Proben aus acht privaten Quellen Vierfach erhöhte Nitratbelastung in Heeder Brunnen

Von Maike Plaggenborg

Wer zuviel Nitrat in seinem Brunnenwasser hat, sollte es nicht mehr zum Blumengießen, für Fischteiche oder gar zum Trinken benutzen. Symbolfoto: Michael Reichel/dpaWer zuviel Nitrat in seinem Brunnenwasser hat, sollte es nicht mehr zum Blumengießen, für Fischteiche oder gar zum Trinken benutzen. Symbolfoto: Michael Reichel/dpa

Aschendorf. Der VSR Gewässerschutz hat bei 24 privat genutzten Wasserbrunnen überhöhte Nitratwerte festgestellt. Im August platzierte sich Verein mit seinem Labormobil in Aschendorf und untersuchte Proben der Bürger, von denen drei über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter lagen, darunter Heede mit einer vierfachen Überschreitung von 206 Milligramm pro Liter. Auch Proben aus Surwold und Dörpen waren erhöht. Insgesamt brachten Bürger aus acht Orten ihr Brunnenwasser. Trinkwasser sei dem Verein zufolge damit aber nicht gefährdet - zumindest noch nicht. Schuld sei die Landwirtschaft.

Für den VSR Gewässerschutz ist klar: Die Ursache kommt von der Oberfläche. Durch die Überdüngung in der Landwirtschaft mit Gülle, Gärresten und Mineraldünger entstehen die Nitrate im Boden, die das Grundwasser belasten, so auch bei den 24 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen, die die Bürger aus Heede, Surwold, Dörpen, Rastdorf, Papenburg, Aschendorf, Rhede und Walchum untersuchen ließen. Extrem hoch ist der Wert mit 206 Milligramm pro Liter in Heede, Surwold liegt bei 127, Dörpen bei 61 Milligramm pro Liter. Alle anderen 21 Proben seien in Ordnung. Papenburg habe einen Nitratwert von lediglich 13 Milligramm pro Liter. Für Heede, Surwold und Dörpen aber gilt dem VSR Gewässerschutz zufolge: „Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet.“ Und noch mehr: Das Wasser eignet sich weder zum Bewässern von Pflanzen, weil die dadurch überdüngt würden, noch zum Auffüllen von Teichen. „Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt“ - sterben die ab, führt das zu Fischsterben, so Harald Gülzow, Pressesprecher des VSR Gewässerschutz.

Nitrat bewirkt Veränderungen im Blutbild

Auch für den Menschen sei die dauerhaft überhöhte Nitratkonzentration gefährlich. „Sie bewirkt Veränderungen im Blutbild, und der Sauerstofftransport im Körper wird beeinträchtigt“, sagt Gülzow. Noch schlimmer sei die Verbindung der Nitrate mit Eiweiß. „Die erzeugt krebserregende Stoffe“ - derzeit aber sei das noch nicht das Problem. „Aktuell merken die Verbraucher nichts vom Nitrat-Wasser, nur am Geldbeutel.“ Denn die Wasserversorger müssten bald anfangen, das Wasser teuer aufzubereiten. Dabei schöpften die das Produkt allerdings aus tieferen Schichten, das Brunnenwasser dagegen komme aus einer Tiefe von fünf bis 20 Metern, wo die Nitratbelastung höher ist. Das Problem aber ist: „In der Regel kommt das, was oben liegt, in zehn bis 20 Jahren unten an.“

Nitratbelastung auch im Wald

Der VSR Gewässerschutz sieht die Schuld bei den Bauern und fordert: „Landwirte sollen so viel düngen, wie die Pflanzen es benötigen, sodass nichts durchsickert.“ Bernd Schulte-Lohmann vom Landwirtschaftlichen Kreisverein Aschendorf-Hümmling ist mit dieser Forderung grundsätzlich einverstanden. „Dass die Landwirtschaft beteiligt ist, ist völlig klar“, sagt er, aber auch, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung nicht der Urheber sein kann, denn: „Eine Nitratbelastung gibt es auch in Gebieten, wo keine Tierhaltung ist.“ Sogar in Waldgebieten. Auch die Industrie und der Straßenverkehr hätten ihren Anteil an den Werten. „Wir haben überall Emittenten.“ Schulte-Lohmann kann zudem die Schelte nicht nachvollziehen, weil die Werte in den vergangenen zehn Jahren zurückgegangen seien - wenn auch nicht linear. Außerdem ärgert er sich über viele pauschale Aussagen über die Nitratbelastung, die nicht schlüssig und auch nicht repräsentativ seien. Trotzdem sagt er: „Wir alle müssen daran arbeiten, die Werte zu senken.“ Schulte-Lohmann schlägt vor, dass die Landwirte ihre Lagerkapazitäten für Gülle ausweiten sollten, um der Überdüngung vorzubeugen. Die Düngung solle zudem zielgerichteter sein. Dazu müssten die Landwirte auch ihre Böden untersuchen. „Viele machen das jährlich oder alle zwei Jahre“, so der Landwirt. Der Pflichtturnus liege bei sechs Jahren.


Auf Anfrage teilte der Landkreis Emsland mit, dass sich insgesamt 31 Brunnen zur Trinkwasser-Eigenversorgung im Gebiet befinden. „Alle Anlagen werden regelmäßig auf mikrobiologische und chemische Parameter, auch Nitrat überprüft“, teilte der Landkreis mit. Die Betreiber würden ausführlich über die Ergebnisse der Proben informiert und über mögliche Sanierungen beraten, wenn der Grenzwert überschritten werde.