Ruhestand für Gerrit Weusthof Papenburger Pastor einst vom späteren Papst geprüft

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Zeit für die Krippe: Pastor Gerrit Weusthof baut Figuren im Pfarrheim auf. Foto: Dirk HellmersZeit für die Krippe: Pastor Gerrit Weusthof baut Figuren im Pfarrheim auf. Foto: Dirk Hellmers

Papenburg. Für ihn spielt es keine Rolle, dass es die letzten Tage in seinem Berufsleben sind. „Ich mache eigentlich alles so wie immer“, sagt Pastor Gerrit Weusthof. Trotz Ruhestandes ab Neujahr ist für ihn nach 36 Jahren in Papenburg noch lange nicht Schluss.

Der 75-Jährige bleibt in der Fehnstadt und will seinen Nachfolger Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer bei der Arbeit unterstützen. Gemeinsam waren sie schon die vergangenen drei Monate seit der Fusion der Gemeinden St. Antonius und St. Josef im Dienst.

Viel mehr will Weusthof auch nicht für den Ruhestand planen. „Es kommt eh meistens anders“, sagt der gebürtige Niederländer. Aufgewachsen ist Weusthof in Weerselo in der Nähe von Nordhorn. Dass ein Holländer nach dem Krieg in den 60er-Jahren nach Deutschland zieht, war ungewöhnlich. „Meine Mutter war dagegen“, erinnert er sich. Da es in seiner Heimat aber mehr Priester gab, als benötigt wurden, sollte es ins Ausland gehen. „Eigentlich wollte ich ins Bistum Paderborn.“ Bei der Wahl sei ihm die Arbeit mit Flüchtlingen wichtig gewesen. Seiner Mutter zuliebe sollte es in ein Bistum in Heimatnähe gehen. „Auf einem der Wegweiser stand Osnabrück drauf, dann kann das ja nicht so weit weg sein“, fasste er den Entschluss, ins Bistum Osnabrück zu gehen.

Dort empfing Weusthof im Februar 1968 die Priesterweihe. Außer in der Friedensstadt studierte er in Frankfurt und Münster. Einer seiner Prüfer an der Westfälischen Wilhelms-Universität war der spätere Papst Benedikt XVI. (2005 – 2013). Joseph Ratzinger unterrichtete dort Dogmengeschichte. „Ich habe bei ihm eine Prüfung geschrieben“. Erste Priesterstationen waren die St.-Jakobus-Gemeinde in Sögel und St. Elisabeth Nordhorn.

Die Ankunft des Priesters im Juli 1978 in Papenburg ging ziemlich einher mit der Gründung der St.-Josef-Gemeinde. Die neue Kirche im Vosseberg wurde bereits im Mai 1973 eingeweiht, aber die eigentliche Entwicklung sollte noch folgen. „Ich mochte die Herausforderung“, erinnert sich Weusthof an seine Anfangstage in der Fehnstadt. Die neue Gemeinde mit 2800 Mitgliedern musste der damals 38-Jährige zwischen den großen Gemeinden St. Antonius und St. Michael etablieren. Gefallen fand er aber nicht nur schnell an der neuen Aufgabe, sondern auch an den Menschen. „Das soziale Engagement war schon immer groß hier.“

Mit dem Pastor erreichte das Engagement neue Dimensionen. 1981 ging der erste von vielen Hilfstransporten nach Ruda in Polen. „Das waren große Unternehmungen“, schließlich musste damals mit dem Lkw die Grenze zur DDR überquert werden. „Wir mussten die ganze Ladung ausräumen“, erinnert sich der Pastor. Auch wenn die Helfer seinerzeit an der Grenze gepiesackt wurden, zieht er aus dem Mauerfall viel Hoffnung. „Frieden ist immer möglich, wenn die Menschen was anpacken wollen.“ Weitere Hilfsaktionen für Indien, Russland und Kolumbien folgten.

Für Kirchenasyl bestraft

Angepackt hat Weusthof nicht nur rund um die Welt. In Papenburg verband er seine landwirtschaftliche Ausbildung mit dem Engagement für Langzeitarbeitslose bei der Gründung des Sozialen Ökohofes St. Josef vor 25 Jahren. Das Grundprinzip dabei: „Es muss Arbeit für alle geben.“ Daran will er auch im Ruhestand arbeiten. „Wir sind erst am Anfang“, kündigt er an. Dass mittlerweile 1000 Mitglieder hinter dem Verein stehen, sei ergreifend.

Prägend seien auch die 14 Monate von November 1998 bis Dezember 1999 gewesen, in denen er einer neunköpfigen kurdischen Familie Kirchenasyl gewährt hatte. Bevor die Familie abgeschoben werden sollte, hatte sie in Heede gelebt und sei dann auf ihn zugekommen. „Das hat sich damals so in Gesprächen ergeben“, erinnert sich der Pastor. Für das Asyl wurde Weusthof später vom Amtsgericht Papenburg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. „Visionen lassen sich nicht ohne Widerstand verwirklichen“, ist er heute noch überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Zu der Familie habe er heute noch einen guten Kontakt.

Auf noch viele Kontakte freut sich Weusthof in den nächsten Jahren. Gespräche haben seine Arbeit immer geprägt – bereits als Dekanatsjugendseelsorger zu Anfang der Karriere. „Dadurch habe ich viele Verbindungen.“ Kontakte und Gespräche stehen auch an Weihnachten an. Allein an Heiligabend betreut er vier Krippenspiele an seiner Kirche. Und wie feiert er nach Feierabend selbst Weihnachten? „Dann schaue ich mir an, was die Weltkirche so sagt“, will er sich den Weihnachtssegen im TV anschauen. Vorher baut er in Ruhe seine eigene Krippe im Pfarrheim auf. „Das mache ich seit meiner Kindheit.“


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