Frei und ohne Sorgen Papenburger Künstler lebte ohne festen Wohnsitz

Von Susanne Risius-Hartwig

Otmar Nickolay, Landschaftsgärtner bei der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg, war in seinem Leben schon viel unterwegs. Foto: Susanne Risius-HartwigOtmar Nickolay, Landschaftsgärtner bei der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg, war in seinem Leben schon viel unterwegs. Foto: Susanne Risius-Hartwig

Papenburg. Otmar Nickolay ist Landschaftsgärtner, Künstler und Kräuterkundiger. Die Kindheit des 55-Jährigen war geprägt von vielen Ortswechseln.

Otmar Nickolay trägt derbe Schuhe, eine schwarze Arbeitshose und ein selbst gefärbtes Shirt, das in einem Farbverlauf von Himmelblau bis Türkis leuchtet. Damit ist er im üppigen Grün auf der Seeseite der HÖB schnell ausfindig gemacht. In einer Arbeitspause bei einer Tasse Kaffee antwortet Nickolay auf die Frage nach der Bedeutung seines Vornamens. Otmar kommt aus dem Althochdeutschen. Der Name besteht aus den Wörtern ot „Besitz, Erbe“ und mari „berühmt, sagenhaft“. Passt der Name? „Ja, ich fühle mich innerlich reich.“ Der Vorname hat in der Familie Nickolay Tradition. „Ich wurde nach meinem Onkel benannt, der im Krieg gefallen ist. Das hat mich beeinflusst. Ich habe den Wehrdienst verweigert.“

„Ertragenes bringt Ertrag“

Die Familie Nickolay stammt von der Mosel. „Ich bin in Koblenz geboren. 1968 zogen wir nach Papenburg.“ Und dann berichtet der Mann in groben Zügen von einer bewegten Kindheit, die geprägt war von vielen Ortswechseln und vom frühen Tod seiner Mutter. Diese Zeit hat ihn stark gemacht, ist Nickolay überzeugt. Denn „Ertragenes bringt Ertrag. Oder anders ausgedrückt: Rückenwind ist eine feine Sache, aber den Gegenwind brauchen wir als Aufwind für höhere Ziele.“

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Nickolay in Schwaben, im Sauerland und in Papenburg. Seinen Zivildienst leistete er auf der Insel Langeoog. In der dortigen Jugendherberge entstand seine erste Fassadenmalerei. Außerdem entwickelte er eigenen Schmuck. Von Schmuckverkauf, Straßenkunst und Musik lebte der knapp 20-Jährige anschließend: „Ich fuhr mit Fahrrad, Anhänger und meinem Hund frei und ohne Sorgen durch die Lande.“ Mehrere Jahre ohne festen Wohnsitz, ohne Versicherung und ohne Almosen haben ihn vieles gelehrt, vor allem aber, die Kunst zu leben, schwärmt Nickolay rückblickend.

Naturverbundenheit und eine philosophische Ader zeichnen den Gärtner aus. Wortspiele und Weisheiten liegen ihm: „Die Vergangenheit gibt mir die Kraft, die Gegenwart zu ertragen, um in der Zukunft gegenwärtig zu sein.“

Über Umwege Ausbildung zum Landschaftsgärtner

Brücken schaffen zwischen Vergangenem und bisher Unerreichtem. Mit diesem persönlichen Leitspruch hat der Künstler seine Internetseite überschrieben, und während er zitiert, blitzen seine Augen lebhaft unter den markanten, leicht ergrauten Augenbrauen.

1985 wird Otmar Nickolay auf dem Hümmling als Waldarbeiter sesshaft. Zwei Jahre später zieht es ihn nach Weener im Rheiderland, wo er das Freibad verschönert. 1991 zieht Nickolay wieder nach Papenburg. Hier schließt er bei der Stadt eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner ab.

Danach steht wieder die Kunst im Mittelpunkt. Der Autodidakt probiert sich in verschiedenen Kunst-Richtungen aus, hat mehrere Ausstellungen, wird Gastdozent an der Malschule Zinnober und arbeitet bis heute gerne an Projekten mit anderen Künstlern zusammen. Ein Beispiel dafür ist „Planeten in Deutschland“ , das die Dimension unseres Sonnensystems veranschaulicht. Nickolay steuert ein Gemälde der Erde bei, ein leuchtender blauer Planet im schwarzen All.

Der Künstlername von Otmar Nickolay ist Okapi. Dieses Tier lebt so versteckt im afrikanischen Regenwald, dass Forscher erst um 1900 von seiner Existenz erfuhren. „Wir sind beide Spätentdeckte“, grinst Nickolay. Er fotografiert und beschreibt seine Kunst als „nativ“, eine Wortschöpfung, die sich aus naiv, Natur und visionär zusammensetzt. Einen Eindruck kann sich der Interessierte auf der Homepage www.okapi-art.de verschaffen.

Mehr Qualität im Leben

Durch eine Ausbildung in der Heilkräuterkunde fühlt sich Nickolay „gut angelernt“ und in der Lage, auf dem Gelände der HÖB bei Seminaren zu referieren. Künftig möchte er gerne zusammen mit dem Regionalen Umweltzentrum (RUZ) Kräuter-Exkursionen für Schulklassen anbieten. „Fast jedes Wildkraut ist auch eine Heilpflanze, hat für gewöhnlich aber bedeutend weniger Nebenwirkungen als die Produkte der Pharmaindustrie.“ So sei Gundermann fast in jedem Garten zu finden. Heuschnupfen-Geplagten bringe ein zerriebenes und vorsichtig in die Nase gestecktes Blatt baldige Linderung, lautet sein Tipp.

Ob Nickolay wohl ärgerlich wird, wenn man ihn als „männliche Kräuterhexe“ betitelt? „Nein, das finde ich gut“, kommt es ohne Zögern zurück. Er stelle Räucherwerk her. Das habe eine mittelalterliche, spirituelle Tradition. Neben dem Wohlgeruch werde manchen Kräutern wie dem Salbei eine reinigende Wirkung nachgesagt. „Meine neue Räuchermischung besteht aus Salbei, Wacholder, Schmetterlingsstrauchblüten und getrocknetem Harz von der Weißtanne.“ Seine Leidenschaft für Kräuter hängt mit dem naturnahen Gärtnern zusammen. „Unkraut gibt es nicht, höchstens unerwünschte Wildkräuter“, erklärt Nickolay.

Heute wohnt der Vater einer 24-jährigen Tochter mit seiner Frau in einem Haus in Westoverledingen. Für die Zukunft wünscht er sich Gesundheit und dass die Menschen lernen, ein nachhaltigeres Leben mit mehr Qualität und weniger Stress zu führen.