Verbindung zum Beruf des Hüters Der Name Hüer tritt im Emsland konzentriert auf

Von Winfried Breidbach

Auf den Beruf des Hüters geht der Name Hüer zurück.Symbolfoto: dpaAuf den Beruf des Hüters geht der Name Hüer zurück.Symbolfoto: dpa

Papenburg. Unser Leser Manfred Hüer aus Lingen fragt nach Herkunft und Bedeutung seines Familiennamens. Die etwa 260 Träger des Nachnamens Hüer leben fast ausschließlich in Nordwestdeutschland.

Hier findet sich im Landkreis Emsland das weitaus stärkste Nest des Namens, mehr als zwei Drittel der Familien namens Hüer sind im Emsland ansässig. Die wenigen Namensträger in den Niederlanden oder ihre Vorfahren müssen aus Deutschland zugewandert sein, da es den Buchstaben -ü- in echt holländischen Namen nicht gibt. Unmittelbare Namenvarianten finden sich nicht. Die seltenen Familiennamen Hühr und Huer hängen vielleicht historisch mit Hüer zusammen.

Von der heutigen Namensform ausgehend ist Hüer nicht zu enträtseln. Stellt man aber den im Niederdeutschen häufigen Schwund des Konsonanten -d- in Rechnung, erschließt sich Hüer als abgeschliffene Form des Namens Hüder. Dieser Familienname ist heute im gesamten deutschsprachigen Gebiet nicht mehr nachzuweisen. Die verfügbaren historischen Belege kommen vor allem aus Westfalen und aus dem Rheinland. Bezeugt sind zum Beispiel: 1643 „Clemens Hueder“ (Köln ), 1650 „Jost Hüder“ (Gudensberg/Nordhessen), 1678 „Carolus Huder“ (Jülich), 1757 „Henr. Wilhelm Hueder“ (Unna). Die ältesten Zeugnisse der verkürzten Namensform ohne -d- sind 1686 „Joannes Baptista Hueer“ (Köln), 1758 „Peter Hueer“ (Lindlar), 1799 „Anna Maria Gertrud Hueer“ (Buldern).

Der Ursprung des Namens Hüder ist eindeutig zu identifizieren. Hüder ist eine der Formen eines Berufsnamens, der im Mittelniederdeutschen in den Varianten hüdere, hüder, hödere, höder, hoeder, hoyder belegt ist. Die Bedeutung ist als hochdeutsch „Hüter“ anzugeben, doch umfasste der Beruf des Hüters verschiedene Tätigkeiten. Unter anderm werden in den Wörterbüchern verzeichnet „Hüter, Beschützer, Wächter; Aufpasser, Aufseher; Zunftgeschworener; Steiger (Bergbau); Tür-, Torwächter; Krankenwärter; Gefangenenwächter; Viehhüter, Hirt“. Welche dieser Tätigkeiten der erste Träger des Berufsnamens bei einer Familie Hüder/Hüer konkret ausübte, wird sich kaum ermitteln lassen.

Die Variante höder lebt in den heutigen seltenen Namen Hoeder/Höder fort, die gestreut in verschiedenen Regionen anzutreffen sind. In der Form Hoeder wird der Name in den Niederlanden von etwa 60 Personen getragen, die möglichen Bedeutungen dort entsprechen denen im plattdeutschen Gebiet. Im Bereich des Niederdeutschen wird der Name Höer mit -d-Schwund auf Höder zurückgehen. In Sachsen aber, wo Höer konzentriert ist, entstand Höer als Variante von Hoyer „Hauer“.


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