Die letzte Fahrt der „Max Brauer“ Recycling-Firma in Papenburg wrackt Schiffe ab


Papenburg. Viele Schiffe erblicken in Papenburg das Licht der Welt. Doch noch mehr Wasserfahrzeuge treten ihre letzte Reise in die Fehnstadt an, um durch die DA-Schiffsverwertung verschrottet und recycelt zu werden. In diesen Tagen muss ein ausrangiertes Fahrgastschiff aus Hamburg dran glauben.

Ein kalter Wind mit Regenfontänen pfeift zwischen den Hallen und den Kaimauern vom Südhafen zum Hampoel. Für einen Moment scheint die Erde zu beben: In einer düsteren, rund 120 Meter langen Halle des ehemaligen Geländes von Ostermann & Scheiwe nimmt eine sogenannte Genesis-Schrottschere ein Stück einer Seitenreling zwischen die Metallgreifer.

Knackgeräusche, ein weiteres Beben, und der zentimeterdicke Stahl wird wie eine Blechbüchse durchtrennt. Der Greifer packt sich das etwa 50 Zentimeter große Stahlstück und lässt es wenige Meter von dem Stahlkoloss zu Boden fallen. Die Erde vibriert erneut, denn der Bagger setzt seine Arbeit fort.

Erst bei genauerem Hinsehen wird klar, dass der Bagger den Rest des Hamburger Fahrgastschiffes „Max Brauer“ zerteilt. „Bei noch größeren Schiffen sind diese Vibrationen sogar im Büro zu spüren“, sagt Olaf Evers, der für den Ankauf und die Abwicklung der Schiffe zuständig ist.

Metalle werden sortiert

Warum beim Schiffsrecycling nicht mehrere Mitarbeiter mit Schneidbrennern schwere Stahlblöcke in ihre Einzelteile zerlegen, liegt Evers zufolge an der mangelnden Effektivität. „Der wäre eher was für schwer zugängliche Stellen“, erklärt Evers. Für den sogenannten Rückbau wird nach seinen Worten pro Schiff in der Regel ein zeitlicher Rahmen von einer Woche angesetzt. Das Mitarbeiterteam ist übersichtlich. Zur Mannschaft gehören außer Evers, der aus einer Harener Schifferfamilie stammt, ein Maschinenführer, ein Demonteur und eine Bürokraft.

Beim Blick in die Halle fallen schnell mehrere Container auf, die sorgfältig in Reih und Glied aufgestellt wurden, um die unterschiedlichen Metalle direkt sortieren zu können. Von dem 53 Meter langen und bis zu 500 Passagiere fassenden Fahrgastschiff sind nur noch das Steuerhaus und der Maschinenraum erkennbar. Dasselbe Schicksal wird in den kommenden Tagen ein weiteres Schiff mit dem Namen „Freundschaft“ ereilen. Es liegt noch im Papenburger Hafen und wird zurzeit entkernt.

Dazu gehört das Demontieren der Innenausbauten sowie das Entfernen der Kabel- und Wasserleitungen. Eine überdimensionale Winde zieht den ausgeschlachteten Schiffskörper für die weitere Zerlegung in die Halle. Hätte ein Kaufinteressent jetzt noch eine Chance? „Nein“, sagt Evers, denn das Unternehmen erwirbt die Schiffe ausschließlich zum Recycling und verpflichtet sich vertraglich ausnahmslos für diese Form der Verwertung.

Bei Schlepper am Haken

Zwischen der „Freundschaft“ (Stapellauf 1895) und der Max Brauer liegt ein Altersunterschied von fast neun Jahrzehnten. Letzteres wurde 1980 bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft Hamburg (HDW) gebaut, auf den Namen des ehemaligen Hamburger Bürgermeisters (1887–1973) getauft und vom Stapel gelassen. Bereits drei Jahre nach der Auslieferung kaufte es die HADAG Seetouristik. Doch statt Touristen durch den Hamburger Hafen zu schippern, diente es viele Jahre als Charterschiff auf verschiedenen Routen. Für eine Saison soll es sogar auf der Nordsee zwischen Eemshaven und Borkum gependelt sein.

Die letzte Fahrt der „Max Brauer“ am Haken eines Schleppers führt von Hamburg über den Elbe-Seitenkanal, den Küstenkanal, die Schleuse Herbrum über die Ems nach Papenburg. „Natürlich hat jedes Schiff eine Geschichte. Doch wir führen viele wertvolle Rohstoffe wie beispielsweise Stahl einer Wiederverwertung zu“, sagt Evers. Der Stahl wird zum Schmelzen nach Lingen oder Osnabrück gebracht. Dabei ist es nach seinen Worten gar nicht so unwahrscheinlich, dass dieser wertvolle Rohstoff auf der anderen Hafenseite bei der Meyer Werft wieder zum Einsatz kommt.

Die DA-Schiffsverwertung gehört zur Gruppe des Recyclingunternehmens Augustin in Meppen. Seit Mai 2012 ist der fachgerechte Rückbau von schwimmenden Einheiten Teil des Betätigungsfeldes. Bisher wurden nach Unternehmensangaben rund 80 Binnen- oder Seeschiffe, Pontons oder Bunkerboote umweltgerecht entsorgt.


1 Kommentar