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Nicht mehr wirtschaftlich Engelnhof in Papenburg stellt Direktvermarktung ein

<em>Ihre letzten Liter Milch</em> für die Direktvermarktung produzieren in diesen Tagen die Kühe auf dem Hof von Ludger Engeln. Ab 2013 wird die Milch komplett zur Käseherstellung an die Molkerei Ammerland geliefert. Foto: Gerd SchadeIhre letzten Liter Milch für die Direktvermarktung produzieren in diesen Tagen die Kühe auf dem Hof von Ludger Engeln. Ab 2013 wird die Milch komplett zur Käseherstellung an die Molkerei Ammerland geliefert. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Mehr als 70 Kindergärten, über 50 Schulen und rund 600 Privatkunden in der Region müssen sich einen neuen Frischmilchlieferanten suchen. Nach 18 Jahren gibt der Engelnhof in Papenburg seine Direktvermarktung zum Monatsende auf. Als Grund führt Hofbetreiber Ludger Engeln wirtschaftliche Aspekte ins Feld. „Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen“, sagt er. In Zukunft will sich der Hof ganz auf die Milchviehhaltung konzentrieren. Kunden reagieren mit Bedauern.

Mit dem Ende der Direktvermarktung verlieren auch zehn Beschäftigte auf 400-Euro-Basis, darunter Auslieferungsfahrer und Bürokräfte, ihren Job. „Das tut schon weh“, sagt Engeln. Einige seien bis zu 16 Jahre im Betrieb gewesen.

In den vergangenen Tagen hat Engeln seine Kunden schriftlich über seinen Entschluss informiert. Darin erklärt er, wie sich die Verhältnisse zwischen Milch- und Spritpreis zuungunsten des Betriebszweiges Direktvermarktung verschoben hätten: „Als wir angefangen sind, hat die Drei-Liter-Flasche Milch fünf Mark gekostet, der Liter Diesel 80 Pfennig. Heute kostet die Drei-Liter-Flasche 2,80 Euro, der Liter Diesel 1,45 Euro.“ Leider sei es nicht möglich gewesen, das System der Direktvermarktung in den vergangenen Jahren so zu verändern, dass es sich wirtschaftlich trägt, sagt Engeln. Um kostendeckend arbeiten zu können, hätte der Hof nach seinen Worten zehn Cent mehr pro Liter Milch nehmen müssen. Allerdings hätte bereits eine vorsichtige Preisanhebung von drei bis fünf Cent im Frühjahr prompt zu Abbestellungen einiger Großkunden geführt.

Reißleine gezogen

Wie Engeln erklärt, konnte der Hof den Lieferservice seit bereits etwa zwei Jahren nur durch den finanziellen Ausgleich (Quersubvention) aus dem landwirtschaftlichen Betrieb heraus aufrechterhalten. „Irgendwann ist dann die Überlegung gereift, dass es so nicht weitergehen kann.“ Nun hat Engeln die Reißleine gezogen.

Der Landwirtschaftsmeister, der seine Meisterarbeit 1994 über die Direktvermarktung von Milch geschrieben hat, betont ausdrücklich, dass die Entscheidung nichts mit den Mitarbeitern zu tun hat. „An ihnen hat es nicht gelegen. Sie waren stets zuverlässig. Der Service war immer super.“ Leider habe er angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung des Betriebszweiges eine längst überfällige Lohnerhöhung für die Mitarbeiter nicht vornehmen können.

Kunden bedauern das für sie überraschende Ende der Direktvermarktung. „Das ist schade“, sagt Heinz-Bernhard Mäsker, Geschäftsführer des St.-Lukas-Heimes in Papenburg. Die Einrichtung für Menschen mit Behinderungen habe die hohe Qualität der Produkte und den zuverlässigen Lieferservice stets sehr geschätzt. Wegen Letzterem steht das St.-Lukas-Heim mit mehreren Einrichtungen im nördlichen Emsland nun auch vor einer logistischen Herausforderung. Künftig werde man sich voraussichtlich von einem Großhändler mit Frischmilchprodukten versorgen lassen, sagt Mäsker.

„Künftig mehr Müll“

Die Leiterin des St.-Amandus-Kindergartens in Aschendorf, Marieta Schürmann, bedauert das „Aus“ auch aus ökologischer Sicht. Die Engelnhof-Milch wird in Mehrwegflaschen geliefert. „Künftig werden wir leider viel mehr Müll produzieren“, sagt Schürmann. Im Kindergarten würden monatlich mehr als 280 Liter Milch verbraucht. Neuer Lieferant der Einrichtung wird die Aschendorfer Bäckerei Plüster.

Der Engelnhof will sich in Zukunft ganz auf die Milchviehhaltung konzentrieren. Der Bestand von derzeit 150 Milchkühen soll aufgestockt werden. Die Milch wird ab 2013 komplett zur Käseherstellung an die Molkerei Ammerland geliefert. „Wir geben einen Betriebszweig auf und bauen einen anderen aus“, erklärt Engeln. Weiter betrieben wird die Hofkäserei.

Mit dem Ende der Direktvermarktung nicht vorbei ist es außerdem mit der Öffentlichkeitsarbeit des Hofes. Hofführungen, Konzerte und Lesungen werde es weiterhin geben, verspricht Engeln.


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