57-Jährige ist gern zuhause Anni Arns hat einen Garten für jedermann

Von Susanne Risius-Hartwig


Papenburg. Wie viele Gäste jedes Jahr ihren offenen Garten besuchen, kann Anni Arns nur schätzen: „2000 werden es wohl sein.“ Darum sei die Entscheidung, ihren Beruf als Kinderkrankenschwester an den Nagel zu hängen, richtig gewesen, ist die 57-Jährige sicher.

Von Herzlake ist Anni Arns 1975 nach Papenburg gezogen, um im Krankenhaus ihre Ausbildung anzutreten. Sie blieb, heiratete, bekam drei Söhne und richtete sich mit ihrem Mann in der Friedlandstraße ein. Rund 1000 Quadratmeter Garten lagen hinter ihrem Haus.

Vor einigen Jahren begannen die Arns, Nachbarhäuser und -gärten zu kaufen. Die Häuser wurden vermietet, die Gärten dem eigenen Grundstück angefügt. Auf diese Weise entstand eine 2500 Quadratmeter große Anlage, die durch ihre Kleinteiligkeit auf den ersten Blick nichts von den tatsächlichen Ausmaßen verrät. Liebevoll angelegt, dekoriert und gepflegt ist der Garten heute eine grüne Oase für Naturfreunde, Ausflügler und Fahrrad-Touristen.

Bekannt für eigenen Stil

Nach dem Tod ihres Mannes 2010 entschied sich die Papenburgerin, den Garten zu behalten. Ende 2012 gab sie dann die Arbeit im Krankenhaus auf. Die Belastung wurde einfach zu groß. „Ich habe die letzten Jahre kämpfen müssen und mich tapfer geschlagen“, blickt sie zurück. Langeweile kennt die zierliche Frau mit dem jungenhaften Kurzhaarschnitt nicht. „Es ist immer etwas zu tun im Garten.“ Und wenn ein Besucher kommt, nimmt sich Arns gerne Zeit. Wenn es gewünscht wird, führt sie herum und gibt Tipps. „Wer sich keine Zeit nimmt, der hat auch keine,“ ist ihre pragmatische Einstellung. Wenn dafür etwas anderes liegen bleibt und vielleicht nicht alles perfekt in Ordnung ist, dann ist das eben so. „Das ist menschlich“, findet die Papenburgerin.

Diese lockere Einstellung ist erst gewachsen, erzählt die 57 Jährige. „Früher hat man viel mehr darauf geachtet, was andere meinen und wie es die Nachbarn halten.“ Heute gebe es viel mehr Freiheiten. „Ich bin inzwischen schon bekannt dafür, anders zu sein,“ lacht sie über das ganze Gesicht. „Wenn ich heute eine Bank quer in den Garten stelle, sagt keiner mehr was.“ Den eigenen Stil zu entwickeln brauche etwas Zeit, darum sei die zweite Lebenshälfte auch die interessantere. „Ich möchte nie mehr jung sein,“ sagt sie mit Nachdruck.

Kein Urlaubs-Typ

„Anna Arns“ steht in ihrem Reisepass. Aber im großen Freundeskreis kennen alle nur „Anni“. Den Pass braucht die passionierte Gärtnerin sowieso kaum, denn Reisen ist nicht ihr Ding: „Ich war nie der Urlaubs-Typ“, gibt sie zu. „Mein Mann und ich haben das Geld lieber in Haus und Garten angelegt.“ Mal eine Radtour, mal einen Tag nach Winschoten oder Leer, das ist der Papenburgerin genug Abwechslung. „Ich bin einfach gerne hier. Die Landesgartenschau war letztes Jahr mein Alibi,“ lächelt sie verschmitzt. Als Außenstandort der LGS kamen viele Auswärtige in die Friedlandstraße. Die sollten nicht vor geschlossener Tür stehen.

Gäste bewirten, Kontakt halten, Freundschaften pflegen, diese Dinge sind Anni Arns wichtig. „Ich bin gerne Hausfrau, koche für andere, mache es gemütlich.“ Viel Besuch hatte Familie Arns schon, als ihre Zwillinge noch Jugendliche waren. „Im Alter zwischen 14 und 16 sind sie zu groß für den Spielplatz und zu klein für die Disco“, erinnert sich die inzwischen fünffache Großmutter. Darum gab es im Garten in der Friedlandstraße eine „Bude“, einen Treffpunkt für bis zu 20 Jugendliche. Das ging täglich bis 22 Uhr, „dann war Schicht.“

Zwerge und Bären

Heute ist der Garten einmal im Jahr Treffpunkt für Kunstinteressierte. Aussteller und Kunsthandwerker bevölkern dann das Grün hinter ihrem Haus, erzählt die Gartenbesitzerin. Die Künstler kommen 14 Tage vorher und suchen sich den Standort für ihre Werke aus.

Arns bezeichnet sich selbst nicht als Kunstkennerin. „Was ist Kunst und was ist Kitsch?“, fragt sie und gibt gleich eine unerwartete Antwort: „Es gibt auch schöne Gartenzwerge“. Tatsächlich, ein sehr kleiner mit Moos bewachsener Gartenzwerg ist im offenen Garten zu finden, wenn man nur richtig sucht. Und Anni Arns hat nicht nur ein Herz für Gartenzwerge, sie besitzt auch eine stattliche Sammlung von Teddybären. Den ersten hat Arns vor Jahren auf einem Flohmarkt gekauft. Manche sind schon recht zottelig, bei einem sind die Ohren fast nicht mehr vorhanden. „Ja, man sieht ihnen an, dass sie einmal sehr geliebt worden sind,“ sagt Arns und schmunzelt.