zuletzt aktualisiert vor

Rückblick auf 2015 Meyer Werft: Schiffbau floriert, aber das Ansehen leidet

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Papenburg. Das Jahr 2015 war für die Meyer Werft in Papenburg und die Neptun Werft in Rostock ein sehr erfolgreiches Jahr. Das teilt das Schiffsbauunternehmen jetzt mit. Allerdings dominierten das Geschehen auf der Werft nicht allein die wirtschaftlichen Erfolge. Die Querelen um die Standortverlagerung nach Luxemburg und die angestrebte fristlose Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim Ergin kratzten heftig am Image des emsländischen Traditionsunternehmens.

Laut Mitteilung des Unternehmens verfügen die Werften in Papenburg, Rostock und in Turku (Finnland) nunmehr über einen Auftragsbestand von zusammen 28 Schiffen – überwiegend große Kreuzfahrtschiffe und Fähren. Damit seien die Werften der Gruppe Marktführer im internationalen Markt beim Bau von Kreuzfahrtschiffen und national führend im zivilen Schiffbau.

14 Schiffe gebaut

Im Jahr 2015 sorgten der Bau und die Fertigstellung von elf Flusskreuzfahrtschiffen für Viking River Cruises in Rostock, zwei Kreuzfahrtschiffen – der „Anthem of the Seas“ für Royal Caribbean International und die „Norwegian Escape“ für Norwegian Cruise Line – in Papenburg sowie dem Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 4“ für TUI Cruises in Finnland für eine umfassende Beschäftigung.

Wichtig für die Werft war nach eigenen Angaben die erfolgreiche Verabschiedung des Masterplans Ems 2050 . „Mit diesen Erfolgen, den großen Investitionen, dem Ausbau der Arbeitsplätze auf mehr als 3300 Mitarbeiter sowie der Forschung und Entwicklung haben wir unseren Teil des geltenden Standortsicherungsvertrags mit dem Land Niedersachsen, der IG Metall und dem Betriebsrat schon fast erfüllt“, wird Geschäftsführer Bernard Meyer in dem Schreiben der Werft zitiert. An den notwendigen Aufträgen bis 2030 arbeite man „mit voller Kraft“. Meyer geht davon aus, „dass jetzt auch alle anderen Vertragsparteien ihren Teil ebenfalls konsequent und tatkräftig beitragen“.

Widerstand gegen Masterplan 2050

Begleitet war die Verabschiedung des Masterplans von heftigem Widerstand aus der Landwirtschaft in Ostfriesland, die sich daran stieß, dass rund 700 Hektar als Ausgleichsfläche vorgesehen sind. Im Leeraner Kreistag stand der Beschluss über das Maßnahmenbündel auf der Kippe. Nur mit knapper Mehrheit votierten die Abgeordneten für den Masterplan. Dieser soll einerseits ein EU-Vertragsverletzungsverfahren inklusive Millionenstrafen wegen des schlechten ökologischen Zustandes der Ems abwenden. Andererseits soll er aber auch den Standort der Meyer Werft sichern.

Unverständnis für Standortverlagerung

Richtig unangenehm wurde es für die Werftleitung aber in Sachen Standortverlagerung nach Luxemburg. Damit will die Werft nach eigenen Angaben einen Aufsichtsrat verhindern. Diesen hätte es rein rechtlich eigentlich längst geben müssen, doch es gab in dieser Sache offenbar ein Stillhalteabkommen zwischen Werft und IG Metall.

Nachdem bekannt geworden war, dass der Werftkonzern seinen Sitz nach Luxemburg verlagert hatte, brach eine Welle von Unverständnis über die Werft herein, der vorgeworfen wurde, Mitarbeiterrechte beschneiden zu wollen und im Zuge der Aufstellung des Masterplans nicht alle Karten offengelegt zu haben. Vergeblich versuchte auch Niedersachsen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) die Werft von ihren Plänen abzubringen.

Betriebsratsvorsitzender soll gehen

Konsequenz zeigte die Werftleitung indes auch bei der angestrebten Kündigung ihres Betriebsratsvorsitzenden Ibrahim Ergin. Ihm wird vorgeworfen, in früheren Jahren junge Mitarbeiter zum Eintritt in die IG Metall genötigt zu haben. Der Betriebsrat verweigerte die Zustimmung und zwei Anläufe für eine Vermittlung zwischen Unternehmensleitung und der Arbeitnehmerseite scheiterten. Im Dezember gab es dann eine juristische Schlappe für die Werftleitung, die beim Arbeitsgericht die Zustimmung des Betriebsrates zur fristlosen Kündigung per Beschluss ersetzen lassen wollte . Formale Fehler im Kündigungsverfahren führten dazu, dass das Gericht die Zustimmung nicht ersetzte. Nun geht das Verfahren in die nächste Instanz.

Auch Gastanker und Fähre gefertigt

Der Schiffbau indes florierte wie nie: Die bereits 2014 initiierte neue Baustrategie mit dem Bau der Schiffe in zwei schwimmfähigen Schiffsteilen in einem 12-Wochen-Takt habe sich als ein großer Erfolg herausgestellt. Damit und mit der Übernahme der finnischen Werft in Turku konnte dann auch AIDA Cruises als Kunde zurückgewonnen werden. Dieser habe für 2018 und 2020 zwei völlig neuartige Schiffe mit LNG-Antrieb bestellt. Mit zwei Schwesterschiffen der Quantum-Klasse sowie zwei Schiffen für Saga Cruises konnten in diesem Jahr weitere neue Aufträge gewonnen werden. „Ab 2019 werden dann auch wieder aus dem Baudock 1 der Werft Neubauten für Saga Cruises geliefert und damit zusätzliche Arbeit nach Papenburg geholt“, heißt es in der Mitteilung der Werft.

Das Unternehmen Meyer Turku hat in diesem Jahr den Ozeanriesen „Mein Schiff 4“ abgeliefert und wird 2016 „Mein Schiff 5“ an TUI Cruises übergeben. Zwei weitere Schiffe für TUI Cruises folgen in den Jahren 2016 und 2017. Darüber hinaus wurden zwei neue Kreuzfahrtschiffe für Costa Crociere in Turku bestellt. Mit diesen Aufträgen sowie dem Auftrag für eine besonders umweltfreundliche LNG-Fähre für die estnische Reederei AS Tallink sei auch in Turku „eine gute Perspektive für Wachstum und Beschäftigung gegeben.“ Zudem wurden die letzten 30 Prozent der Eigentumsanteile, die noch vom finnischen Staat gehalten wurden, übernommen. Jetzt befindet sich die finnische Werft zu 100 Prozent in privatem Besitz.

Mehr als 20 Schiffe in kommenden Jahren

Elf Kreuzfahrtschiffe, acht Flusskreuzfahrtschiffe, ein LNG-Gastanker und eine Fähre werden in den nächsten Jahren von Neptun in Rostock und der Meyer Werft geplant, konstruiert und gebaut. In Turku entstünden sechs Kreuzfahrtschiffe und eine Fähre. Mit diesen Auftragsbüchern und der konsequenten Umsetzung der Unternehmensstrategie hätten die Werften sehr große Chancen, im international stark umkämpften Schiffbaumarkt zu bestehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN