Glyphosat-Test bei Menschen 80 Unterstützer kommen zu „Urinale“ nach Rhede

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dhe Rhede. Post aus Rhede dürfte Christian Schmidt als Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung in den nächsten Tagen häufiger bekommen. Inhalt werden Urinproben sein – mit der Bitte, sie auf Glyphosat zu untersuchen. Die „Urinale“, wie die Aktion der Bürgerinitiative Landwende heißt, hat Kristian Lampen auf seinen Biohof Emsauen nach Rhede geholt.

Auf seinem Hof funktioniere die Landwirtschaft auch ohne Glyphosat, erklärte Lampen am Samstag. Dennoch sei er über die Familie seiner Frau auf die „Urinale“ aufmerksam gemacht worden, und für ihn stand früh fest, dass er eine Aktion auf seinen Hof ins Emsland holen wollte. Deutschlandweit seien bisher etwa 2500 Behälter für Urinproben verteilt worden, 22 Höfe machen mit und andere Aktionen werden durchgeführt. Nach Rhede kamen nach Angaben von Lampen insgesamt 80 Interessierte, an die er 70 Röhrchen verteilt habe. Sie können für 45 Euro ihren Urin in einem Labor testen lassen, oder aber die Probe zum Landwirtschaftsminister schicken. „Ich denke nicht, dass sie da ein Ergebnis bekommen“, vermutete Lampen.

Aber die Aktion soll vor allem auf das Problem aufmerksam machen. Politisch wird die Erlaubnis von Glyphosat gerade diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation hat das Mittel als „wahrscheinlich Krebseregend“ eingestuft. Viele Aktionen der Urinale finden in Ostdeutschland statt.

„Der Begriff Pflanzenschutzmittel ist viel zu harmlos“, sagte Lampen. Auch als Gegner von Ackergiften ist er nicht einfach für ein Verbot. „Das hätte weitreichende Folgen“, erklärte er, da sich viele Landwirte auf die Nutzung eingestellt hätten. Denen müsste bei einem Verbot geholfen werden, weiter ihrer Arbeit nachzugehen. Faire Preise seien ein Mittel. Er selbst würde durch den Anbau von Bio-Milch 48 Cent pro Liter bekommen. „Da sind die Preise relativ konstant“, sagt Lampen. Kollegen mit herkömmlicher Milch liegen zurzeit etwa bei der Hälfte. Beim Bio-Anbau stehen aber auch andere Kosten im Raum – unter anderem wird mehr Land benötigt.

Mit dem Test soll nach Aussagen Lampens nachgewiesen werden, ob Glyphosat auch im Urin von Menschen, die nicht in der Landwirtschaft arbeiten, nachgewiesen werden kann. Daraus könnte auf Rückstände in Nahrungsmitteln geschlossen werden. Ein klares Ergebnis erhofft sich Lampen nicht, zumal er auch keine detaillierten Ergebnisse aus Rhede erwartet.

Sollte die These von Glyphosat-Rückständen in Nahrungsmitteln durch die Ergebnisse der bundesweiten Tests unterstützt werden, müsste das Ministerium eine aussagekräftige Untersuchung in Auftrag geben. Mit einem ist Lampen aber bereits jetzt zufrieden: Das Thema hat durch die Aktion viel Aufmerksamkeit erhalten. „Die Menschen denken darüber nach.“


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