Über 10 000 Tiere werden getötet Sperrbezirk eingerichtet: Vogelgrippe im Emsland bestätigt

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Der am Freitag im nördlichen Emsland aufgetretene Verdachtsfall von Vogelgrippe auf einem Entenmastbetrieb hat sich nun bestätigt.Symbolfoto: dpaDer am Freitag im nördlichen Emsland aufgetretene Verdachtsfall von Vogelgrippe auf einem Entenmastbetrieb hat sich nun bestätigt.Symbolfoto: dpa

pm/dpa/df Papenburg. Der am Freitag im nördlichen Emsland aufgetretene Verdachtsfall von Vogelgrippe hat sich nun bestätigt. Die Untersuchungen des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) und des Friedrich-Loeffler-Instituts haben ergeben, dass es sich um eine hochpathogene aviäre Influenza vom Typ H5N8 handelt. Das teilt der Landkreis Emsland mit.

Der Landkreis Emsland leitete nach eigenem Bekunden umgehend die notwendigen Maßnahmen ein. So wurde um den Ausbruchsbetrieb – ein Entenmäster im nördlichen Emsland mit rund 10100 Tieren – mit einem Radius von drei Kilometern ein Sperrbezirk eingerichtet. In diesem liegen weitere 18 gemeldete Tierhaltungen mit insgesamt etwa 170000 Tieren. In diesen Betrieben werden nun Proben genommen und sie stehen unter genauer Beobachtung. Tiertransporte sind grundsätzlich untersagt. Angrenzende Landkreise sind der Mitteilung zufolge von diesem Sperrbezirk nicht betroffen.

Darüber hinaus gelten Betriebe in einem Ein-Kilometer-Radius um den Ausbruchsbetrieb als besonders ansteckungsverdächtig. Hiervon sind drei Kleinstbetriebe mit einem Gesamttierbestand von rund 70 Tieren betroffen. Diese Betriebe werden nun unmittelbar geräumt und die Tiere werden tierschutzgerecht getötet. Dies gilt laut Landkreis ebenfalls für die rund 10100 Tiere des Ausbruchsbetriebs.

Laut des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums erhalten die Geflügelhalter eine Entschädigung seitens der Tierseuchenkasse.

Des Weiteren mit einem Radius von zehn Kilometern um den Ausbruchsbetrieb ein Beobachtungsgebiet angeordnet worden, in dem sich mehr als 200 Betriebe mit zusammen rund vier Millionen Tieren befinden. Die Ställe in diesem Gebiet stehen nun unter verstärkter Beobachtung. Auch hier sind angrenzende Landkreise nicht betroffen.

Nach Angaben des Ministeriums bestehe derzeit keine Gefahr für Menschen. ( Hier geht es zu dem Artikel: Was Sie über die Vogelgrippe wissen sollten )

Aufatmen kann unterdessen der zunächst betroffene Kreis Cloppenburg. Auf keinem der rund 60 Höfe im Umkreis des ersten niedersächsischen Vogelgrippefalls wurden Auffälligkeiten entdeckt, sagte der Ministeriumssprecher. Niedersachsen ist mit rund 100 Millionen Stück Geflügel der wichtigste Produzent in Deutschland. 20 000 Puten aus dem betroffenen Betrieb waren hier gekeult worden. Zehntausende weitere Tiere aus angrenzenden Betrieben wurden ebenfalls vorsorglich getötet.


Was ist die hochpathogene Vogelgrippe H5 und H7?

Bei der hochpathogenen Variante der Vogelgrippe handelt sich um eine besonders schwer

verlaufende Form der aviären Influenza, die durch hochpathogene (stark krankmachende)

Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird (auch als „Geflügelpest“ bezeichnet).

Geringpathogene Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 können zu einer hochpathogenen

Form mutieren, die sich dann klinisch als Geflügelpest zeigt. Infektionen mit anderen

Subtypen bleiben auch beim Hausgeflügel meist ohne gravierende klinische Auswirkungen.

Aviäre Influenzaviren gehören zur Gruppe der Influenza A-Viren. Sie verfügen über zwei

Oberflächenproteine, das Hämagglutinin-(H) und die Neuraminidase-(N), die für die

Wechselwirkung mit Zellen und somit für deren Infektion sehr wichtig sind. Diese Proteine

können in unterschiedlichen Varianten (Subtypen) vorkommen.

Hochpathogenes aviäres Influenzavirus vom Typ H5N8 (HPAI H5N8) wurde erstmals Anfang

2014 in Südkorea nachgewiesen, wo bis September etwa 30 Ausbrüche der Tierseuche

beobachtet wurden. Etwa zwölf Millionen Stück Geflügel mussten im Rahmen der Ausbrüche

getötet werden. Wildvögel, insbesondere Wildenten, die mit dem H5N8-Virus infiziert waren,

wurden in Südkorea im Zuge der Ausbrüche gefunden. Wildvögel scheinen aber weniger

schwer zu erkranken, auch „stille“ Infektionen ohne Krankheitssymptome wurden

beschrieben. In Europa trat das Virus bisher in Deutschland, den Niederlanden,

Großbritannien und Italien bei Mastputen, Legehennen und Mastenten sowie vereinzelt bei

Wildenten auf.

Eindeutige Einschleppungswege für HPAI H5N8 konnten in Europa bisher nicht festgestellt

werden. Für die Übertragung von aviären Influenzaviren in Nutzgeflügel kommt eine Reihe

von Faktoren in Frage. Unter anderem werden die Einstallung von Tieren, Personen- und

Fahrzeugverkehr, Waren, Futter und Wasser bei der Analyse der Einschleppungsursachen

ebenso in die Betrachtung einbezogen wie der mögliche Eintrag über Wildvögel. (Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)

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