich der Junge über diese Ansage gefreut, sei ihm aufgegangen, wozu: Ein Torpfosten war umgekippt, Karol bezog Stellung und musste sich nun die Bälle um die Ohren fliegen lassen.

Drei Päpste hat der 53-jährige Englisch seit 1987 aus nächster Nähe erlebt. Zunächst war es nur ein Job, an den er eher zufällig geraten war. Englisch, damals bekennender Skeptiker, war kein Kirchgänger, hielt den Kirchenstaat für eine pompöse Institution und den Papst für einen rückständigen Moralapostel. Nach dem Studium in Hamburg war der Sportjournalist nach Italien gereist, um die Sprache zu erlernen. Weil sein Geld aufgebraucht war, bewarb er sich bei einer amerikanischen Agentur, die einen Vatikan-Korrespondenten suchte. Dabei sei es vor allem wichtig gewesen, gut englisch zu sprechen und das habe man dank seines Namens wohl vorausgesetzt, flachste Englisch.

Ab 1995 begleitete der Journalist und frisch gebackene Vatikan-Experte die Päpste auf ihren Reisen. Er beobachtete Johannes Paul II., den „Marathonmann Gottes“ auf Reisen rund um die Welt und lernte dessen Tricks im Umgang mit schwierigen Pressefragen kennen. Auch dessen Nachfolger Benedikt XVI. begleitete Englisch und er bekam einen Einblick, welche Machtspiele und Ränke sich hinter den Kulissen des Kirchenstaates abspielten.

Gegen Ende des Pontifikates habe die Römische Kurie, also die Verwaltungsorgane des Heiligen Stuhls, immer mehr Oberhand gewonnen. Als 2013 der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt wurde, habe Franziskus keine Sekunde verschwendet, um zu demonstrieren, dass ab sofort ein anderer Wind wehen werde. Sehr zum Vergnügen des Papenburger Publikums berichtete Englisch, wie der neue Papst immer wieder gegen Verschwendung und Luxus im Vatikan vorgehe, selbst Bescheidenheit lebe und das Protokoll durchbreche, um den einfachen Menschen nahe zu sein. Exemplarisch seine Schilderung vom Ostergottesdienst 2013. Der neue Papst habe es abgelehnt, die traditionellen Gewänder mit rotem Samt und weißem Hermelin anzulegen, angeblich mit den Worten: „Sie verwechseln da etwas. Ich bin der Papst, nicht der Weihnachtsmann.“

Als Organisator und Buchhändler Hans-Bernd Eissing nach 90 Minuten die Fragerunde freigab, interessierte es einen Zuhörer, ob solch ein unbequemer Papst nicht gefährlich lebe. Mit verschmitztem Lächeln griff Englisch in die zuvor zitierte Trickkiste des Medienpapstes und antwortete mit einer Gegenfrage.


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