Proben von Kontaktbetrieben stehen aus Geflügelpest: Landkreis Emsland gibt noch keine Entwarnung

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df/prin Meppen. Aufatmen im Emsland: Nach dem Auftreten der Geflügelpest in Neubörger konnte in keinem weiteren untersuchten Betrieb der Vogelgrippe-Erreger festgestellt werden. Entwarnung wollen die Behörden aber dennoch nicht geben. Von Dirk Fisser und Stefan Prinz

Der Grund: Der betroffene Entenmast-Betrieb im nördlichen Emsland hatte Kontakt zu anderen Höfen, die außerhalb der Drei-Kilometer-Sperrzone liegen. Diese war nach dem Nachweis von H5N8 eingerichtet worden. Während die Proben aus den insgesamt 18 Betrieben innerhalb dieser Zone negativ ausfielen und die dort lebenden 170.000 Tiere damit nicht getötet werden müssen, liegen noch nicht alle Ergebnisse der Kontaktbetriebe vor. Das erklärte der Landkreis am Montag auf Anfrage.

Sieben Betriebe identifiziert

Insgesamt sieben Betriebe seien identifiziert worden, so Landkreis-Dezernent Marc-André Burgdorf. Die Höfe hätten beispielsweise über Tierärzte oder Transportfahrzeuge indirekt mit dem Betrieb in Neubörger in Kontakt gestanden. Die Sorge: Über diesen Weg könnte sich die Vogelgrippe verbreitet haben.

In vier Fällen könne dies bereits ausgeschlossen werden, so Burgdorf. Von drei Höfen stünden die Ergebnisse aber noch aus und würden frühestens am Dienstag erwartet. Der Dezernent wollte sich nicht dazu äußern, wo sich diese Höfe befinden.

„Wir haben Mitleid mit der Familie“

Neubörgers Bürgermeister Heinz-Joachim Schmitz (CDU) – selbst Landwirt – betonte auf Nachfrage: „Wir haben Mitleid mit der Familie.“ Er verwies auf das große Rätsel: Wie kam der Erreger in den Stall? Die Enten seien nicht im Freiland gehalten worden, sodass weiter vollkommen unklar sei, wie es zu der Ansteckung habe kommen können. „Wir machen uns große Sorgen“, so Schmitz.

Das bestätigt Hermann Wester, Präsident des Emsländischen Landvolks. Zu den ausstehenden drei Untersuchungen sagte er: „Es wäre das größte Geschenk für die Landwirte, wenn auch die ausstehenden drei Proben negativ ausfallen.“

Zuletzt hatte ein Vogelgrippefall in einem Putenbetrieb im Landkreis Cloppenburg für Verunsicherung gesorgt. Auch hier ist bislang nicht klar, wie sich die Tiere anstecken konnten.

Sperrzone hat Bestand

In Cloppenburg konnten die ersten Sicherheitsmaßnahmen gelockert werden, im Emsland aber hat beispielsweise die Drei-Kilometer-Sperrzone um den Betrieb im nördlichen Emsland weiter Bestand. Auch die Überwachungszone mit einem Radius von zehn Kilometern bleibt bestehen. Etwa 200 Betriebe mit rund vier Millionen Stück Geflügel fallen darunter. Von einem allgemeinen Transportverbot, wie es nach dem Fall in Cloppenburg verhängt worden war, sah das Emsland zunächst ab. Allein hier gibt es Stallplätze für mehr als 30 Millionen Stück Geflügel.

Untersuchungspflicht für Enten und Gänse

Unterdessen reagierte nun auch die Bundespolitik auf den zweiten Vogelgrippefall im Raum Weser-Ems innerhalb weniger Tage: Das Landwirtschaftsministerium um Minister Christian Schmidt (CSU) ordnete eine Kontrolle von Enten und Gänsen auf eine Infektion mit Geflügelpest an, bevor die Tiere geschlachtet werden. Die Anordnung gilt zunächst bis in den März.

Enten und Gänse zeigen im Gegensatz zu Puten und Hühnern häufig kaum Anzeichen eines Befalls mit dem Vogelgrippevirus H5N8. Damit bestehe das Risiko, dass unerkannt infizierte Tiere zur Schlachtung gelangen. Die Verordnung soll die Ausbreitung der vor allem für Hühnervögel gefährlichen Infektion eindämmen. Menschen sind nach bisherigen Erkenntnissen durch H5N8 nicht gefährdet. (Mit dpa)


Die Geflügelpest

Die Geflügelpest ist eine unter anderem für Hühner, Gänse und Puten hochansteckende Viruserkrankung. Sie wird oft auch als Vogelgrippe bezeichnet. Binnen weniger Tage kann der ganze Tierbestand erkranken.

Bei den Viren spielen die Subtypen H5 und H7 eine besondere Rolle. Sie können in einer niedrigpathogenen (krankmachenden) und einer hochpathogenen Form auftreten. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle - Hämagglutinin und Neuraminidase - abgekürzt.

Das jetzt in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wie jedes andere hochpathogene Virus hat es eine Veränderung im Genom, so dass es sich schnell im gesamten Tier ausbreitet und dann zum Tod führt“, erläuterte der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Thomas Mettenleiter. Eine Übertragung auf den Menschen könne grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Dies sei aber bislang bei H5N8 nicht beobachtet worden. Die Experten warnen vor Panik.

Wilde Wasservögel sind die natürlichen Wirte solcher Viren. Sie erkranken gewöhnlich kaum. Menschen können sich bei intensivem Kontakt mit Geflügel anstecken. Infektionen mit bestimmten Varianten können tödlich verlaufen. So steckten sich weltweit seit 2003 weit über 600 Menschen mit dem Erreger H5N1 an; mehr als die Hälfte von ihnen starb an den Folgen. (dpa)

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