Friedenslichter entzündet Muslime und Christen in Papenburg gegen Terror

Von

Pastor Gerit Weusthof und Ruhy Atalay. Foto: Jürgen EdenPastor Gerit Weusthof und Ruhy Atalay. Foto: Jürgen Eden

jed Papenburg. Seit Oktober vergangenen Jahres treffen sich dienstagabends Menschen für 15 Minuten vor der Papenburger St.-Antonius-Kirche, um Friedenslichter zu entzünden und zu beten. Erstmals waren unter den 20 Teilnehmern auch Muslime.

Sie wollten damit gemeinsam mit Christen ein Zeichen gegen Terror und Gewalt setzen. Aktueller Hintergrund sind die islamistischen Anschläge in Paris. „Ich bin heute hier, um Gesicht zu zeigen. Wir sind alle Brüder, sitzen gemeinsam in einem Boot und verabscheuen den Terror“, sagt Ruhy Atalay. Seit 1998 ist er ehrenamtlich im Vorstand der muslimischen Gemeinde in Papenburg tätig. Viele Jahre war er Vorsitzender, aktuell vertritt er als Vize die Papenburger Muslime. Rund 150 türkische Familien gehören nach seinen Worten zu der Gemeinde. Aber auch viele Griechen, Araber und Kurden beten regelmäßig in der Papenburger Moschee.

Nach den tödlichen Terroranschlägen auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ und den Geiselnahmen mit weiteren Toten muss er sich hier vielen Fragen stellen. Zwar gebe es hier aktuell keine Feindseligkeiten, aber Vorbehalte aus der Bevölkerung seien vereinzelt spürbar. Nicht jeder differenziere zwischen dem Islam und dem Islamismus. „Die Verbrechen in Paris haben mit Religion nichts zu tun. Für keine Religion darf man töten“, mahnt Atalay.

Zum katholischen Pastor Gerrit Weusthof haben die Papenburger Muslime eine langjährige Verbindung. Im Jahr 2000 stellte er Räume der Kirche zur Verfügung, damit sie beten konnten. Außerdem besuche man sich regelmäßig.

Doch wie ist das Entzünden von Friedenslichtern einzuordnen. Politisch? „Wenn wir öffentlich zusammenkommen und über Frieden sprechen, ist das politisch“, sagt Weusthof. Doch bevor man für den Frieden in der Welt sprechen und beten könne, müsse man auch mit sich selbst im Reinen sein.

Weusthof unterstützte im Oktober die Idee einer 16-jährigen Schülerin aus seiner damaligen Gemeinde St. Vosseberg. Sie hatte vorgeschlagen, sich gegenseitig zu ermutigen, Schritte des Friedens zu machen. Die Terroranschläge in Frankreich, aber auch der langjährige Kontakt waren laut Weusthof die Gründe, das nun auch Muslime teilnehmen.

Am kommenden Dienstag findet um 19.30 Uhr die nächste Friedenslichteraktion vor der St.-Antonius-Kirche in Papenburg statt.

Weitere Nachrichten aus der Stadt Papenburg finden Sie unter www.noz.de/papenburg .


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN