Misereor bedauert Entwicklung Fastenmarsch: Zehn Jugendgruppen im Emsland scheiden aus

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Der Erlös des Misereor-Fastenmarsches im nördlichen Emsland ist in diesem Jahr unter anderem für Menschen auf den Philippinen gedacht. Foto: Schwarzbach/MisereorDer Erlös des Misereor-Fastenmarsches im nördlichen Emsland ist in diesem Jahr unter anderem für Menschen auf den Philippinen gedacht. Foto: Schwarzbach/Misereor

hjh/jho Papenburg. Insgesamt zehn Landjugend-Ortsgruppen haben sich nun dazu entschlossen, den Misereor-Fastenmarsch im Dekanat Emsland-Nord nicht mehr mit einer Station zu unterstützen. Das teilte Dekanatsjugendreferent Christian Griep-Raming auf Anfrage mit. Diözesanvorsitzender Michael Engbers steht dennoch hinter der Entscheidung der Jugendlichen.

Durch die Absage der zehn Gruppen können die Teilnehmer des Fastenmarsches am 8. März anstatt der in den Sponsorenheften ausgewiesenen 47 Stationen nunmehr nur noch 37 ansteuern. Dem Boykott der Ortsgruppen Dersum und Neulangen schlossen sich am Mittwochabend auch die Ortsgruppen Walchum, Hasselbrock, Neusustrum, Sustrum-Moor, Sustrum, Ober-/Niederlangen, Neudersum und Borsum an. 13 Ortsgruppen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) werden sich hingegen weiterhin am Fastenmarsch beteiligen.

Trotz der großen Anzahl an Landjugend-Gruppen, die nicht teilnehmen wollen, kann der KLJB-Diözesanvorsitzende die Entscheidung verstehen. „Wir stellen den Gruppen frei, ob sie beim Fastenmarsch mitmachen wollen oder nicht“, erklärte Engbers. Zwar würde der Diözesanverband es begrüßen, wenn so viele wie möglich dabei sind, allerdings stehe er auch hinter den Ortsgruppen, die absagen. Auch beim Treffen am Mittwochabend wies er die Jugendlichen nach eigenen Worten darauf hin, dass sie sich in der Gruppe mit dem Thema auseinandersetzen und eine Meinung bilden sollen, anstatt ohne zu zögern am Boykott teilzunehmen.

Schriftliche Erklärung

Laut dem Dekanatsjugendreferenten Griep-Raming bereiten die ausgeschiedenen Ortsgruppen nun eine Erklärung vor, in der sie ihr Vorgehen begründen wollen. Diese soll in der kommenden Woche fertiggestellt werden. Wie Engbers schon jetzt verriet, wollen die Jugendlichen der zehn Gruppen aus dem nördlichen Emsland darin auch klar herausstellen, dass sie nicht grundsätzlich gegen den Fastenmarsch oder ähnliche Aktionen seien. Bei ihrem Treffen hätten sie sich deshalb dazu entschlossen, eine eigene Aktion – unabhängig vom Fastenmarsch – zu organisieren, um trotzdem anderen Menschen etwas Gutes zu tun. In die Erklärung der KLJB-Mitglieder soll nach Angaben von Engbers zudem aufgenommen werden, dass sich sowohl die Ortsgruppen als auch der Diözesanverband einen Dialog mit Misereor wünschen.

Auf den Boykott des diesjährigen Misereor-Fastenmarsches im Dekanat Emsland-Nord reagiert das in die Kritik geratene katholische Hilfswerk Misereor mit Bedauern. Im Mittelpunkt steht dabei die Teilnahme Misereors an der „Wir haben es satt“-Demonstration am Rande der Grünen Woche in Berlin. Auf Anfrage unserer Redaktion sagte Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung „Politik und globale Zukunftsfragen“ bei Misereor: „Der Fastenmarsch ist eine tolle Initiative. Es wäre sehr bedauerlich, wenn sie einbricht.“ Bornhorst äußerte Verständnis für die „Berührtheit“, verdeutlichte jedoch, dass „diese Antwort die Falschen trifft“.

Fastenmarsch in Gefahr?

Zu den Parolen extremer Tierschützer am Rande der Demonstration sagte Bornhorst: „Das traf auch uns.“ Allerdings würden umstrittene Organisationen wie „Animal Peace“ nicht dem „Wir haben es satt“-Netzwerk angehören. „Die gehören nicht dazu“, betonte Bornhorst. Allerdings könne man bei einer Großdemonstration nicht verhindern, dass sich auch solche Vereinigungen beteiligen. Der Misereor-Experte verglich den Beitrag extremer Tierschützer mit denen von Hooligans zum Fußball: „Dafür macht man die Fans auch nicht mitverantwortlich. Ein paar Bekloppte gibt es immer.“ Bornhorst wünscht sich, dass die Landjugend weiter beim Fastmarsch mitmacht und mit Misereor weiter einen Dialog führt.

Vor einem nicht gekannten Problem stehen indes die Organisatoren des Misereor-Fastenmarsches. Sie müssen nun überlegen, wie sich die schon in Kürze stattfindende Aktion trotzdem durchführen lässt. Laut Griep-Raming werde darüber nun kurzfristig in einer Konferenz der Hauptamtlichen im Dekanat beraten.

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