Streit unter Fischern eskaliert Pieper: Nachtangelverbot kein Kompromiss mit Kreis

Von Hermann Hinrichs

Der Streit um ein geplantes Nachtangelverbot an Ems-Altarmen im nördlichen Emsland ist eskaliert. Foto: Gerd SchadeDer Streit um ein geplantes Nachtangelverbot an Ems-Altarmen im nördlichen Emsland ist eskaliert. Foto: Gerd Schade

Aschendorf. An der Basis des Sportfischerverbandes im Landesfischereiverband Weser-Ems rumort es heftig. Im Zuge der Diskussion um das geplante zeitweise Nachtangelverbot an drei Ems-Altarmen in Herbrum, Borsum und Dersum sind der Verband und sein Präsident Bernd Pieper aus Papenburg heftig in die Kritik geraten. Er reagiert darauf mit einem „Leserbrief“, in dem er kurzerhand gegenüber unserer Redaktion getätigte Aussagen kassiert.

Das vom Landkreis geplante zeitweise Angelverbot soll dem Schutz von Vogelarten wie Schwänen, Gänsen und Enten in dem geplanten Landschaftsschutzgebiet „Natura 2000 – Emsauen von Salzbergen bis Papenburg“ dienen. Dazu dürfte dann künftig an drei Ems-Altarmen in Herbrum, Borsum und Dersum vom 1. April bis zum 15. Juli und vom 1. Dezember bis zum 28. Februar in der Zeit zwischen kalendarischem Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nicht mehr geangelt werden.

In dem Schreiben heißt von Präsident Pieper wörtlich „Bei dem temporären Nachtangelverbot handelt es sich nicht – wie in der Zeitung dargestellt – um einen Kompromiss zwischen Verband und Landkreis.“ Anfang Februar klang das noch ganz anders: Auf Nachfrage hatte Pieper erklärt, dass die vom Aschendorfer Angler Dennis Abeln privat initiierte Online-Petition gegen das geplante Nachtangelverbot die Sportfischer in Verruf bringe und man gegenüber dem Landkreis ein Nachtangelverbot entlang der gesamten Ems abgelehnt habe. Verhandlungen hätten aber zu einer Einigung auf bestimmte Bereiche geführt.

Auf eine nun an Verbandspräsident Pieper gerichtete Anfrage unserer Redaktion, wie sich diese derart unterschiedlichen Aussagen erklären lassen, wich der Funktionär unter Verweis auf eine „schlechte Verbindung“ und „Missverständnisse“ aus. Leid tue es ihm indes, den Eindruck erweckt zu haben, dass der Verband mit allen drei betroffenen Vereinen über das geplante Verbot gesprochen habe. Das sei aber nur mit dem Sportfischerverein Aschendorf der Fall gewesen. Und mit diesem habe man sich auf Wunsch des Vereins in einem Treffen, an dem auch Dennis Abeln als Vorstandsmitglied des Aschendorfer Vereins teilgenommen habe, über den Sachverhalt ausgetauscht.

Dazu Präsident Pieper in seiner Stellungnahme: „In der Beratung sind alle Teilnehmer übereingekommen, dass ausschließlich der Verband eine Stellungnahme zur Verordnung abgeben wird und wie man sich inhaltlich dazu äußern wird. Am 18. Januar 2016 hat sich der Verband in der besprochenen Stellungnahme gegen das nächtliche Angelverbot ausgesprochen. Wörtlich heißt es im Schreiben des Verbandes, dass ,das Verbot der nächtlichen Fischereiausübung im Verordnungsentwurf zu streichen‘ ist.“

Was Pieper insbesondere wurmt, ist die Tatsache, dass entgegen der Vereinbarung, Angler Dennis Abeln auch durch eine Online-Petition Front gegen den Verordnungsentwurf gemacht hat. Pieper wirft ihm vor, damit die „Spielregeln“ verletzt zu haben.

Der Aufruhr an der Anglerbasis, rund um das Nachtangelverbot hat zwischenzeitlich die Basis der sachlichen Auseinandersetzung von einem Teil der Mitglieder und ihrem Präsidenten verlassen. Die Spitze der Eskalation ist, dass sich Pieper nach eigenem Bekunden in den vergangenen Tagen einiges an wüsten, teils anonymen Beschimpfungen und Beleidigungen gefallen lassen musste. „Meine Familie hat darunter gelitten“, so Pieper.

Beim Angelsportverein Dersum, der dem Sportfischerverband angehört, hatte man sich nach Auskunft vom Vorsitzenden Agatius Schulte dazu entschlossen, eine eigene Stellungnahme abzugeben. Darin werde vorgeschlagen, den Altarm nur an seinen jeweiligen Enden mit einem zeitweisen Nachtangelverbot zu belegen. Hier sei die Fischerei ohnehin aufgrund der örtlichen Gegebenheiten deutlich erschwert. Schulte bestätigte, dass auf dem Altarm durchaus Gänse und andere Wasservögel anzutreffen sind. „Die sind aber auch jetzt, ohne Nachtangelverbot, schon da.“ Den ganzen Altarm mit dem zeitweisen Verbot zu belegen hält er für „überzogen“.

Kritik übt der Anglervorsitzende in Dersum auch am Sportfischerverband: „Die Stellungnahme ist unmotiviert und unprofessionell verfasst worden.“ In anderen Verbände sei in derlei Situationen „ganz anders vorgegangen worden“, vermisst Schulte eine intensivere Herangehensweise an die Fragestellung.

Die Stellungnahme des Verbandes beschränkt sich mit Blick auf das geplante Nachtangelverbot darauf, die drohenden Nachteile für den Sportfischerverein Aschendorf kurz zu benennen, um dann etwas ausführlicher auf lediglich einen weiteren Punkt einzugehen: die Ungleichbehandlung von Fischerei und Jagd. Am Ende des Schreibens heißt es: „Da in diesem Fall eine offensichtliche Ungleichbehandlung von Jagd- und Fischereiausübung vorliegt, ist das Verbot der nächtlichen Fischereiausübung im Verordnungsentwurf zu streichen“. Der Sportfischerverband hofft somit offenbar darauf, die Kreisverwaltung allein damit von ihrem bisherigen Kurs abzubringen.

Unterdessen können sich die verbandsunabhängigen Sportfischer in Borsum offenbar zurücklehnen: Wie Wilfried Hermes, Pressewart und Fischereiaufseher im ASV, auf Anfrage sagte, würden die Gewässer des Vereins von dem geplanten Nachtangelverbot nicht erfasst. Lediglich ein Privatgewässer, das auch privat verpachtet sei, werde von der Regelung betroffen. Das habe die Kreisverwaltung dem Verein auf Nachfrage erklärt. Zu dem Zeitpunkt hatten die Borsumer ihre etwa 14-seitige Stellungnahme zum Entwurf bereits abgeschickt.


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