Mietvertrag mit Stadt läuft aus Was wird aus dem Alten Amtshaus in Papenburg?

Von Gerd Schade

Seit 1996 ist das Papenburger Heimatmuseum im Alten Amtshaus untergebracht. Foto: Jürgen EdenSeit 1996 ist das Papenburger Heimatmuseum im Alten Amtshaus untergebracht. Foto: Jürgen Eden

Papenburg. Die Tage des Heimatvereins Papenburg und damit auch des städtischen Heimatmuseums im Alten Amtshaus sind gezählt. Die Stadt Papenburg verzichtet auf die Option, den Mietvertrag zu verlängern. Damit endet das seit 1996 bestehende Mietverhältnis mit den Gebäudeeigentümern zum 30. Juni 2016. Der Stadt sind die Mietkosten von rund 32.000 Euro im Jahr zu hoch. Das Heimatmuseum soll mit neuem Konzept in den Zeitspeicher ziehen. Die Besitzer des Alten Amtshauses bedauern die Entwicklung.

„Wir hätten uns gewünscht, dass die Stadt von ihrem Optionsrecht Gebrauch macht. Das wäre für alle Beteiligten das Einfachste“, sagt Franz Meyer. Der Papenburger vertritt die Erbengemeinschaft des nach seinen Worten ältesten Hauses der Fehnstadt aus den 1630er-Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Firma Rieke & Meyer. Das Optionsrecht der Stadt sieht Meyer zufolge vor, dass sich der Mietvertrag um fünf Jahre verlängert. Nun denkt die Erbengemeinschaft über eine anderweitige Vermietung oder gar einen Verkauf des historischen Gebäudes nach. Die Erbengemeinschaft habe bereits einen Immobilienmakler beauftragt.

„Ohne Gastronomie geht es nicht“

Die Miete hält Meyer im Übrigen keineswegs für zu hoch. Sie sei 1996 gutachterlich berechnet und später sogar gekürzt worden, nachdem die Stadt das Gelände der 1997 Konkurs gegangenen Firma Rieke & Meyer plus den hinteren Teil des Gebäudes erworben habe.

Hauptproblem sind nach Meyers Auffassung auch nicht die Kosten, sondern, dass es seit einiger Zeit keinen Gastronomen mehr im Amtshaus gibt. Durch den Betrieb sei gleichzeitig die Bewachung des musealen Inventars gewährleistet gewesen, erklärt Meyer. Dass dies auf Dauer nicht ehrenamtlich durch den Heimatverein zu leisten sei, könne er verstehen. „Ohne Gastronomie geht es nicht.“

Umzug und neues Profil

Zuletzt hatte sich der städtische Kulturausschuss einstimmig dafür ausgesprochen, dass das Heimatmuseum in den Zeitspeicher wechselt. Der Heimatverein hatte für ein neues Konzept, das sich auf eine stärkere Profilierung des Museums in den Bereichen Schiffbau, Schifffahrt, industrielle Entwicklung und Technikgeschichte richten soll, im Januar eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Hartmut Bugiel vom Unabhängigen Bürgerforum (UBF), der auch Vorsitzender des Heimatvereins ist, sprach in der Ausschusssitzung von guten Standortbedingungen.

Meyer erinnert daran, dass das Elternhaus seines Vaters in den 1970er-Jahren abbruchreif gewesen sei. „Wir standen vor der Überlegung es abzureißen, verfallen zu lassen oder etwas daraus zu machen.“ Die Familie habe sich für Letzteres entschieden, das Gebäude entkernt, saniert und isoliert. „Wir haben praktisch in das bestehende Haus ein zweites hineingebaut“, erklärt Meyer, weshalb das historische Antlitz des Gebäudes erhalten bleiben konnte. Jahrelang sei das Alte Amtshaus das am besten isolierte Gebäude in Papenburg gewesen. Die Firma Rieke & Meyer nutzte es bis 1993 selbst als Büro.

Der Name Altes Amtshaus erinnert Meyer zufolge an die Zeit, als die Papenburger ihre Steuern noch in Naturalien zahlten. Abgeliefert worden seien sie vor einem Speicher auf dem heutigen Gelände des benachbarten Park-Inn-Hotels. Im Amtshaus wurden die Abgaben registriert. Das Speichergebäude sei 1964 nach einem Blitzeinschlag abgerissen worden, so Meyer.