Sanitäranlage im Parlament Papenburger Firma Kauscher im Landtag aktiv

Von Jürgen Eden


Papenburg. Auf den ersten Blick wirkt das Firmengebäude des Handwerksbetriebs Kauscher am Papenburger Mittelkanal eher unscheinbar. Doch Inhaber Heinz Kauscher ist zu großen, ja schon fast hoheitlichen Dingen berufen worden. Mit seiner Mannschaft darf er im niedersächsischen Landtag tätig werden. Für rund 600000 Euro sollen die Papenburger sanitäre Anlagen installieren. Dabei handelt es sich nicht um das erste Parlamentsgebäude.

Der Obenender Handwerksbetrieb für Heizung, Sanitär, Luft- und Klimatechnik hatte im vergangenen Jahr den Zuschlag für die sanitäre Installation erhalten. Seit einigen Wochen sind in dem entkernten hannoverschen Leineschloss mit fünf bis zwölf Mitarbeiter vor Ort, um zwischen 4500 und 5000 Meter Ver- und Entsorgungsleitungen neu zu verlegen.

Bis Frühjahr 2017 fertig

60 WC-Anlagen und ebensoviele Waschtische werden dann bis zum Frühjahr 2017 betriebsbereit eingebaut. Hinzu kommen noch diverse Teeküchen für die einzelnen Fraktionen, die sicherlich an den langen Sitzungstagen besonders frequentiert werden dürften. Bei öffentlichen Großprojekten kommt schnell die Frage nach dem Flughafen Berlin oder der Elbphilharmonie. Kann dieser Termin gehalten werden?

Kauscher schmunzelt und bleibt entspannt. Die meisten Bauzeiten könnten nach seinen Worten termingerecht ausgeführt werden, wenn nicht noch Änderungswünsche folgen würden. Ohne zu stark aus dem Nähkästchen zu plaudern ist es jedoch aus Sicht des Obenender Diplom-Ingenieurs heute leider oft Gang und Gebe, dass im Nachgang eine Vielzahl von Änderungen folge.

Lückenlose Dokumentation

Das werfe sehr häufig Zeit- und Terminpläne über den Haufen. Denn in der Regel seien beispielsweise die Wasserleitungen aufgrund der Trinkwasser- und Energieeinsparverordnungen bedarfsgerecht geplant. Ändern sich Kapazitäten, bedarf es dann neuer Entwürfe. „Spätestens jetzt kommt es auf eine lückenlose Dokumentation an“, sagt Kauscher. Für Mehraufwände gelten zwar oft bessere Auftragsbedingungen.

Doch Handwerker sind in der Nachweispflicht und müssen Mehraufwände rechtssicher belegen können. „Für die ersten dieser Großaufträge habe ich sicher viel Lehrgeld bezahlt, wie der Name schon sagt, aber auch viel an Know How gewonnen. Erfahrungen eben die man so auf der Hochschule nicht vermittelt bekomme.

Seit 1990 im Unternehmen

Kauscher leitet das Unternehmen seit 1990 mit seinem Bruder Rolf in der vierten Generation. Ehrenamtlich ist er auch Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling. Das Auftragsvolumen für den Landtagsbau ist nach Kauschers Worten mit rund 600000 Euro eher niedrig. Trotzdem erfüllt es ihn nach eigenen Worten mit Stolz. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da galt das Emsland aufgrund er aussichtslosen wirtschaftlichen Lage in der Landeshauptstadt als rückständig. Derzeit hat das Unternehmen ein Auftragspolster von 27 Millionen Euro.

Lange Referenzenliste

Auf der Referenzliste finden sich Projekte wie er Flughafen Köln-Bonn, das Klimahaus sowie das Klinikum Bremen, das Max Planck Institut Göttingen und die Technische Universität Bochum. Neben dem niedersächsischen Landtag waren er und seine Mannen auch an der Bürgerschaft Bremen und am nordrheinwestfälischen Landtag tätig. Letzteres Referenzschreiben aus dem Präsidialbüro des Landtages gilt schon fast wie ein Ritterschlag. Denn die Arbeiten wurden mit sehr gut attestiert.

So waren die Papenburger am Anbau von 80 Büroräumen des Düsseldorfer Parlamentsgebäudes mit der Installation der Sanitäranlagen betraut worden. Naheliegend, dass dort auch ein Folgeauftrag für die Klimatechnik für den Einbau und die Inbetriebnahme von Kältedecken auf die Papenburger wartete.

Mit acht Mitarbeitern angefangen

Aber Kauscher erinnert sich noch gut an die Anfänge, als man mit insgesamt acht Mitarbeitern die Aufträge in und um Papenburg abarbeitete. „Heute werden wir ganz anders wahrgenommen“, sagt Kauscher und zeigt auf einen orangefarbenen Firmenbus. Als vom Studium in den elterlichen Betrieb zurückgekehrt sei und sein Vater einige Tage nicht am Standort war, habe er mit einfachen Mitteln damals die alten und zum Teil klapprigen Fahrzeuge in orange lackiert.

Das habe er zwar zunächst nur mit Kopfschütteln quittiert bekommen, doch heute ist das ein Markenzeichen des Unternehmens. Auch die eher kleinen Kunden will er im Blick behalten und nicht überheblich werden. Man habe immer genügend Kapazitäten für die Papenburger Kunden, heißt es.


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