Staatsanwaltschaft ermittelt Millionen-Wirbel um den Wirbelwandler aus Papenburg


Papenburg. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen ein Unternehmen aus Papenburg, das erstmals vor sechs Jahren mit der sogenannten „Wirbelwandler-Technologie“ für Aufsehen gesorgt hat.

Außerdem wurde beim Landgericht Osnabrück eine Zivilklage einer chinesischen Investorenfirma gegen das Unternehmen und deren Geschäftsführer Wolfgang Gesen eingereicht. Dabei geht es um mehrere Millionen Euro. Gesen weist alle Anschuldigungen zurück. Er hält sie für den Versuch, sich der von seinem Unternehmen entwickelten Technologie zu bemächtigen.

Worum geht es? 2009 stellte das Papenburger Unternehmen EGM International eine Technologie vor, mit der sich nach Angaben der Projektentwickler aus Kohlendioxid Energie erzeugen lässt. Vereinfacht gesagt, ist es dem Unternehmen unter anderem gelungen, Kohlendioxid mithilfe eines stabilisierenden Wasserwirbels in einem neuen, umweltfreundlichen Kraftstoff aus 50 Prozent Rapsöl und 50 Prozent Wasser dauerhaft zu binden, mit der sich ein Dieselmotor betreiben lässt. Diverse Investoren aus Asien interessierten sich für die „Wirbelwandler-Technologie“, die 2010 von der vom Bundespräsidenten als Schirmherrn unterstützten Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde. Fortan sollte die Technologie mithilfe asiatischer Geldgeber industriereif gemacht werden.

Warum wird ermittelt? Eine Firmengruppe aus China hat Zivilklage eingereicht und außerdem Strafanzeige wegen angeblichen Betrugs erstattet. Über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatte zuerst das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet. Demnach gingen die Chinesen mit 3,25 Millionen Euro in Vorkasse und wollen nun ihr Geld zurück, weil das Papenburger Unternehmen die versprochene Technologie bislang nicht geliefert habe.

Was sagt die Staatsanwaltschaft? Rene van Münster, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, dass eine Strafanzeige eingegangen sei, was den in dem „Spiegel“-Bericht beschriebenen Sachverhalt betrifft. „Wir stehen aber noch ganz am Anfang“, sagt van Münster zum Stand der Ermittlungen. Derzeit sei die Anklagebehörde dabei, Akten beizuziehen.

Was sagt das Landgericht? Gerichtssprecher Michael Hune teilt auf Anfrage mit, dass eine chinesische Investorenfirma sowohl Zivilklage gegen Gesen als auch gegen dessen Unternehmen eingereicht habe. Den Gesamtstreitwert beziffert Hune auf 3,8 Millionen Euro, davon 3,25 Millionen Euro Rückzahlung. Ob es tatsächlich zum Verfahren kommt, ist dem Gerichtssprecher zufolge noch unklar. Zurzeit würden die Möglichkeiten für ein sogenanntes Mediationsverfahren geprüft. Das sei ein Angebot des Gerichts für ein intensives Bemühen um eine gütliche Lösung. „Am Ende könnte dann ein Vergleich geschlossen werden“, erklärt Hune. Voraussetzung sei, dass beide Parteien dem Mediationsverfahren zustimmen. So oder so werde sich die Angelegenheit noch über Monate hinziehen.

Was sagt Wolfgang Gesen? Der Unternehmer streitet sämtliche Vorwürfe ab. „Das ist eine groß angelegte Kampagne der Chinesen, um an unsere Technologie zu kommen“, sagt Gesen im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei seiner „revolutionären Technologie“ ginge es schließlich um ein Milliardengeschäft. Er kündigt nach Rücksprache mit seinen Anwälten an, „aufgrund des Nachweises von gefälschten Unterlagen der Gegenseite“ ebenfalls Strafanzeige wegen Betrugsverdachts bei der Staatsanwaltschaft zu stellen. Gesen ist fest davon überzeugt: „Unsere Betrugsanzeige hat Aussicht auf Erfolg, die der Gegenseite nicht.“

Den Klägern sei jedes Mittel recht, sein Unternehmen im Markt zu blockieren und es als Erste an der Etablierung der Technologie zu hindern. „Das geht hin bis zur Diskreditierung und Diffamierung, Abwerben von Mitarbeitern und Fälschen von Unterlagen“, so Gesen. Zudem sei ein Angriff auf die Patentrechte und -anmeldungen gestartet worden. Darüber hinaus wirft der Papenburger den Klägern vor, vertraglich vereinbarte Bedingungen wie den Bau einer Produktionshalle sowie das Einholen behördlicher Genehmigungen für eine Fertigung nicht eingehalten zu haben.

Und was entgegnet Gesen Kritikern, die den Erfolg der Wirbelwandler-Technologie nach wie vor für pures Wunschdenken halten?

„Wir haben komplette Nachweise“, sagt Gesen. Nach seinen Worten verfügt das Unternehmen über Stellungnahmen von anerkannten Wissenschaftlern, Universitätseinrichtungen und internationaler Zertifizierungsinstitute, „die nicht nur allesamt bestätigen, dass unsere Technologie funktioniert, sondern ebenfalls als Durchbruch in der Wissenschaft bezeichnen“. Unter Aufsicht von Wissenschaftlern und Ingenieuren sei ein Mehrertrag von 28,6 Prozent Dieselkraftstoff aus Wasser bestätigt worden, erklärt Gesen und verwahrt sich gegen jedwede Vorwürfe vermeintlicher Taschenspielertricks.

(Weiterlesen: Vom Klimakiller zum Energieträger?)


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