Stadtrat billigt Darlehen Kritik an Chef der Papenburger Gartenschau wächst

Meine Nachrichten

Um das Thema Papenburg Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Mehr als 500.000 Besucher strömten auf die Landesgartenschau in Papenburg. Foto: dpaMehr als 500.000 Besucher strömten auf die Landesgartenschau in Papenburg. Foto: dpa

Papenburg. In der Debatte um die befürchteten Millionen-Mehrkosten für die Landesgartenschau in Papenburg konzentriert sich die öffentliche Kritik immer stärker auf den Geschäftsführer der Durchführungsgesellschaft, Lars Johannson. Das wurde am Dienstag während der Weihnachtssitzung des Stadtrates deutlich.

Obwohl fast alle Redner betonten, die Ergebnisse des von der Stadt noch zu beauftragenden externen Wirtschaftsprüfers abwarten zu wollen, richtete sich ein Großteil der Kritik mehr oder weniger offen und vor allem durch die Bank nahezu unwidersprochen gegen Johannson, der nicht im Sitzungssaal anwesend war. Dabei wurden mitunter schwere Vorwürfe wie Vertuschung und Kungelei sowie Forderungen nach schonungsloser Aufklärung und rechtlichen Konsequenzen laut.

Die schwersten Geschütze fuhr SPD-Ratsherr Peter Raske auf. Er fühle sich als Mitglied der Gesellschafterversammlung der Gartenschau von den Verantwortlichen – „und das sage ich hier ganz brutal – bewusst hinters Licht geführt“. Monatelang habe es keinerlei Hinweise gegeben, dass den Gartenschau-Machern die Kosten davonlaufen würden. „Ein solches Loch entsteht doch nicht von einem auf den anderen Tag“, meinte Raske.

Der eigentliche Skandal ist aus seiner Sicht aber, dass seitens des von Papenburger Unternehmen im November aus der Taufe gehobenen „Fördervereins Papenburg“ versucht werde, dem Geschäftsführer der Landesgartenschau eine Anschluss-Anstellung zu vermitteln. Wie berichtet, soll Johannson Chef der neuen Papenburg GmbH werden, die der Förderverein gründen will. Auch Hartmut Bugiel (Bürgerforum) hält die angedachte Personalentscheidung für falsch. Nach dem nun offenkundigen finanziellen „Desaster“ müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. „Das gilt auch für den Geschäftsführer der Durchführungsgesellschaft“, so Bugiel.

Marion Terhalle (FDP) nannte es „unfassbar, dass die Zahlen nicht früher bekannt gewesen sollen“, und warf Fragen nach Differenzen zwischen Stadtkämmerei und Durchführungsgesellschaft auf. Sobald das Ergebnis des Wirtschaftsprüfers vorliege, „müssen Verantwortliche genannt und Haftungsfragen geprüft werden“, forderte Terhalle. Ralf Uchtmann (UWG) betonte, dass sich seine Fraktion nicht an einer Kampagne beteiligen werde. Burkhard Remmers (CDU) warnte vor Panikmache, Nikolaus Schütte zur Wick (Grüne) forderte eine lückenlose Aufklärung.

Auslöser der Diskussion war die Beratung über ein 650.000 Euro-Darlehen aus der Stadtkasse, um die Liquidität der Durchführungsgesellschaft bis Ende März 2015 zu gewährleisten. Der Stadtrat billigte den Kredit gegen die Stimmen der FDP mit großer Mehrheit, weil nicht nur laufende Rechnungen wie beispielsweise für Handwerker, sondern auch Löhne und Gehälter der Gartenschau-Mitarbeiter bezahlt werden müssten, die einen guten Job gemacht hätten, wie es im Rat übereinstimmend hieß. Allerdings wurde der Beschluss dahingehend ergänzt, dass Auszahlungen aus dem Darlehenstopf nur nach dem Vier-Augen-Prinzip getätigt werden dürfen. Demnach schaut das Rechnungsprüfungsamt der Stadt der Gartenschau-Gesellschaft ab sofort ganz genau auf die Finger.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN