Im Namen steckt ein alter Flurname Der Hof des Litmeyers lag an einem Bergabhang

Von Winfried Breidbach

Rund 150 Personen tragen den relativ seltenen Namen Litmeyer, wobei 80 Prozent der Namensträger im Landkreis Emsland leben. Symbolfoto: dpaRund 150 Personen tragen den relativ seltenen Namen Litmeyer, wobei 80 Prozent der Namensträger im Landkreis Emsland leben. Symbolfoto: dpa

Papenburg. Leser Josef Litmeyer aus Haren weiß, dass seine Vorfahren aus dem Sauerland ins Emsland kamen. Zur Bedeutung seines Familiennamens hat er keine Informationen.

Rund 150 Personen tragen den relativ seltenen Namen Litmeyer, wobei 80 Prozent der Namensträger im Landkreis Emsland leben. Im Sauerland und überhaupt im westfälischen Gebiet gibt es den Namen heute nicht mehr. Es finden sich mehrere Namenvarianten: Litmeier, Littmeier, Littmeyer, Lietmeyer, Liedtmeyer, Liedmeier und Liedmeyer. In den Niederlanden kommen noch Lietmeijer und Liedmeijer hinzu. Mit Ausnahme von Liedmeier sind all diese Namen seltener als Litmeyer. Betrachtet man die Namengeografie der angeführten Namensformen zusammengenommen, zeichnet sich ein deutliches Zentrum in den beiden Kreisen Emsland und Steinfurt ab.

In Litmeyer und den Varianten liegt einer der zahllosen Familiennamen mit „Meier“ vor, die grundsätzlich von einem Bauernhof ausgingen, denn der Begriff Meier bezeichnete den Bewirtschafter einer Hofstätte. Bei den mit -meier zusammengesetzten Namen gibt es häufig parallel Familiennamen mit -hof/-hoff und dem gleichen Grundwort.

So stehen beispielsweise die Namen Hülsmeyer, Koldemeyer, Westermeyer neben Hülshoff, Koldehoff, Westerhoff. Im Falle von Litmeyer findet sich der allerdings sehr seltene Name Liethoff, der aber im Osten der Niederlande in den Schreibungen Liethoff und Liethof mehr als 100 Namensträger aufweist.

Die Grundlage all dieser Namen ist ein Wort, das im frühen Mittelalter in der gesamten deutschen Sprache einheitlich lîte, lît lautete. In den heutigen Mundarten ist das Wort fast überall ausgestorben, nur im bairischen Sprachgebiet existiert es heute noch in der Form „Leite“ (dazu gehören süddeutsche Namen wie Leitmeier, Leitmeyer, Leitmaier, Leitmayr).

Im Mittelniederdeutschen gab es zwei Varianten: „die lît (lied, lieth)“ und „das liet“, die Bedeutung war „Abhang, Halde, Senkung“. Zahlreiche Flurnamen wie Lithe, Lite, Liete, Lieth, Lith, Lied, Litt im plattdeutschen Gebiet sind mit dem Wort identisch, dazu kommen sehr viele zusammengesetzte Namen wie Hohenlieth, Osterlied, Boklied/Bauklitt („Buchenliet“), Bramlieth, Hoppenliet, Steinlied usw. Aus der Beschaffenheit der mit den Flurnamen benannten Örtlichkeiten geht hervor, dass das Wort in jüngerer Vergangenheit einerseits „Berg, Abhang“ bedeutete, andererseits „muldenförmige Bodenvertiefung, Hohlweg, Tal, Schlucht“.

Der Liethoff war ein Hof, der an einer solchen Örtlichkeit namens „Liet“ lag und der vom „Lit-/Liedt-/Liedmeyer“ bewirtschaftet wurde.


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