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Angetrunken in Graben gefallen? Lars Wunder: Profiler hält Verbrechen für unwahrscheinlich

Von Nina Brinkmann

Der Bremer Profiler Axel Petermann befasst sich in einem RTL-Beitrag mit der Suche nach Lars Wunder aus Jemgum. Foto: Gerd SchadeDer Bremer Profiler Axel Petermann befasst sich in einem RTL-Beitrag mit der Suche nach Lars Wunder aus Jemgum. Foto: Gerd Schade 

Jemgum. Der Bremer Profiler Axel Petermann hält im Fall des seit fünf Wochen vermissten Lars Wunder aus Jemgum im Rheiderland ein Gewaltverbrechen für unwahrscheinlich.

Petermann kann sich vielmehr vorstellen, dass Wunder auf dem Weg nach Hause einen Unfall hatte. Angetrunken könne man leicht in den Graben fallen, sagte der Profiler in einem am Mittwochabend ausgestrahlten Beitrag des Fernsehsenders RTL. Er schließt demnach nicht aus, dass Wunder von Wasser bedeckt in einem der vielen Gräben am Wegesrand liegt und er später, wenn es wärmer wird und der Wasserspiegel sinkt, doch dort auftauche. Auch Lars Wunders Schwiegervater Herbert Mühlena kann sich dies vorstellen „Vielleicht ist er wirklich irgendwo hingefallen, wo wir bisher nicht gucken konnten oder wo wir nicht drauf geachtet haben“, sagte er.

Jeder Hinweis kann helfen

In einem Treffen mit Angehörigen des Vermissten hatte sich Petermann ein erstes Bild vom Abend des Geschehens am 5. Dezember 2015 gemacht. Lars Wunder ist nach einer Feier im Feuerwehrhaus Critzum spurlos verschwunden. Detailgenau fragte Petermann nach, was sich abgespielt hat: Wie war die Stimmung, stand nur Bier oder auch eine Flasche Schnaps auf dem Tisch, was war Wunder für ein Typ? Jeder noch so kleine Hinweis könnte hilfreich bei der Aufklärung des Falls sein. „Mir sind die Kontaktpunkte von Lars wichtig: Wo hat er gewohnt, wo ist er an dem Abend gewesen, mit wem war er unterwegs? Ich möchte den Ablauf des Abends und auch ihn selber verstehen“, erklärte der Profiler in dem Fernsehbeitrag. ( Weiterlesen: Lars Wunders Familie hofft auf neue Ansätze )

Das Schlimmste ist die Ungewissheit

Wunders Schwiegervater Herbert Mühlena hofft, dass endlich ein brauchbarer Hinweis gefunden wird. Er sagt aber auch: „Die Ungewissheit ist das Schlimmste. Man will zwar lieber heute als morgen Gewissheit bekommen, hat allerdings auch Angst davor, wenn es wirklich so weit ist.“ Mühlena und weitere Verwandte von Wunder gingen mit Petermann den Weg ab, den der 31-Jährige in der Nacht wahrscheinlich gegangen ist. Sie zeigten ihm auch den Ort, an dem das Handy des Vermissten gefunden wurde. Es lag neben einer Hecke. Petermanns Einschätzung dazu: „Es kann ihm hier aus der Hose gefallen sein. Dass jemand das Handy dort verstecken wollte, glaube ich eher nicht.“

Lieblingsort von Wunder

Auch an eine Stelle am Deich führt es Axel Petermann. Dies war der Lieblingsort von Lars Wunder. „Menschen, die freiwillig aus dem Leben scheiden wollen, entscheiden sich häufig für die Orte, an denen sie sich wohlfühlen“, erklärt Petermann. Doch ein Suizid ist für Wunders Familie so ziemlich das Unwahrscheinlichste.