Besuch in Salzgrotte Tiefenentspannt zwischen 13 Tonnen Salz in Papenburg


Papenburg. Vor der Tür zur Salzgrotte hat sich bereits eine kleine Gruppe für den Eintritt präpariert. Acht Damen und ein älterer Herr haben sich an diesem Vormittag hier eingefunden. Die Besucher können in ihrer normalen Straßenkleidung eintreten, nur über die Schuhe müssen sie eine Plastikfolie ziehen. Man kann auch weiße Baumwollsocken wählen. „Aus hygienischen Gründen und für die Reinheit des Salzes ist diese Ausstattung notwendig“, habe ich gelesen. Ich bin zum ersten Mal hier und entscheide mich für die Sockenvariante, denn „so fühlen Sie zusätzlich die Salzkristalle unter Ihren Füßen“, empfiehlt die Informationsbroschüre.

In der Grotte empfängt uns warmes, orangefarbenes Licht. Alles in diesem Raum scheint aus Salz zu bestehen. Der Weg ist mit Salzblöcken gepflastert, die Wände und eine Säule sind mit dicken Brocken verkleidet. Hinter die Salzquader sind Lampen montiert, die sanft durch das leicht rostrote Himalaja-Salz hindurchleuchten. Jenseits des gepflasterten Weges in der Mitte des rund 60 Quadratmeter großen Raumes ist der Boden mit groben Salzkristallen ausgestreut. Darauf stehen Liegestühle mit Wolldecken.

Die Besucher nehmen Platz und lehnen sich zurück. Ihr Blick wandert nun zur Decke der Grotte. Zwischen kleinen Zapfen aus Gips, die an Tropfsteine erinnern, schimmern Lichter, die beständig ihre Farbe wechseln. Aus einem versteckten Lautsprecher dringt Meeresrauschen.

An der rückwärtigen Wand fällt der Blick auf einen Holzrahmen. Darin plätschert ein Gradierwerk. Ursprünglich zur Salzgewinnung verwendet, bestehen diese Werke aus einem Holzgerüst, das mit Reisigbündeln verfüllt ist. Sole fließt hindurch und gibt dabei Mineralien an die Luft ab. An einer anderen Wand treten mit leisem Summen weiße Schwaden aus der Decke. Das ist eine zusätzliche Anlage zur Sole-Vernebelung, wie ich später erfahre.

Wie es jetzt weitergeht, erklärt uns Mitarbeiterin Hildegard Hüsers. Der Aufenthalt in der Salzgrotte dauert 45 Minuten. Damit wir uns entspannen können, dimmt Hüsers das Licht und bittet um Ruhe. Der einzelne Herr wendet sich ebenfalls an die Damenrunde und wiederholt die Bitte – damit alle sein Schnarchen hören können. Die gut gelaunten Besucherinnen drohen ihm kalt lächelnd, mit Salz zu werfen, falls das zu laut werden sollte. Dann kehrt Stille ein, nur unterbrochen von gelegentlichem Husten. Nach etwa 20 Minuten ist der Herr tatsächlich gut hörbar eingeschlafen. Das ist erlaubt, hatte Hüsers lachend erklärt, denn es zeugt von Tiefenentspannung.

Am 3. Oktober vergangenen Jahres hat die gelernte Heilpraktikerin Tanja Grote die erste Papenburger Salzgrotte am Splitting re. 54 eröffnet. Die Grotte besteht aus dreizehn Tonnen eisenhaltigen pakistanischen Himalaja-Salzes, das in einer großen und einer kleinen Grotte verbaut wurde. Die kleine Grotte bietet auf ca. 14 Quadratmetern sechs Sitzplätze und eine Spielecke für Kinder.

Hier wird die Halotherapie angeboten, das ist „eine Behandlung, bei der ein salzaerosolhaltiges, gesundheitsförderndes Mikroklima erzeugt wird, das bei einem breiten Spektrum von körperlichen und seelischen Beschwerden die Behandlung unterstützen kann“, sagt die Heilpraktikerin. Ähnlich wie Seeluft wirke sich der Salzgehalt in der Luft bei Pollenallergikern und Asthmatikern auf die Atemwege aus. Positive Effekte habe sie auch bei Besuchern mit Neurodermitis beobachten können, berichtet die gebürtige Papenburgerin. Sie führt zusammen mit ihrer Mutter seit zwölf Jahren eine Naturheilpraxis in der Bürgermeister-Nee-Straße.

Kassen zurückhaltend

In der kleinen Grotte stellt ein Generator ein Salz-Aerosol her, in dem der Anteil der atembaren Partikel über 80 Prozent liegt, erklärt die Inhaberin. Das Salz gelange so in die kleinsten Verästelungen der Lunge. Tanja Grote ist von der Wirksamkeit der „atmungshygienischen Heilungsmethode“ überzeugt und verweist auf eine Studie von Alina Tscherwinskaja (Nachzulesen unter www. ab-in-die-salzgrotte.de, weiterführende Studie). „Der Wellnessfaktor steht bei uns an dritter Stelle“, erklärt
die 39-jährige Papenburgerin.

Die Idee, salzige Luft für die Gesundheit zu nutzen, ist nicht neu. Schon im vorigen Jahrhundert haben Ärzte beobachtet, dass Arbeiter in Salzbergwerken seltener an Atemwegserkrankungen litten. Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 300 Salzgrotten. Die Stiftung Warentest hat das Phänomen im Dezember 2014 unter die Lupe genommen, stellt die medizinische Wirkung infrage und beruft sich dabei auf den Bundesverband Deutscher Pneumologen. Nachzulesen sind der Testbericht und die Meinung der Lungenfachärzte unter https:// www. test.de/Salzgrotten-Entspannung-ja-medizinische-Wirkung-fraglich.

Zurückhaltend ist die Reaktion der Krankenkassen, wie eine Nachfrage bei AOK, DAK und TK ergibt. Eine Kostenbeteiligung erfolgt bislang nicht, denn Besuche in Salzgrotten sind nicht Teil des Leistungsangebotes und nach Paragraf 20 des Sozialgesetzbuches V keine Präventionsmaßnahme, lautet die einhellige Auskunft. Tanja Grote weiß: „Erste Privatrezepte von uns sind jetzt bei den Kassen. Wir sind gespannt, ob es vielleicht für chronisch Kranke eine Möglichkeit der Unterstützung gibt.“

In der Papenburger Salzgrotte können die Sitzungen mit Licht- und Klangtherapie kombiniert werden. Angeboten werden außerdem Qi- Gong-Kurse. An jedem zweiten Donnerstag im Monat trifft sich im Übungsraum die Gruppe „Tanzen im Sitzen“ für Senioren.

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