Für Erhalt aller Arbeitsplätze Papenburger Werft-Leiharbeiter zeigen Geschlossenheit


Papenburg. Im Ringen um die Umstrukturierungspläne der Papenburger Leiharbeitsfirma EDL hat die Belegschaft ein starkes Signal gesetzt. Rund 300 der insgesamt knapp 460 Beschäftigten strömten am Samstag zu einer offenen Mitgliederversammlung der Gewerkschaft IG Metall Leer-Papenburg in den Ostfriesen-Hof in Leer. Dabei demonstrierten sie große Geschlossenheit und zurrten einstimmig ihre Forderungen für den Erhalt aller Arbeitsplätze und gegen eine Aufspaltung des Unternehmens fest, das seine Mitarbeiter an die Meyer Werft entleiht.

Der Gesprächsfaden nach den zwischenzeitlich von der Gewerkschaft unterbrochenen Verhandlungen soll in dieser Woche wiederaufgenommen werden. Bis Ende Juli soll ein Ergebnis vorliegen. Wie berichtet, sieht die Gewerkschaft gegenwärtig 120 Jobs der „EDL Ems Dienstleistung GmbH“ auf der Werft gefährdet. Nach Auffassung von EDL-Geschäftsführer Onno Behrends macht eine Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes eine Änderung des Geschäftsmodells notwendig. Ziel sei eine umfassende Umstellung auf Werkverträge.

(Weiterlesen: IG Metall: 120 Jobs auf der Meyer Werft in Gefahr)

Aus Sicht von Gewerkschaft und EDL-Betriebsrat plant die Geschäftsführung offensichtlich, das Unternehmen in drei Dienstleistungsbereiche zu zergliedern. Dabei drohe exakt 121 Mitarbeitern der Jobverlust, „Das ist mit uns überhaupt nicht zu machen“, rief der Erste Bevollmächtigte der IG Metall-Leer Papenburg, Thomas Gelder, der Belegschaft in der Mitgliederversammlung zu. Er unterstrich, dass IG Metall und Betriebsrat eine langfristige Sicherung aller Beschäftigten fordern. „Wir wollen keine Kompromisse, sondern eine gemeinsame Lösung – und zwar für alle 459 Mitarbeiter. Eine Zerschlagung wird es nicht geben“, versprach Gelder und rief die Versammlung zu Geschlossenheit und Solidarität auf. „Lasst euch nicht auseinanderdividieren!“

Die EDL sei überdies ein Teil der Meyer Werft und deren Beschäftigte hätten einen großen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg der Papenburger Schiffbauer. Nach eigenen Worten überhaupt nicht verstehen kann Gelder, dass angesichts der derzeit prall wie nie gefüllten Auftragsbücher (bis 2020) der Werft nicht genügend Arbeit vorhanden sein solle. „Immer mehr Aufträge, aber immer weniger Arbeit? Das passt doch nicht zusammen.“

Wertschätzung vermisst

IG-Metall-Sprecherin Ursula Wentigmann fasste die Stimmung im Gespräch mit unserer Redaktion am Rande der Versammlung so zusammen: „Die Kollegen machen sich Sorgen. Sie fragen sich, wie es weitergeht.“ Sie vermisse seitens der Geschäftsführung zudem die Wertschätzung für die Belegschaft, sagte Wentigmann. EDL-Betriebsratsvorsitzender Andreas Hübner betonte, dass man den Plänen für die Umstellung auf Werkverträge von Anfang an die kalte Schulter gezeigt habe. „Der Werkvertrag ist über kurz oder lang für alle das Aus“, sagte Hübner. Sollte es bei den Verhandlungen aus Sicht von Gewerkschaft und Belegschaft nicht wie gewünscht vorangehen, „müssen wir eben mal streiken“, rief einer aus der Versammlung heraus und erntete spontan Applaus.

Der Vorsitzende des Betriebsrates der Meyer Werft, Ibrahim Ergin, sicherte der EDL-Belegschaft die komplette Unterstützung der Werft-Mitarbeiter zu. „Wir stehen voll und ganz hinter den Kollegen. Ihr gehört mit zu uns“, sagte Ergin. Auch er schloss die Möglichkeit eines Streikes grundsätzlich nicht aus. EDL-Mitarbeiter, von denen beispielsweise viele als Kran- oder Staplerfahrer auf der Werft tätig seien, seien durchaus in der Lage, „den Laden innerhalb von drei bis vier Stunden lahmzulegen“, so Ergin.


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