Ursprung bei Zinsverpflichtung Den Namen Fastabend gibt es fast nur im Nordwesten

Von Winfried Breidbach

Von einer Abgabeleistung der zinspflichtigen Bauern geht der Name Fastabend aus. Symbolfoto: dpaVon einer Abgabeleistung der zinspflichtigen Bauern geht der Name Fastabend aus. Symbolfoto: dpa

Papenburg. Unser Leser Michael Fastabend hat bisher keine Erklärung seines Familiennamens gefunden. Etwas über 400 Personen tragen den Nachnamen Fastabend. Die Namensträger leben fast ausschließlich in Nordwestdeutschland, wobei sich zwei Zentren abzeichnen: erstens im Landkreis Emsland, zweitens in der Stadt Bielefeld. Die aus Fastabend abgeschliffene Namensform Fasabend ist fast ausgestorben.

Der Name Fastabend ist identisch mit einer der Bezeichnungen der „Fastnacht“, des Abends vor Beginn der Fastenzeit = Fastnachtsdienstag. Im Mittelniederdeutschen gab es zwei nebeneinander verwendete Wörter mit der Bedeutung „Fastnacht“: vastâvent und vastelâvent. Ganz entsprechend waren die mittelhochdeutschen Wörter vastâbent und vastelâbent. Auf die Wortformen mit vastel- gehen die heutigen Familiennamen Fastl-, Fasl-, Fassel-, Fassl- und Faßl-abend zurück, die allesamt sehr selten sind.

Bis in die Neuzeit bezeichneten die Wörter Fast-/Fastelabend nur den Tag bzw. Abend vor Aschermittwoch. Insbesondere in Nordwestdeutschland entwickelte sich in jüngerer Vergangenheit eine neue Bedeutung des Wortes Fastabend/Fastelabend: „Nachbarschaft, Gemeinschaft; Nachbarschafts-, Bürgerversammlung“. Zugrunde liegt hier sicherlich der Brauch, sich am Fastnachtstag feierlich zu versammeln und einander zu beschenken (mittelniederdeutsch vastelâventgeld „zu Fastnacht übliches Geldgeschenk“). Diese Bedeutung ist zu jung, als dass sie noch bei den Familiennamen eine Rolle spielen könnte.

Wieso also erhielt jemand den Beinamen „Fastnacht“ (Fastabend, Fastelabend, Fastnacht, im Süden auch Fasching und Faschang)? In der namenkundlichen Fachliteratur finden sich vielfach zwei Deutungen: Erstens soll der Name jemanden bezeichnen, der das Fastnachtstreiben besonders liebte, zweitens soll der am Tage der Fastnacht Geborene diesen Beinamen erhalten haben.

Beide Erklärungen sind aus meiner Sicht wenig wahrscheinlich. Wörter wie mittelniederdeutsch vastâvendes-/vastelâvendes-hôn und mittelhochdeutsch vastnaht-huon „zu Fastnacht fälliges Zinshuhn“ weisen den richtigen Weg: Wie bei anderen mit Festnamen identischen Familiennamen (Weihnacht, Pfingsten, Ostern, Ostertag usw.) bezog sich der Name „Fastnacht“ auf die an diesem Tage zu erbringende Abgabeleistung der zinspflichtigen Bauern.

Einige ältere Belege von Fastabend: 1589 „Adam Vastabendt“ (Frankenthal), 1628 „Meinulph Fastabend“ und 1646 „Menna Vastavent“ (Kirchborchen), 1686 „Trin Marike Fassabend“ (Dornberg), 1698 „Johan Vastabend“ (Schildesche).


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