Bürger unterstützen Flüchtlinge Hilfe macht das neue Leben in Papenburg einfacher

Von Louisa Meerjanssen

Durch Lernspiele will die Ehrenamtliche Anne Meßmann (rechts) in den Kursen Flüchtlinge spielerisch an die deutsche Sprache heranführen. Foto: Louisa MeerjanssenDurch Lernspiele will die Ehrenamtliche Anne Meßmann (rechts) in den Kursen Flüchtlinge spielerisch an die deutsche Sprache heranführen. Foto: Louisa Meerjanssen

Papenburg. In Papenburg bestehen seit Jahresbeginn Arbeitsgruppen, die sich für Flüchtlinge engagieren und ihnen dabei helfen, eine neue Zukunft aufzubauen. Initiiert hat das Projekt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zusammen mit der Stadt Papenburg. Vier Gruppen zu den Themen Mobilität, Tätigkeiten, Kommunikation und Soziale Betreuung gibt es seitdem, die weitere Unterstützung durch Ehrenamtliche suchen.

Wenn Menschen aus ihrer Heimat aufgrund von Krieg und Verfolgung flüchten müssen, dann machen sie sich auf in eine ungewisse Zukunft. Vanessa Wolf, die für das DRK Flüchtlinge bei verschiedensten Anliegen berät, spürt diese Ungewissheit in ihrem Arbeitsalltag: „Viele Asylbewerber wissen nicht, wie es weitergeht, wenn sie erst einmal hier sind.“

Einer der wichtigsten Schritte in die Integration sei die Überwindung der Sprachbarriere. Anne Meßmann, die den Arbeitskreis Kommunikation leitet, gibt zusammen mit einem Dutzend anderer Freiwilliger vormittags Sprachkurse. Das kostenlose Angebot richtet sich an die Flüchtlinge, die noch keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben und noch keine Zuschüsse für einen Deutsch-Integrationskurs bekommen. Deshalb unterliegen die Kurse laut Meßmann einer „ständigen Fluktuation“.

Pensionierte Lehrer

Die Schüler seien zudem unterschiedlich sozialisiert: „Sie kommen aus verschiedenen Ländern und unterscheiden sich auch in ihren Bildungshintergründen“, so Meßmann. Momentan engagieren sich vor allem viele pensionierte Lehrer. „Es wäre schön, auch etwas jüngere Freiwillige für diese Aufgaben gewinnen zu können“, meint sie.

Bei ihrer Arbeit gehe es nicht darum, perfekte deutsche Grammatik zu lehren. „Wir wollen die Schüler kommunikationsfähig machen.“ Mit Aktivitäten wie einem gemeinsamen Einkauf im Supermarkt soll die Ausdrucksmöglichkeit im Alltag verbessert werden. Der Sprachunterricht stellt laut Meßmann einen kommunikativen Treffpunkt für die Flüchtlinge dar. „Der soziale Kontakt ist besonders wichtig“, berichtet sie.

Die Wichtigkeit der emotionalen Begleitung betont auch Michael Ottens, der den Arbeitskreis Soziale Betreuung leitet. Dort gibt es derzeit rund 20 aktive Ehrenamtliche, die je nach Möglichkeit verschiedene Arten der Unterstützung anbieten. „Wir begleiten Familien bei Behördengängen, Arztbesuchen, bei der Wohnungssuche oder helfen bei ganz praktischen Dingen wie einkaufen gehen“, erzählt Ottens. Es geht jedoch nicht nur um Organisatorisches. Allein die Gesellschaft der Helfer mache schon viel aus.

Es geht um Schicksale

„Wir erleben die Flüchtlinge als freundlich und aufgeschlossen, doch da gibt es auch viele negative Emotionen“, schildert er. „Natürlich sind sie dankbar, dass es Leute gibt, die sich um sie kümmern. Aber da geht es ganz existenziell um Schicksale. Teilweise mussten sie um ihr Leben oder das ihrer Familie fürchten“, berichtet Ottens. Durch Angebote wie das Frauencafé, Treffen in der Kirche oder Angebote von Vereinen könne nur Ablenkung geboten werden. „Wir versuchen, diese negativen Emotionen aufzufangen“, so Ottens, der hauptberuflich in der psychologischen Beratungsstelle in Papenburg arbeitet.

Emotionale Stütze

Eine emotionale Stütze für die Asylbewerber will zudem die Psychologin Seba Chehab sein, die auch in der Beratungsstelle tätig ist. Sie bietet Hilfe auf syrisch an. Chehab selbst musste vor einigen Jahren mit ihrer Familie aus dem Damaskus flüchten. Sie berichtet, dass auf die Flucht aus der Heimat oft ein radikaler, sozialer Abstieg folge. Diese neue Lebenssituation, die Angst um die Familie daheim und das Kommunikationsproblem schüren laut Chehab Verzweiflung: „Das ist oft sehr schwer. Man muss versuchen, in die Zukunft zu blicken.“ Sie selbst betont, wie dankbar sie damals für jede Hilfe war: „Es macht das neue Leben einfacher.“