Papenburger im Porträt Mit der mobilen Disco durch das Emsland

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Dreimal Winfried Nehe: Als Wirtschaftsförderer mit Krawatte, als langhaariger Kreisjugendpfleger und rechts als Ruheständler mit dem roten Faden. Die Bilder sind ein Abschiedsgeschenk der Kollegen. Foto: Susanne Risius-HartwigDreimal Winfried Nehe: Als Wirtschaftsförderer mit Krawatte, als langhaariger Kreisjugendpfleger und rechts als Ruheständler mit dem roten Faden. Die Bilder sind ein Abschiedsgeschenk der Kollegen. Foto: Susanne Risius-Hartwig

Papenburg. Das Panoramafenster im Wohnzimmer gibt den Blick frei auf den Garten. Winfried Nehe sitzt auf einem blauen Sofa, eine Schreibtisch-Schublade voll mit Erinnerungsfotos auf seinen Knien. „Ich habe so ein schönes Leben, dafür bin ich dankbar“, sagt er.

In Leer geboren, nach Weener verzogen und 1962 nach Papenburg umgesiedelt, so antwortet der 69-Jährige auf die Frage nach seiner Herkunft. Als Nachkriegskind sei er in einer relativ guten Zeit aufgewachsen. Seine Eltern seien ihm, seinem Bruder und seiner Schwester ein Vorbild und gläubige Katholiken gewesen.

Weil er selbst so viel Glück im Leben gehabt habe, sei er immer bestrebt gewesen, etwas davon an Andere weiterzugeben, erklärt Winfried Nehe. Das begann ehrenamtlich als Pfarrjugendführer in St. Antonius und mit der Übernahme von sozialen und kirchlichen Aufgaben. Sowohl in Weener „in der Diaspora“, als auch später in Papenburg habe er in der Jugendarbeit aktiv mitgewirkt, erinnert sich Nehe.

Jugendarbeit wichtiger als das Pauken

„In der Schulzeit kann ich mich nachträglich nur als „faulen Sack“ bezeichnen“, sagt Nehe und lacht. Die Jugendarbeit sei ihm damals viel wichtiger gewesen als das Pauken. Das erkannte später wohl auch der damalige Oberkreisdirektor Dr. Hans Tiedecken. Nach Beendigung von Nehes Lehrzeit im Öffentlichen Dienst „kam vom OKD die Frage, ob er sich die Aufgabe eines hauptamtlichen Kreisjugendpflegers zutrauen würde“, erinnert er sich.

Der Papenburger schlug gerne ein. „Das war besonders spannend“, erzählt Nehe, „denn Jugendarbeit war zuvor eine rein ehrenamtliche Sache. Jetzt ging es darum, ganz neue Strukturen aufzubauen.“ Das Geld dazu war vorhanden und erleichtere die Aufgabe.

„Beach Boys“ bis „Village People“

Mit einem Kombi, voll bepackt mit Werkzeug, einer transportablen Diskothek, den neuesten Schallplatten von den „Beach Boys“ bis „Village People“, Gitarren und einer Video-Kamera fuhr der damals langhaarige und kettenrauchende Nehe abends in die Gemeinden. Besonders in der Fläche, in der es keine Jugendtreffs gab, bot er den Jugendlichen Programm. Es freut den 69-Jährigen, wenn er noch heute auf gelungene Discoabende angesprochen wird.

Die Ferienpass-Aktion führte er „erstmalig für Niedersachsen auf Kreisebene“ ein. Gruppenleiterschulungen, Kinderfreizeiten nach Ameland und Jugendfahrten in Skigebiete wie Terenten in Italien wurden organisiert. Während einer Ameland-Freizeit begegnete er der Niederländischen Königin und in Elspe bei den Karl-May-Festspielen durfte der Papenburger mit Pierre Brice auf dem Pferd sitzen, freut er sich noch Jahre später.

69-Jähriger ist Autogrammjäger

Überraschenderweise outet sich der 69-Jährige als Autogrammjäger: Brigitte Mira, Willy Brand, Irm Hermann, Isabell Varell, Carlo von Tiedemann und Hape Kerkeling sind nur einige der Bekanntheiten, die ihm eine Widmung und eine Unterschrift geschenkt haben. Franz-Josef Strauß schrieb dem damaligen Mitarbeiter der „Jungen Redaktion“ auf einen rosafarbenen Zettel: „Herzliche Grüße an die Leser der Ems-Zeitung“.

Wie kam es zu all diesen Begegnungen? Nehe erklärt das so: „Während der schönen Zeit vergaß ich nicht die ehrenamtlichen Aufgaben wie die Polentransporte mit Erika Bruns oder Leo Wallenhorst, die Geschäftsführung beim damals aktiven Verein für Handwerk, Handel und Gewerbe.“ Sie initiierten eine Hollandwoche und Handwerkerbälle. In jene Zeit fiel auch das erste Stadtfest 1980. Aufgrund dieser Aktivitäten habe der damalige Stadtkämmerer Jojo Hermanns ihn gebeten, die Wirtschaftsförderung in Papenburg zu übernehmen.

Livesendungen aus der Kanalstadt

So verließ Nehe 1980 sein Büro beim Landkreis und knüpfte in Papenburg Medienkontakte, die sich auch in Livesendungen aus der Kanalstadt auszahlten. So erinnert sich Nehe an 90 minütige Übertragungen von „Bi uns to Hus“ mit Ewald Christophers, an Musiksendungen aus dem Foyer des Forums und eine mehrteilige interaktive Live-Sendung des ZDF für Jugendliche aus der Kupferschmiede.

Etwas ganz Besonderes war für Nehe 1995 der fast vierwöchige Dreh für den Fernsehfilm „Willi und die Windzors“ unter der Regie von Hape Kerkeling. Mit dem sympathischen Komiker wurde Brüderschaft getrunken und noch heute gibt es Kontakte, freut sich der Papenburger. Für das Filmteam sei Vieles ermöglicht worden, erinnert er sich. Unter anderem sei das renovierte Waldstadion für eine Filmszene kurzerhand zur Kulisse „Pferderennbahn“ umfunktioniert worden. Viele Papenburger freuten sich damals, die Filmarbeiten als Statisten begleiten zu können.

Gründung des Fremdenverkehrsvereins

Um mehr Gäste für Papenburg zu gewinnen, wurde der Fremdenverkehrsverein gegründet und Auswärtige entdeckten die Kanalstadt. Die Blumenschau lockte Touristen an und weitere Ideen wurden entwickelt. Eine davon, das „Mobiloskop“, das die verschiedenen hier ansässigen Verkehrsentwicklungen wie Auto (Teststrecke), Schiffbau (Werft), und Transrapid in einem architektonisch ungewöhnlich gestalteten Bau hinter dem Bahnhof erschließen sollte, wurde nicht umgesetzt. Das Konzept sei sehr gut gewesen, ist Nehe noch heute überzeugt. Er sei entsetzt gewesen, wie es „von Leuten, die es nicht einmal gelesen hatten, kaputt geredet“ worden sei und dies auch einhergehend mit persönlichen Angriffen. Verschiedene Ideen aus der Machbarkeitsstudie seien aber später in abgespeckter Form, zum Beispiel im Zeitspeicher, verwirklicht worden.

Ehefrau musste häufig zurückstecken

„48 Jahre im Öffentlichen Dienst,“ blickt Nehe auf sein Berufsleben zurück. Dankbar sei er vielen Kollegen, ehrenamtlichen Helfern und seiner Frau Angela. Sie habe abends oft auf ihn verzichten müssen, ihn aber immer unterstützt. Im Dienst wie im Ehrenamt, das er im Ruhestandunter anderem als Vorsitzender des Sozialen Ökohofes St. Josef fortführt, habe er immer besonders aufmerksam auf die Menschen geblickt. „Vielleicht ist das ein Dankeschön für meine guten 69 Jahre.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN