Kreisausschuss unterwegs Weiter offene Fragen in Sachen Masterplan Ems

Heinrich Pegel (Mitte) von der Naturschutzstation Ems erklärt den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Natur mögliche Maßnahmen am Emsaltarm in Coldemüntje. Foto: Landkreis EmslandHeinrich Pegel (Mitte) von der Naturschutzstation Ems erklärt den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt und Natur mögliche Maßnahmen am Emsaltarm in Coldemüntje. Foto: Landkreis Emsland

Papenburg. Die Mitglieder des Kreisausschusses für Umwelt und Natur haben sich in Vellage und Coldemüntje zwei geplante Flächen zur Schlickreduzierung in der Ems angesehen. Zur Umsetzung des Masterplans Ems 2050 hatten sie noch einige offene Fragen.

Der Masterplan Ems ist beschlossene Sache. Bis zum Jahr 2050 soll die Wasserqualität der Ems verbessert und vor allem das Schlickproblem gelöst werden. Um sich ein Bild davon zu machen, was konkret im nördlichen Emsland und auch in Ostfriesland passiert, haben sich die Mitglieder des Kreisausschusses für Umwelt und Natur jetzt den Probeflächen, mit deren Hilfe in Zukunft der Schlick aus der Ems gefiltert werden soll, angesehen. Dazu zählt der Probepolder in Vellage . Dort soll, so erklärte es Kreisbaurat Dirk Kopmeyer, eine Fläche als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen werden, in der ein Polder entsteht, in dem sich der Schlick sammeln soll. In Coldemüntje, so Kopmeyer weiter, sei nach derzeitigem Stand ein Deichdurchbruch geplant. So könne das Wasser mitsamt Schlick auf eine 30 Hektar große Fläche ausweichen. Dort soll sich dann ebenfalls der Schlick absetzen. Eine weitere Maßnahme gegen den Schlick sei eine Sohlschwelle im Emssperrwerk Gandersum.

Land will 700 Hektar Fläche erwerben

„Dicke Bretter bohren“ müsse man in Sachen Flächenbeschaffung an der Ems. Wie im Masterplan verankert, will das Land im Rahmen des Planes rund 700 Hektar landwirtschaftliche Flächen erwerben, um neue Naturschutzgebiete entlang der Ems zu schaffen. Dies ist Teil der Vereinbarungen zwischen den Landkreisen Emsland, Leer und Aurich sowie der Stadt Emden, dem Land Niedersachsen, der Meyer Werft und den Umweltschutzverbänden WWF, BUND und Nabu.

Hans-Michael Goldmann (FDP) warf ein, dass viele Landwirte nach wie vor unsicher seien, was mit den Flächen geschehe. Das Land kaufe Flächen von den Besitzern, die aber nicht immer auch die Bewirtschafter seien. Oftmals hätten Landwirte die Flächen gepachtet, und diese wüssten nun nicht, was in Zukunft damit geschehe.

Demokratisierungsprozess gewünscht

Weiter kritisierte Goldmann das Vorgehen des Landes bei der Umsetzung der Maßnahmen. In Vellage etwa werde ein Polder geplant, ohne dass der Papenburger Stadtrat darüber beraten habe. Er wünsche sich hier „einen Demokratisierungsprozess“; so Goldmann. Dieses Mitspracherecht wünschte sich auch Michael Fuest (Grüne).

Ökologische und ökonomische Ziele vereint

Zustimmung fand der Einwand von Andrea Kötter (SPD), dass der Masterplan in enger Abstimmung mit dem Integrierten Bewirtschaftungsplan Ems (IBP Ems), der bereits 2010 ins Leben gerufen wurde, umgesetzt werden solle. Mit Inkrafttreten des Masterplans war der IBP Ems auf den Status einer gutachterlichen Grundlage gesetzt worden. „Bei der Erstellung des IBP Ems wirken mehr als 50 Organisationen mit“, sagte Goldmann. Schließlich sei es auch erklärtes Ziel des IBP Ems, ökologische und ökonomische Ziele an der Ems in Einklang zu bringen.


Um den jahrzehntealten Konflikt zwischen Naturschutz und Wirtschaftsinteressen an der Ems beizulegen, haben Landes- und Bundesregierung, Naturschutzverbände, Landkreise, die Stadt Emden und die Meyer Werft einen Masterplan beschlossen. Er soll die Wasserqualität der Ems verbessern und vor allem das Schlickproblem lösen.

Über die Ems werden die riesigen Kreuzfahrtschiffe der Meyer Werft von Papenburg aus in die Nordsee überführt. Trotz Protesten ist der Fluss in den vergangenen Jahren immer wieder an die Anforderungen der Luxusliner angepasst worden. Das sichert Tausende von Arbeitsplätzen bei der Werft und bei den Zulieferern. Der Preis aus Sicht der Naturschützer sind Schäden am Fluss: Der Verlauf der Gezeiten ist gestört, große Mengen von Schlick werden flussaufwärts gedrückt und müssen mit Millionenaufwand ausgebaggert werden.

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