Hof an ungünstiger Stelle? Der Name Untiedt ist seit dem 12. Jahrhundert bezeugt

Von Winfried Breidbach

Mit etwa 870 Namensträgern ist Untiedt ein recht häufiger Familienname Symbolfoto: dpaMit etwa 870 Namensträgern ist Untiedt ein recht häufiger Familienname Symbolfoto: dpa

Papenburg. Die unserer Leserin Eva-Maria Untiedt aus Werlte bekannten Theorien zur Herkunft ihres Namens führen Untiedt entweder auf die „Zeit“ (Unpünktlichkeit oder ungünstige Zeit) oder auf die „Gezeiten“ (Tiden) zurück.

Untiedt ist mit etwa 870 Namensträgern ein recht häufiger Familienname, der überwiegend in Nordwestdeutschland zwischen Niederrhein und Holstein getragen wird. Das stärkste Namenzentrum liegt im Landkreis Emsland. Auch im benachbarten Kreis Cloppenburg sowie in mehreren Kreisen in Schleswig-Holstein ist der Name häufiger zu finden.

Von den Schreibvarianten ist Untiet die häufigste, diese Namensform ist deutlich im Kreis Steinfurt konzentriert. Die Schreibungen Untit und Untied sind seltener, Untied gibt es auch in den Niederlanden. Mit mundartlich beziehungsweise niederländisch On- statt Un- kommen noch die Namensformen Ontyd (Ostwestfalen) sowie Ontijd und Ontijt (Niederlande) hinzu.

Der Familienname ist formal identisch mit dem plattdeutschen Wort „Untiet“/niederländisch „ontijd“, denen im Hochdeutschen „Unzeit“ entspricht. Das mittelniederdeutsche Wort untît hat in den Texten die Bedeutungen „Unzeit, unpassende Zeit; Last, Beschwerde“, mittelniederländisch ontijt bedeutete „unpassender, ungünstiger Zeitpunkt“.

Schauen wir uns einige ältere Belege an, die in zahlreichen Schreibungen erscheinen. In der holsteinischen Landschaft Propstei ist der Familienname ab 1411 als Untyd, Untid, Untydt, Untidt, Untiedt, Untytt, Untiett, Untiedt bezeugt. Aus der Region westfälisches Münsterland/Niederrhein kennen wir unter anderm folgende Belege: 12. Jh. „ton Untiedt“ (Nordwalde), 1386 „Untyd“ (Bocholt), 1392 „Arnt Ontijt“ (Geldern), 1498 „Herman Untijt“ (Ostenfelde), 1498/99 „Drude ter Untijt“, „Hinrick ter Untijt“, „Hinrick ter Untijdt“ (Nordwalde), 1580 „Joh. Untidt“ und 1614 „Anna tor Untiht“ (Münster), 1673 „Catharina Thor Untiedt“ (Altenberge); teils verhochdeutscht 1636 „Henrich Zur Untydt“ und 1638 „Bernndt Zur Untidt“ und ganz verhochdeutscht 1631 „Elisabeth Zur Unzeit“ (Borghorst).

Aus den dreigliedrigen Belegen mit ton/ter/tor/thor „zum/zur“ geht eindeutig hervor, dass es sich bei „Untiet“ ursprünglich um eine Stellenbezeichnung handeln muss, die dann zum Hofnamen wurde. Das genaue Benennungsmotiv bleibt aber unklar. Wahrscheinlich lag der Hof an einer irgendwie ungünstig gearteten Stelle. Wegen der im älteren Niederländischen bezeugten Bedeutungsentwicklung von ontijt zu „dunkel; nachts“ ist vielleicht an die Lage an einem dunklen Wald zu denken.


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