Typisch emsländischer Familienname Gels hat mit Gelsenkirchen nichts zu tun

Von Winfried Breidbach

Der Name Gels wird in Deutschland von rund 400 Personen getragen, von denen zwei Drittel im Emsland ansässig sind. Symbolfoto: dpaDer Name Gels wird in Deutschland von rund 400 Personen getragen, von denen zwei Drittel im Emsland ansässig sind. Symbolfoto: dpa

Papenburg. Unser Leser Werner Gels hat eine Information, nach der der Ortsnamenteil Gels- der Stadt Gelsenkirchen auf „Kirche“ zurückgeführt wird. Er kann aber keinen Zusammenhang mit seinem Familiennamen finden. Auch Reinhard Gels und Burkhard Gels aus Lingen fragen nach dem Ursprung ihres Nachnamens.

Der Name Gels wird in Deutschland von rund 400 Personen getragen, von denen zwei Drittel im Emsland ansässig sind. Gels ist somit ein typisch emsländischer Familienname, der in der Häufigkeitsrangliste des Kreises auf Platz 88 liegt. Als Schreibvarianten finden sich die erheblich selteneren Namensformen Geels und Gehls. Dazu kommt der mit Gels gleich häufige Name Geils, der historisch mit Gels zusammenhängen kann. In den Niederlanden gibt es die Namen Gels mit 120 und Geels mit über 500 Namensträgern.

Es besteht kein Zusammenhang mit dem Ortsnamen Gelsenkirchen: Im 12. Jahrhundert lautete der Ortsname Geilistirinkirkin, 1265 Gelstenkerken, 1391 dann Gelsekerken. Beim Bestimmungswort des Ortsnamens handelt es sich um einen Gewässernamen, der auch im Namen Gelster auftaucht (Nebenfluss der Werra).

Der Familienname Gels (Geels) kann auf drei verschiedenen Wegen entstanden sein. In allen Fällen ist der Name als „starke“ Genitivform mit -s eines einsilbigen Namens Gel, Geel, Gehl zu bestimmen, wobei sowohl ein Rufname als auch ein Familienname zugrunde liegen kann. (Die teils sehr häufigen Namen Gehlen, Geelen, Gelen, Geilen dagegen gehören als „schwache“ Genitive mit -n zu den zweisilbigen Namen Gehle, Geele, Gele, Geile.)

Zunächst ist an einen männlichen Rufnamen zu denken, der vor allem in der Form Geel in Nordwestdeutschland, Friesland und in den Niederlanden nachzuweisen ist. Dieser Name entstand durch Kürzung des Männernamens Gelo, Geilo, der als Kurzname der Rufnamen mit dem Namenwort Gaila- „fröhlich, munter, übermütig, überheblich“ verwendet wurde. Im Nordwesten erschien Gaila- zumeist als Gel-, wie bei Gelbold, Gelbert, Gelrat, Gelwig, Gelmar. All diese zweigliedrigen Namen sind längst ausgestorben, nur der Kurzname Gelo, Ge(e)l und der Kosename Gelke, Geilke waren länger in Gebrauch.

Geht der Genitivname Gels vom Familiennamen Gel, Geel des Vaters aus, kann das Farbwort gêl „gelb; blond, bleich“ zugrunde liegen. Der Nachname benannte jemanden mit blonder Haar- oder bleicher Hautfarbe.

Der Name Gel, Geel konnte sich auch auf die Herkunft aus einem der beiden Orte namens Geel beziehen (in Belgien und Nordschleswig). Wegen der großen Entfernung zum Emsland kann diese Möglichkeit hier aber ausgeschlossen werden.


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