Verbindung zum Wanderhändler Zentrum des Namens Kiepe liegt im Emsland

Von Winfried Breidbach

Ein Rücktragekorb, wie hier bei einer Weinlese in Halle an der Saale im Jahr 2008, wird auch Kiepe genannt. Foto: dpaEin Rücktragekorb, wie hier bei einer Weinlese in Halle an der Saale im Jahr 2008, wird auch Kiepe genannt. Foto: dpa

Papenburg. Unser Leser Rolf Kiepe aus Haren hat keine Theorie, wie sein Familienname entstand. Etwa 550 Personen tragen den Nachnamen Kiepe in Deutschland. Der Name ist in mehreren Regionen zwischen Oberrhein und Holstein anzutreffen, insbesondere in Nordwestdeutschland. Das stärkste Nest von Kiepe liegt im Gebiet des Landkreises Emsland.

Neben Kiepe findet sich noch am Niederrhein der Genitivname Kiepen („Sohn von Kiepe“). Als Namenvariante gibt es nur die seltene Namenform Kieppe, die kein geografisches Zentrum erkennen lässt. Auch in den Niederlanden ist der Name Kiepe vertreten, dort mit rund 50 Namensträgern.

Der Familienname Kiepe ist zwanglos auf das mittelniederdeutsche Wort kîpe zurückzuführen, dessen Bedeutungen als „Kiepe, Rückentragekorb“ angegeben werden, in alten Wörterbüchern auch „eyn korf smal und langh“. Das Wort war ursprünglich nur niederdeutsch. Ins hochdeutsche Gebiet wurde es im 15. Jahrhundert übernommen, zunächst in den Schreibungen Kipe und Kype, später dann mit so genanntem „Dehnungs-e“ als Kiepe. Die Schreibweise Kiepe mit -ie- ist also relativ jung, daher kann es keine wirklich alten Belege des Familiennamens in dieser Form geben. Da es das Wort auch in der holländischen Sprache nicht gab, müssen außerdem die Familien namens Kiepe in den Niederlanden aus Deutschland zugewandert sein.

Einige ältere Belege: 1468 „Henrick Kipen“ (Göttingen), 1488 „Johannes Kipe“ (Amelungsborn bei Holzminden), 1498 „Alke Kype“ (Coesfeld), 1519 „Cord Kypen“ (Hildesheim), 1585 „Christopher Kiepen“ (Hardegsen bei Northeim), 1635 „Georg Kiepe“ (Goddelsheim/Nordhessen).

Kiepe ist als indirekter Berufsname zu erklären und bezeichnete entweder denjenigen, der die Rückenkörbe herstellte („Kiepenheuer“) oder denjenigen, der mit einer Kiepe als wandernder Händler unterwegs war („Kiepenkerl“).

Es ist aber auch möglich, dass der heutige Name Kiepe mit Langvokal in der ersten Silbe auf den Namen Kippe (mit Kurzvokal) zurückgeht. Eine solche Vokalveränderung ist bei zahlreichen Familiennamen festzustellen, wobei sowohl Kurzvokale gedehnt als auch Langvokale gekürzt wurden. Der Nachname Kippe entstand als gebeugte Form des Wortes Kipp, das in Flurnamen eine Rand- oder Endlage von Feldern oder Wiesen bezeichnete, aber auch Bedeutungen wie „Hügel, Bodenerhebung, hochgelegener Acker“ aufwies. Der Familienname wurde aus dreigliedrigen Wohnstättennamen verkürzt, dazu die Belege: 1498 „Gert up den Kippe“ und 1743 „Joannes Bernardus te Kippe“ (Bocholt), 1748 „Berent op de Kippe“ (Zutphen, niederländische Provinz Gelderland).


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