Transparente im Ortskern entrollt Gläubige in Aschendorf zeigen Flagge für Flüchtlinge

Flagge für Flüchtlinge in Aschendorf zeigen am Amandushaus (von links) Christian Griep-Raming, Theo von Garrel, Kirsten Griep-Raming und Kristina Huth. Foto: Gerd SchadeFlagge für Flüchtlinge in Aschendorf zeigen am Amandushaus (von links) Christian Griep-Raming, Theo von Garrel, Kirsten Griep-Raming und Kristina Huth. Foto: Gerd Schade

Aschendorf. Nach der kontroversen Debatte um eine Bürgerwehr in Aschendorf und vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge in der Notunterkunft auf dem Gelände der früheren ADO-Gardinenwerke haben die örtlichen Kirchengemeinden ein Willkommenszeichen für Flüchtlinge gesetzt. Unterdessen tauchte im Internet eine neue „Wehr“-Seite für Aschendorf auf.

An drei markanten Stellen im Ortskern entrollten Kirchenvertreter Transparente mit einem Spruch aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 25, 31-46). „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“, heißt es schwarz auf weiß und: „Refugees welcome!“ (Flüchtlinge willkommen!). Wasserzeichenartig hinterlegt ist auf den 3,50 Meter langen Bannern das Wort Willkommen in zahlreichen Übersetzungen.

Angebracht wurden die Transparente an der evangelisch-lutherischen Christuskirche, an der Balustrade vor der St.-Amandus-Kirche und am Pfarrzentrum St. Amandus.

Nach den aus ihrer Sicht „erschreckenden“ Bestrebungen für eine Bürgerwehr in Aschendorf „wollen wir uns als Kirche klar positionieren und Flagge zeigen“, erklärt Kirsten Griep-Raming. Sie ist Gemeindereferentin der katholischen Kirchengemeinde St. Amandus.

(Weiterlesen: „Bürgerwehr Aschendorf“ erntet massive Kritik)

Hinter der Aktion stehen außer Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat auch die Kolpingsfamilie, der Katholische Frauenbund und die Katholische Landjugendbewegung Aschendorf. „Wir wollen den Menschen das Gefühl geben, dass sie wirklich willkommen sind“, sagt Griep-Raming.

Für eine Bürgerwehr hat die Gemeindereferentin kein Verständnis. Sie appelliert stattdessen an alle Aschendorfer, offen auf die Flüchtlinge zuzugehen. Auch Kristina Huth vom Pfarrgemeinderat kann nicht nachvollziehen, „dass die Pferde scheu gemacht werden, bevor die ersten Flüchtlinge überhaupt eingezogen sind“. Beide verweisen auf ihre positiven Erfahrungen bei der Integrationsarbeit in Gemeinde und Schulen. Im Amandushaus werden beispielsweise Sprachkurse und ein internationales Café angeboten.

Für Aufsehen hatte in den vergangenen Tagen eine im sozialen Internet-Netzwerk Facebook aufgetauchte Seite namens „Bürgerwehr Aschendorf“ gesorgt. Die Betreiber, die anonym blieben, brachten dort aus ihrer Sicht massive Sicherheitsbedenken gegen den geplanten Einzug von bis zu 1000 Flüchtlingen in der zentralen Notunterkunft des Landkreises Emsland auf dem früheren ADO-Gelände zum Ausdruck gebracht hatten. Dafür ernteten sie in der Kommentarfunktion der Seite durchaus Zuspruch, aber auch scharfe Kritik. In der Notunterkunft werden am kommenden Dienstag, 19. Januar 2016, die ersten Flüchtlinge erwartet. Die Behörden hatten nach Bekanntwerden der Seite eindringlich davor gewarnt, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Wer hinter der „Bürgerwehr“-Initiative steckt, blieb unklar. Fest steht, dass die Seite seit Freitag aus dem Netz verschwunden ist. (Weiterlesen: „Bürgerwehr Aschendorf“ verschwunden)

Neue „Wehr“-Seite bei Facebook

Stattdessen ging am selben Tag eine Seite mit dem Namen „Aschendorfer Bürger wehren sich“ bei Facebook online. Dort erklärt der Betreiber, die Seite nur erstellt zu haben, um zu zeigen, „wie dumm“ die Seiten „Bürgerwehr Aschendorf“ und die von Gegnern initiierte Seite „Bürgerwehr gegen die Bürgerwehr Aschendorf“ seien. Der „wirklichen Bürgerwehr“ bescheinigt er, das richtige Ziel verfolgt zu haben. Sie habe dies allerdings „anfängerhaft, planlos und dumm“ dargestellt und sei dadurch „innerhalb kürzester Zeit in die rechte Schiene abgerutscht“.

Anders als auf den beiden kritisierten Seiten, kann auf seiner Seite „weder Rechtsextremisten noch linke Faschisten posten“, sondern nur er selbst, erklärt der Betreiber, der sich nicht zu erkennen gibt.

Derweil tauchte am Freitag auch für die Grafschaft Bentheim eine „Bürgerwehr“-Seite auf, die ähnlich wie das Aschendorfer Modell gestaltet war, indem sie beispielsweise dasselbe Foto mit einem Warnschild „Vorsicht, wachsamer Nachbar!“ verwendete. In der Facebook-Gruppe „Bürgerwehr Grafschaft Bentheim“, die inzwischen auch schon wieder verschwunden ist, hieß es: „Sollte es eines Tages soweit sein, dass auch wir hier unannehmbare Zustände vorfinden, so wollen, müssen und können wir dann auch angemessen reagieren, indem eine breite Front sich diesen Zuständen entgegenstellt.“

(Weiterlesen: „Bürgerwehr Aschendorf“ verschwunden: Kein Ruhekissen – ein Kommentar).


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