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Aufträge für Papenburg und Turku Meyer Werft baut wieder für Aida Cruises

Letzter Neubau für AIDA Cruises aus Papenburg: Die AIDAstella aus dem Jahr 2013. Foto: Christoph AssiesLetzter Neubau für AIDA Cruises aus Papenburg: Die AIDAstella aus dem Jahr 2013. Foto: Christoph Assies

Papenburg. Die Rostocker Reederei Aida Cruises hat die Papenburger Meyer Werft mit dem Bau von zwei neuen Kreuzfahrtschiffen beauftragt. Die Ozeanriesen werden die größten je in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffe sein. Das bestätigte Werftsprecher Peter Hackmann am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion. Damit stehen aktuell zehn Luxusliner in den Auftragsbüchern der Papenburger Schiffbauer.

Zum Auftragsvolumen wurden keine Angaben gemacht. Nach Einschätzungen aus der Schiffsbaubranche liegt es aber jenseits der Milliardengrenze. Die Ozeanriesen sollen 2019 und 2020 abgeliefert werden und über jeweils 2500 Kabinen verfügen. Dann hätten dort allein rund 5000 Passagiere Platz. Die Kreuzfahrtschiffe sollen zudem als erste Neubauten weltweit mit Flüssigerdgas betrieben werden. Darüber hinaus entstehen zwei weitere Neubauten für den Aida-Mutterkonzern Carnival auf der finnischen Werft Meyer Turku, die die Papenburger Schiffbauer kürzlich komplett übernommen haben. (Weiterlesen: Meyer Werft baut wieder für Aida Cruises)

Verzögerung in Japan

Die bislang größten in Papenburg gebauten Kreuzfahrtschiffe sind die Luxusliner der Quantum-Klasse für knapp 4200 Passagiere für die US-Reederei Royal Carribbean International. „Wir freuen uns über das in uns gesetzte Vertrauen, um dieses ehrgeizige Neubauprogramm umzusetzen“, erklärte Werftchef Bernard Meyer. Zuletzt hatten die Papenburger Schiffbauer von 2007 bis 2013 insgesamt sieben Kreuzfahrtschiffe mit dem markanten Kussmund am Bug gebaut. Im Sommer 2014 hatte es in Branchenkreisen Spekulationen über eine Rückkehr von Aida nach Papenburg gegeben. Derzeit wird im japanischen Nagasaki bei Mitsubishi Heavy Industries die neue „AIDAprima“ gebaut. Die Ablieferung verzögert sich von März auf Oktober 2015. Ein Schwesterschiff soll 2016 in Betrieb genommen werden.

Wie Aida Cruises mitteilte, werden mit dem neuen Antriebskonzept die Emissionen von Rußpartikeln und Schwefeloxiden vollständig vermieden. „Vor allem durch das kontinuierliche Wachstum von Aida haben wir Deutschland inzwischen zum zweitgrößten Kreuzfahrtmarkt der Welt entwickelt. Wir freuen uns sehr die langjährige, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Meyer Werft erfolgreich fortzusetzen“, sagt Michael Thamm, Chef der Costa-Gruppe in einer Mitteilung des Konzerns. Sowohl Aida Cruises, als auch die italienische Reederei Costa gehören zum US-Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation.

Zwei Schiffe für Turku

Neben den Neubauten, die am Standort Papenburg entstehen, werden nach Mitteilung der Carnival Corporation weitere zwei Luxusliner für eine der Carnival-Marken im finnischen Turku gebaut. Zum Zeitpunkt der Ablieferung dieser Neubauten darüber, unter welcher Marke sie fahren werden, wurden keine Angaben gemacht. Auch diese Kreuzfahrtschiffe werden vollständig mit Flüssigerdgas betrieben. Sie werden allerdings noch größer als die Neuaufträge für Papenburg: Mit einer Kapazität von 6600 Passagieren baut Meyer Turku damit die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt.

Bereits im März hatte die italienische Zeitung „Economia“ über mögliche zehn Neubauten der Carnival-Gruppe berichtet . Bestätigt hatte der Konzern Ende März, dass die Flotte bis zum Jahr 2022 um neun Kreuzfahrtschiffe erweitert werden solle. Aufträge sollen neben der Meyer-Gruppe auch die italienische Fincantieri-Werft bekommen. Dort sollen demzufolge fünf Schiffe auf den Werften in Monfalcone und Marghera entstehen. Allein für die italienische Werft wird in Branchenkreisen ein Auftragswert von 3,6 Milliarden Euro vermutet. Das Auftragspaket von Carnival wäre damit das größte in der Geschichte der Kreuzfahrtindustrie. Die italienische Fincantieri-Gruppe ist das größte europäische Schiffbauunternehmen und damit der stärkste Konkurrent der Papenburger Meyer Werft beim Bau von Kreuzfahrtschiffen.

Größter Anbieter

Die Carnival Corporation ist der größte Kreuzfahrtanbieter der Welt. Zu dem Branchenführer gehört die in Rostock ansässige Reederei Aida Cruises, die britische Traditionsreederei Cunard und die italienische Marke Costa. Für welche Carnival-Marke die Neubauten aus Finnland bestimmt sind, verkündete Meyer Turku am Montag nicht. Jan Meyer, Chef der finnischen Werft, sagte in einer Pressemitteilung: „Dieser Auftrag ist sehr für wichtig für die Werft in Turku und bringt für uns und unsere Partner die lang ersehnte Stabilität.“ Das Unternehmen werde sich vorbereiten, um die Anforderungen „dieser anspruchsvollen Projekte“ gerecht zu werden. Die finnische Werft plant nach Angaben von Meyer die nächsten Investitionen in die Werftanlagen.

Derzeit befindet sich bei Meyer Turku das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 5“ für die deutsche Reederei TUI Cruises im Bau. Die Ablieferung ist für Juli 2016 vorgesehen. Drei baugleiche Schwesterschiffe folgen 2018, 2019 und 2020.


An den drei Meyer-Standorten in Papenburg, Rostock (Neptun-Werft) und in Turku arbeiten insgesamt knapp 5000 Menschen, die meisten davon (3100) in Papenburg. Als Nächstes werden die Schiffbauer im nördlichen Emsland die „Norwegian Escape“ abliefern. Das knapp 326 Meter lange Schiff für die US-Reederei Norwegian Cruise Line bietet Platz für rund 4200 Passagiere und wird Papenburg im Herbst verlassen. Mit den neuen Aida-Schiffen sind die Auftragsbücher bis 2020 gefüllt. Der Standortsicherungsvertrag gilt bis zum Jahr 2030.

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