Der erste wohnte am oder im Wald Holtewert – ein seltener Name mit Emsland-Bezug

Von Winfried Breidbach

Der erste Träger des Namens Holtewert wohnte am oder im Wald. Symbolfoto: dpaDer erste Träger des Namens Holtewert wohnte am oder im Wald. Symbolfoto: dpa

Papenburg. Mit rund 100 Namensträgern ist Holtewert ein relativ seltener Familienname, der sich überwiegend im westfälischen Sprachgebiet findet. Eines von drei Nestern liegt aber im Emsland.

Unsere Leserin Walburga Holtewert aus Lingen hat bisher keine Idee, woher der Name Holtewert kommen könnte.

Drei Nester des Namens lassen sich erkennen: in den beiden benachbarten Landkreisen Emsland und Steinfurt sowie im südwestfälischen Hochsauerlandkreis. An Namenvarianten gibt es heute nur noch den sehr seltenen Namen Holtevert, der nur im westlichen Münsterland nachzuweisen ist (Ochtrup, Wettringen).

Keine alten Belege

Die verfügbaren historischen Belege gehen nicht sehr weit in die Vergangenheit zurück. Die meisten kommen aus dem westfälischen Münsterland, wobei es früher weitere Schreibvarianten gab. So sind beispielsweise bezeugt: 1866 „Maria Catharina Holtevert“ (Ochtrup), 1867 „Anna Maria Holtewert“ (Neuenkirchen bei Steinfurt), 1873 „Elisab. Holdevert“ (Borghorst). Die vereinzelt belegte Namensform „Holtewers“ ist aus dem Genitiv „Holtewerts“ abgeschliffen („Karoline Holtewers“, 1888 in Wettringen).

Der Name Holtewert kann nur in Holt- und -ewert gegliedert werden. Das Grundwort Ewert ist in weiteren zusammengesetzten Familiennamen enthalten. Der Ursprung von Ewert ist eindeutig zu bestimmen. Ewert ist ebenso wie Ewerth, Ewerd, Ewerdt, Evert und Everth als zusammengezogene Form des Rufnamens Everhard zu erklären. Everhard ist die niederdeutsche Variante des altdeutschen Namens Eberhard, der die germanischen Namenwörter Eber (niederdeutsch Ever) „Eber“ und hard „hart, kräftig, kühn“ enthält. In den heutigen Familiennamen Everhard, Everhardt, Everhart, Ewerhard, Ewerhardt, Ewerhart ist der Rufname unverändert erhalten. Der Familienname Ewert und die übrigen verkürzten Namensformen werden zusammen von über 10.000 Personen getragen, wobei Ewert die weitaus häufigste Variante ist.

Wegen der Häufigkeit von Ewert wurde dieser Familienname häufig erweitert, um eine Person dieses Namens besser von anderen Namensträgern unterscheiden zu können. Im Falle von Holtewert findet sich als Bestimmungswort „Holt“. Dies ist die plattdeutsche Entsprechung von „Holz“ und bedeutete ebenso wie das hochdeutsche Wort in früherer Zeit vor allem „Wald“. Der erste Holtewert war also jemand namens Ewert, der am Holt = Wald wohnte.

Vergleichbar sind Namen wie Feldewert(h) „wohnte am Feld“, Heckewerth „wohnte an der Hecke (Landwehr)“, Tiggewert(h) „wohnte am Tigge, Thie (Versammlungsplatz)“, Brockevert „wohnte am oder im Brock (= Bruch, Sumpf)“, Strathewerd „wohnte an der (gepflasterten) Straße“.


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