Erweiterung in privaten Gemäuern Papenburger Sammler erweitert Radiomuseum um Nadeldosen

In Glasvitrinen hat der Radiosammler Rudi Evers aus Papenburg mehrere Hundert Nadeldosen sorgfältig aneinandergereiht. Die werden ab dem Herbst im neugestalteten Museum zu besichtigen sein. Foto: Jürgen EdenIn Glasvitrinen hat der Radiosammler Rudi Evers aus Papenburg mehrere Hundert Nadeldosen sorgfältig aneinandergereiht. Die werden ab dem Herbst im neugestalteten Museum zu besichtigen sein. Foto: Jürgen Eden

Papenburg. Mit seinem Maler- und Radio-Museum hat sich der Papenburger Rudi Evers weit über die Grenzen Papenburgs einen Namen gemacht. Dort wird inzwischen an mehreren Stellen kräftig gewerkelt. Denn zum Herbst soll auf einer größeren Fläche seine Sammlung ansprechender präsentiert werden. Und er geht weiter ins Detail: Denn auch blecherne Nadeldosen mit bunten Illustrationen hat er sorgsam aneinandergereiht.

Historische Nadeln? Wie lässt sich dafür ein Brückenschlag zum Phonomuseum herstellen? Man könnte meinen, die wären zum Nähen und Stopfen vorgesehen. „Nein, um Schallplatten hören zu können, werden Nadel benötigt“, so Rudi Evers. Früher steckte nach seinen Worten dahinter eine ganze Industrie, denn es handelte sich um ein Verbrauchsgut, wurde doch bei den Vorläufern der Plattenspieler, den Grammophonen, nach dem Abspielen jeder Platte eine neue Nadel notwendig. Zwei Wohnungen hat Evers inzwischen umgewidmet und in ein Museum verwandelt.

Grammophone

Der erste Blick richtet sich auf die Grammophone und Radios. Für die Generation MP3 müssen diese hölzernen Geräte mit Kurbel und riesigem Trichter wirken, als kämen sie aus einer anderen Welt. In jedem Fall aber aus einer weit entfernten Epoche. Doch der Nachfolger der Grammophone, der Schallplattenspieler, war meist in Kombination mit einem Radio und einem Kassettendeck in Form einer Truhe ein wichtiges Möbelstück und Unterhaltungsgerät in nahezu jedem Wohnzimmer oder Jugendraum. Spätestens nach einigen Minuten werden die Blicke in Evers Radio-Museum auf zwei Vitrinen gelenkt, in denen Hunderte der Blechdosen sorgfältig in Reih und Glied postiert wurden. Der Beginn der Schallplatten-Vervielfältigung wird mit dem Jahr 1892 datiert. „Die waren zunächst nur einseitig abspielbar“, so Evers.

Dabei handelte es sich um sogenannte Schellackplatten, deren Bestandteile Gesteinsmehl, Kohlenstaub und Tierhaare waren. Die Abspieldauer war meistens auf zwei bis drei Minuten beschränkt. Ab 1904 kamen mit der Marke Odeon die ersten doppelseitigen Platten heraus. Andere Hersteller folgten bis 1908. Der Nadel kommt bei den Abspielgeräten eine Schlüsselrolle zu, denn sie muss bei einer 30-Zentimeter-Platte immerhin einen Weg von 200 Metern zurücklegen und das bei einem Druck von 1000 Kilo pro Kubikzentimeter. Daraus wird bereits ersichtlich, dass die Nadeln einer dauerhaften Belastung nicht standhielten und regelmäßig gewechselt werden mussten. Eine Konzentration der Nadelfabriken war in Süddeutschland im Bereich Nürnberg festzustellen. Das Drei-S-Werk in Schwabach wurde 1850 gegründet und entwickelte sich zu der weltweit größten industriellen Fertigung von Sprechmaschinen-Nadeln. Die Produktion der Dosen wurde nach Evers Worten allerdings an die Blechindustrie vergeben. Entsprechend fantasievoll und vielfältig war die Gestaltung.

Tiere als Werbemotive

Recht häufig wurden Tiere, aber auch Kinder als Werbemotive gewählt. Aber auch Schallplatten und Tonarme oder einfach nur die Schriftzüge der Herstellerfirmen mit den Inhaltsangaben zierten in unterschiedlichen Farbkombinationen die Dosen, die meist viereckig, rund oder dreieckig waren. Besonders stolz ist Evers jedoch nicht auf die schätzungsweise 1000 Nadeldosen, sondern auch auf Bogen aus Blech im Format DIN A1. Die Motive wurden im Vierfarb-Druck auf die Bögen gebracht. Danach erfolgte das Ausstanzen. Heimarbeiter polierten die Deckel mit Reismehl auf Hochglanz und versahen die Dosen mit Scharnieren.

Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Anzahl der Nadelfabriken deutlich reduziert. Mit dem technischen Fortschritt und dem kommerziellen Durchbruch der Schallplatte ab den 1950er-Jahren sank die Nachfrage und damit die Anzahl der Fabriken weiter. Der Vollständigkeit halber sollte jedoch auch erwähnt werden, dass in Evers Radio-Museum inzwischen auch unzählige Schallplatten aus den 1950er- bis 1990er-Jahren archiviert werden. Freiwillige Helfer sortieren sie nach Genres und tauchen auch dabei in eine vergangene, aber meist noch beschaulichere Zeit.


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