Deutlicher Anstieg der Zahlen Niederländer zieht es ins nördliche Emsland

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Rhede/Dörpen/Lathen. Die Anzahl der Niederländer, die im nördlichen Emsland ihren Wohnsitz haben, ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Das geht aus den Meldeverzeichnissen der Gemeinden hervor. Auch die Zahl der Berufspendler ist laut Einschätzung der Ems Dollart Region (EDR) in den letzten 15 Jahren stetig gewachsen. Die höhere Arbeitslosenquote im Nordosten der Niederlande und der Fachkräftemangel in Deutschland seien mitverantwortlich für diese Entwicklung.

In der Einheitsgemeinde Rhede, Samtgemeinde Dörpen und Samtgemeinde Lathen ist der Anteil der niederländischen Bevölkerung stark gestiegen. In absoluten Zahlen gab es den größten Anstieg in der Samtgemeinde Dörpen. Im Jahr 2005 lebten hier noch 321 Niederländer. Aktuell liegt die Zahl bei 771. Der höchste Anteil hiervon entfällt auf die grenznahen Gemeinden Heede, Walchum und Dersum. Waren vor zehn Jahren 81 Niederländer in Heede registriert, so liegt die Zahl heute bei 188. In Walchum war der Anstieg noch rasanter. Im Jahr 2005 lebten hier noch 58 Niederländer. Heute sind es bereits 186. In Dersum stieg die Zahl von 60 auf 114.

In der Samtgemeinde Lathen und Einheitsgemeinde Rhede sieht das Bild ähnlich aus, auch wenn die Tendenz weniger stark ausgeprägt ist. Die Lathener Verwaltung verzeichnete einen Anstieg von 443 Bürgern mit niederländischer Staatsangehörigkeit im Jahr 2008 auf 534 in diesem Jahr. Der Bärenanteil entfällt auf die Gemeinden Lathen, wo die Zahl marginal von 163 auf 167 anstieg; und Sustrum, wo die Zahl von 132 auf 153 wuchs. In der Einheitsgemeinde Rhede waren vor 15 Jahren 321 Niederländer registriert. Heute sind es 368. Davon wohnen in Rhede selbst 245. Vor 15 Jahren waren es nur 233.

Auf der anderen Seite der Grenze leben vergleichsweise wenige Deutsche. In der Gemeinde Vlagtwedde, die an Rhede, Dörpen und Lathen grenzt, sind aktuell 37 Personen mit der deutschen Staatsangehörigkeit registriert. Die steigende Tendenz der Zuwanderung aus den Niederlanden und geringere Anzahl von Deutschen im niederländischen Grenzgebiet können auch auf die höheren Immobilien- und Grundstückspreise im Nachbarland zurückgeführt werden. Während Baugrundstücke im nördlichen Emsland teilweise bereits für 20 Euro pro Quadratmeter zu haben sind, bewegen sich die Preise in Vlagtwedde meist zwischen 75 und 120 Euro pro Quadratmeter.

Für den gebürtigen Vlagtwedder Gerard Musch ist das jedoch kein Grund, seine Heimat zu verlassen. Der Niederländer arbeitet als Lastkraftwagenfahrer für die Firma Hero-Glas in Dersum. Dass das Wohnen auf dieser Seite der Grenze günstiger ist, sei ihm bewusst. Dennoch wolle er nicht aus Vlagtwedde wegziehen. „Ich möchte gern, dass meine Kinder auf einer holländischen Schule bleiben“, sagt Musch. Das Pendeln bereite ihm keine Probleme.

Hinrich Kuper, EURES-Berater der EDR, geht derzeit von etwa 3000 Menschen aus, die im Ems-Dollart-Gebiet (Emsland/Ostfriesland und Drenthe/Groningen) pendeln. Bis ca. 2012 habe der Pendlerverkehr hauptsächlich aus Deutschland in Richtung der Niederlande stattgefunden. Danach habe sich die Situation jedoch verändert, weil sich die wirtschaftliche Lage im Nordosten der Niederlande verschlechtert hatte. „Gestiegen ist seitdem die Zahl der Niederländer in den Niederlanden, die Arbeit suchen in Deutschland, auch weil in der Öffentlichkeit die niedrige Arbeitslosenquote und die große Zahl offener Stellen in Deutschland propagiert wurde“, so Kuper.

Jeanet und Heiko Snater aus Nieuw-Buinen (Drenthe) leben schon seit elf Jahren in Dersum. Die beiden sagen, dass sie eher zufällig hier gelandet seien. Sie wollten gern ein Haus in der Grenzregion finden; hatten sowohl Immobilien in Deutschland als auch in den Niederlanden in Betracht gezogen. Dass die Häuser auf der deutschen Seite der Grenze günstiger sind, sei auch für sie nicht der ausschlaggebende Faktor gewesen, hierher zu ziehen. „Uns war die Lage und Ruhe wichtig“, sagt Heiko Snater, der noch immer in den Niederlanden arbeitet. Seine Frau fügt hinzu: „Hier sind die Leute gemütlich und sehr hilfsbereit. Das gefällt uns.“ Sie fühlten sich gut integriert in der Nachbarschaft, hätten auch am letzten Erntedankumzug teilgenommen. Ihre jüngste Tochter Melanie sei außerdem in Papenburg geboren und in beiden Sprachen und Kulturen – der niederländischen und deutschen – heimisch. Am Anfang haben sie sich erst an die neuen Gebräuche und kleinen kulturellen Unterschiede gewöhnen müssen, sagt Jeanet Snater. Dann lacht sie: „Mittlerweile sind wir selbst richtig emsländisch.“


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