Ursprung nicht zweifelsfrei klar Namensforscher: Haukje stammt aus dem Ammerland

Von Winfried Breidbach

Mit rund 30 Namensträgern ist Haukje ein seltener Familienname, der sich fast ausschließlich in der Region Oldenburg/Wesermarsch findet. Symbolfoto: dpaMit rund 30 Namensträgern ist Haukje ein seltener Familienname, der sich fast ausschließlich in der Region Oldenburg/Wesermarsch findet. Symbolfoto: dpa

Papenburg. Unsere Leserin Kirsten Brockhaus aus Bawinkel vermutet, dass ihr Mädchenname „Haukje“ von dem Beruf „Heuer“ abstammt.

Mit rund 30 Namensträgern ist Haukje ein seltener Familienname, der sich fast ausschließlich in der Region Oldenburg/Wesermarsch findet. Ein erheblicher Teil der Familien namens Haukje lebt in Brake (Unterweser). Historische Belege deuten an, dass der Name ursprünglich aus Edewecht im Ammerland stammt, wo in der Bauerschaft Osterscheps bereits 1550 „Oltmann Haukje“ bezeugt ist.

Unmittelbar ähnliche Familiennamen gibt es nicht, die historische Schreibung Hauckje ist erloschen. Es gibt aber mehrere Nachnamen mit Hauk, darunter die fast überall in Deutschland verbreiteten Namen Hauk, Hauck, Hauke und Haucke mit zusammen über 26000 Namensträgern.

Offensichtlich liegt in Haukje einer der zahlreichen nordwestdeutschen Familiennamen mit der Endung -je vor. Die meisten dieser Namen sind identisch mit Koseformen von altdeutschen Rufnamen. So ist Detje Kosename zu Namen mit Det- „Volk“, zumeist gehört Detje zu Dederik „Dietrich“. Die Namen Lüthje/Lütje gehen auf Koseformen von Rufnamen mit Liud- „Volk“ (zum Beispiel Ludolf, Ludger) oder Hlûd-/Lûd- „berühmt“ (Ludwig) zurück.

Auch Hauk-, der erste Namenbestandteil von Haukje, ist auf alte Rufnamen zurückzuführen. In Hauke steckt das Namenwort Hug- „Gedanke, Sinn“, das im niederdeutschen Gebiet vor allem in den Männernamen Hugbert, Hugold (aus Hugwald) und Hugfrid vorkam. Das Namenwort enthielt ursprünglich den Kurzvokal -u-. In dem für alle Männernamen verwendeten Kurznamen Hugo wurde der Vokal meist zu -û- gedehnt. Der Langvokal -û- entwickelte sich in verschiedenen Regionen zum Zwielaut -au-. Dieser Lautwandel wurde auch in Nordwestdeutschland und bei den Friesen durchgeführt. Da dort der Konsonant -g- häufig schwand, wurde Hugo über Hûgo, Hauge zu Hauo, Haue, Hauwe.

Zum neu entstandenen Namen Haue gehörte die Koseform Hauke, Hauk, die sowohl für Männer wie auch für Frauen verwendet wurde. In einem letzten Entwicklungsschritt schließlich wurde Hauk(e) mit der Endung -je zu Haukje erweitert. Soweit aus der Fachliteratur ersichtlich, entstand Haukje nur in Westfriesland und wird dort heute noch als Frauenname gebraucht.

Wegen der alten Belege des Nachnamens Haukje aus dem Ammerland hat eine andere Herleitung aus meiner Sicht eine größere Wahrscheinlichkeit: In dieser Region wurde die Endung -ing generell zu -ie, -je, -i abgeschliffen. Haukje wird daher eher auf den historisch nachweisbaren Namen Hauking „Sohn von Hauke“ zurückgehen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN