Herkunft nicht zweifelsfrei klar Erinnert Seeker an einen alten Rufnamen?

Von Winfried Breidbach

Etwa 80 Personen tragen den recht seltenen Nachnamen Seeker, der sich in mehreren, weit auseinander liegenden Regionen findet. Symbolfoto: dpaEtwa 80 Personen tragen den recht seltenen Nachnamen Seeker, der sich in mehreren, weit auseinander liegenden Regionen findet. Symbolfoto: dpa

Papenburg. Unser Leser Enno Seeker aus Lingen interessiert sich für den Ursprung seines Familiennamens.

Etwa 80 Personen tragen den recht seltenen Nachnamen Seeker, der sich in mehreren, weit auseinander liegenden Regionen findet. Eine etwas stärkere Konzentration von Seeker ist für den Kreis Minden-Lübbecke festzustellen. Die Schreibvariante Seecker ist fast doppelt so häufig. Auch Seeker ist in verschiedenen Gegenden Deutschlands ansässig, etwas häufiger östlich der Elbe.

Nur wenige historische Belege sind in den öffentlich zugänglichen Datensammlungen enthalten. Aus ihnen geht aber deutlich hervor, dass der Name Seeker/Seecker in mehreren voneinander unabhängigen Fällen entstand, so in Württemberg, in Westfalen, im Rheinland und auch in den Niederlanden, wo es heute den Namen nicht mehr gibt.

Da wirklich alte Belege fehlen, ist eine abgesicherte Herleitung des Namens nicht möglich. Drei verschiedene Wege der Entstehung können angeführt werden.

Überall im deutschen Sprachgebiet kann ein Rufname mit einem ersten Namenwort Sigi- „Sieg“ zugrunde liegen. Vor allem ist an die Namen Sigihart, Sigihêr und Sigigêr zu denken. Sigihart wurde zumeist zu Siegert, mit verschärfter Lautung auch zu Sickert oder ähnlich. Daneben entwickelten sich, wie auch bei den anderen Rufnamen mit Sigi-, Formen mit Vokal -ê- in der ersten Silbe: Segert, Seegert, Seggert, Seckert. Seeker kann ebenso wie die Namen Seker und Secker aus Sekert verkürzt sein (Sekert ist zum Beispiel noch 1793 in Hessen bezeugt, Seekert 1798 in Brandenburg). Auch aus Sigihêr (über Sêger) und aus Sigigêr (über Sêgger) konnte die Namensform Seeker entstehen.

In der Region östliches Niedersachsen/Sachsen-Anhalt/Westbrandenburg konnte sich Seeker als Herkunftsname auf den heute nicht mehr existierenden Ort Secker bei Helmstedt beziehen. Die historischen Belege „Hermannus de Seker“ (1295 in Lüneburg) und „Ludolve von Sekere“ (1352 in Hildesheim) sind mit Sicherheit zu diesem Ort zu stellen.

Nur im niederdeutschen Sprachgebiet kann Seeker schließlich auf das mittelniederdeutsche Eigenschaftswort sêker bezogen werden, mit dem der Familienname formal identisch ist. Die zentrale Bedeutung des Wortes war früher wie heute „geschützt, sicher“. Es gab aber eine Reihe von Nebenbedeutungen, wenn das Wort auf einen Menschen bezogen wurde. In den Wörterbüchern werden „unbesorgt, sorgenlos; verläßlich, vertrauenswürdig; unbescholten, angesehen“ angeführt. Jemand, der in den Augen seiner Mitmenschen eine dieser Eigenschaften verkörperte, konnte den Beinamen „de Sêker“ erhalten.


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