Archäologische Ausgrabung 2500 Jahre alter Brunnen in Aschendorf entdeckt

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Aschendorf. Das ist auch für Fachleute nicht alltäglich: Archäologen haben in Aschendorf Überreste eines rund 2500 Jahre alten Brunnens entdeckt. Wie eine Vielzahl weiterer Funde und Befunde passt er zeitlich und räumlich zu einer vorchristlichen Siedlung, die bei ähnlichen Ausgrabungen vor vier Jahren nahe der jetzigen Fundstelle nachgewiesen wurde.

Ein Haufen mit Frischhaltefolie ummantelter Gegenstände lagert am Rande der geplanten Erweiterung des Baugebietes „Habichtshorst“. Die Folie schützt uralte Hölzer vor dem Austrocknen, die ihrer Verrottung über mehr als zwei Jahrtausende nur entgangen sind, weil sie im Grundwasser eingeschlossen waren. Bei den Hölzern, darunter Spaltbohlen aus Eiche und ein durchlochtes Brett, handelt es sich um Teile der Brunnenkonstruktion.

„Wenn wir das Holz nicht feucht halten, würde es zu Staub zerfallen“, erklärt Andreas Thümmel. Der Archäologe von der Firma Denkmal 3-D aus Vechta führt die Untersuchungen zusammen mit seinem Kollegen Eik Abbentheren im Auftrag der Stadt Papenburg durch. Die Kosten betragen nach Angaben von Stadtsprecher Heiko Abbas rund 35.000 Euro.

Obwohl man mit Superlativen vorsichtig umgehen sollte, spricht Thümmel beim Brunnen-Fund durchaus von einer „Sensation“. Es sei auf jeden Fall selten, dass organisches Material nach so langer Zeit noch erhalten ist. Der Denkmalpfleger und Grabungsleiter datiert den Brunnen auf die frühe Eisenzeit, etwa zwischen 600 und 500 Jahre vor Christi Geburt. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihm bei einem Fund wie diesem das archäologische Herz aufgeht. „Ich freue mich über die Befunde. Solche Daten aus dem Bodenarchiv sind die einzigen Möglichkeiten, mehr über diese Zeit zu erfahren.“

Kühlschrank-Vorläufer

Im Umfeld des Brunnens konnten die Archäologen anhand von Pfostenlöchern (als dunkle Verfärbungen im Boden) zu dem bis zu neun Speicherbauten beziehungsweise -gruben nachweisen, in denen Vorräte gelagert wurden. Die Funde und Befunde gehören nach Thümmels Einschätzung zu den Ausläufern einer Siedlung, auf der heute das Neubaugebiet „Am Rauhtopf“ an der Waldseestraße steht. Die überdachten Gruben waren beispielsweise eine Art Erdkeller, sozusagen ein ganz früher Vorläufer des Kühlschranks. Verkohlte Eicheln aus der Zeit sind Thümmel zufolge ein Indiz für Viehfutter.

In allen Gruben und vor allem auch im Brunnen stießen die Archäologen auf eine Fülle von Keramikscherben. „Sobald ein Brunnen versandet war, wurde er in der Regel zur Abfallgrube“, erklärt Thümmel. Dasselbe gilt für die anderen Gruben. Überall fanden sich Scherben von Töpfen und Schalen, darunter auch dem Rauhtopf, ein Vorratsgefäß, dem das benachbarte Baugebiet seinen Namen verdankt. War eine Siedlung auf diese Weise „zugemüllt“ und/oder die in deren Umwelt bewirtschafteten Ackerflächen ausgelaugt, wurde sie von ihren vorchristlichen Bewohnern aufgegeben, und sie zogen weiter.

150 Befunde

Im Herbst 2014 hatte Andreas Thümmel im Rahmen einer Voruntersuchung zunächst sechs Suchgräben angelegt. Nachdem sich die Hinweise auf Funde und Befunde verdichteten, wurden insgesamt rund 6000 Quadratmeter Boden auf eine Tiefe zwischen 30 Zentimeter und 1,20 Meter abgetragen.

Unterstützung bekamen die Archäologen von dem Papenburger Geographen Dieter Glatthaar. Wie Thümmel berichtet, kümmerte er sich unter anderem darum, dass der Grundwasserspiegel abgesenkt wurde, damit die Denkmalpfleger besser an den Brunnen herankamen. Auch der Heimat- und Bürgerverein Aschendorf hat die Arbeiten mit regem Interesse verfolgt. Überdies seien auch Anwohner und Spaziergänger im positiven Sinne neugierig gewesen und hätten den Archäologen unter anderem mit Verpackungs- und Transportmaterial wie Plastiksäcken ausgeholfen.

Insgesamt registrierten die Archäologen etwa 150 Befunde beziehungsweise Verfärbungen im Boden. Nicht nachgewiesen werden konnten Thümmel zufolge in dem Untersuchungsraum die für die damalige Zeit typischen Langhäuser. Die könnten nach Einschätzung des Archäologen theoretisch überall in der Umgebung liegen – vielleicht auf dem Acker, der das Neubaugebiet „Am Rauhtopf“ und das jetzige Untersuchungsgebiet trennt.


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