Konkrete Planungen bis Sommer Masterplan Ems: Polder in Vellage nimmt Form an

In der Tunxdorfer Schleife bei Vellage soll der 20 Hektar große Pilotpolder entstehen. Fotos: Mirco MoormannIn der Tunxdorfer Schleife bei Vellage soll der 20 Hektar große Pilotpolder entstehen. Fotos: Mirco Moormann

Papenburg. Almut Kottwitz, Staatssekretärin im Niedersächsischen Umweltministerium, sprach von einem „tollen Erfolg“ zu Beginn des Projektes „Masterplan Ems 2050“. Neben den Poldern sollen eine Tidesteuerung des Emssperrwerks in Gandersum sowie Sohlschwellen der Verschlickung der Ems entgegenwirken.

Die Polderflächen bei Vellage, in der sogenannten Tunxdorfer Schleife, sollen 20 Hektar groß werden. Bevor die Flächen, die etwa drei Meter Tiefe werden sollen, ausgebaggert werden können, müssen Naturschutzauflagen erfüllt werden, da es sich bei der Fläche um ein Vogel- und Naturschutzgebiet handele, sagte Siegfried Popp, Direktor des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2014.

Seit Anfang April sei mit Kartierungsarbeiten zur Bestandserfassung von Vogelarten, Amphibien oder Fledermäusen begonnen worden. Auch unterschiedliche Biotop- und Lebensraumtypen sowie Pflanzen seien seitdem registriert worden. Nach der Brut- und Setzzeit im Sommer folgen in Vellage die Bodenuntersuchungen, erste Überlegungen zum Genehmigungsverfahren lägen bereits auf dem Tisch, so Popp. Im kommenden Jahr könnten sie konkret werden.

Polder als Schlickfalle

Der Pilotpolder in Vellage wolle man feststellen, wie sich solch eine Fläche, in der der Schlick aus der Ems aufgefangen werden soll, verhalte, sagte Staatssekretärin Kottwitz. Theoretisch wisse man, wie sich die Polderflächen bei Hochwasser füllten und so zur „Schlickfalle“ würden. Doch es müsse neben allen Berechnungen – laut Kottwitz seien die drei genannten Maßnahmen von der Universität in Kiel als wirksam bezeichnet worden – auch der Praxistest durchgeführt werden. Bis 2018 will man dies in Vellage und an anderen Orten testen. Laut Kottwitz wolle man beim Pilotpolder etwa ausloten, in welcher Höhe und Breite zu Fluss die Polder angelegt werden müssten.

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So werde auch die Schleuse in Herbrum, an der die Fischdurchgängigkeit hergestellt werden soll, geprüft. Am Emssperrwerk in Gandersum sollen mithilfe einer intelligenten Tidensteuerung die Schlickmassen zurückgehalten werden – ebenso soll dies mit dem Einbau von Sohlschwellen erreicht werden.

Zwei weitere Polder geplant

Letztendlich soll auch die Kombination dieser drei Maßnahmen zum Erfolg führen . Wie Kottwitz betonte, wolle man aber mithilfe der Polder (neben Vellage sind derzeit zwei weitere in Coldemüntje und Stapelmoor geplant) einen Großteil des Schlicks aus dem Wasser holen. Diese Polder müssten dann regelmäßig ausgebaggert und der Schlick abtransportiert werden. Im Idealfall könne man das der Ems entnommene Material für den Deichbau nutzen, sagte Helmut Dieckschäfer, Leiter des Geschäftsbereiches „Regionaler Naturschutz“ des NLWKN.

Anlagen fangen Wasser auf

Wie Dieckschäfer weiter ausführte, plane man auch die Nutzung des Deichhinterlandes für die Schlickabsonderungen. Durch Rohre im Deich könne das Emswasser auf die Flächen dahinter gelangen. Dort würde der Schlick durch spezielle Anlagen abgefangen und das Wasser zurück in den Fluss gepumpt. „Die Hauptdeiche werden nicht geöffnet.“

Um den Masterplan Ems bis zum Jahr 2050 umzusetzen , benötigt das Land Niedersachsen Ausgleichsflächen. So müssen 700 Hektar landwirtschaftliche Flächen erworben werden, um neue Naturschutzgebiete entlang der Ems zu schaffen. Dies ist Teil der Vereinbarungen zwischen den Landkreisen Emsland, Leer und Aurich sowie der Stadt Emden, dem Land Niedersachsen, der Meyer Werft und Umweltschutzschutzverbänden.

Im Vorfeld der Abstimmung zum Masterplan hatte es im Landkreis Leer massive Proteste von Landwirten gegeben. Diese befürchteten, dass zu viele der für den Naturschutz infrage kommenden Flächen in ihrem Bereich liegen werden. Diesbezüglich teilte Kotwitz am Dienstag mit, dass dem Land bereits Flächen aus dem Landkreis Leer zum Kauf angeboten wurden. Auch hier sei man auf einem guten Weg, so die Staatssekretärin.

Alle Hintergründe zum Masterplan Ems finden Sie auf unserem Themenportal unter noz.de/masterplan-ems


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