20. Aufführung in Papenburg Ballettlehrerin tanzte schon vor Honecker


Papenburg. Obwohl die Tänzerinnen keine Profis sind, ist die 20. Ballettgala des TV Papenburg am Sonntag bereits seit Wochen ausverkauft. Etwa 300 Mädchen werden dann aufgeregt hinter den Vorhängen auf ihren großen Auftritt warten. Die Person, die hinter all dem Aufwand steckt, ist Petra Köhler. Eine Frau, die in der ehemaligen DDR schon für Erich Honecker tanzte.

Seit zwanzig Jahren lässt Köhler Blumen, Tiere oder Feen nach ihren Choreografien auf der Bühne tanzen. Früher war Köhler selbst auf der Bühne erfolgreich. Ihre ersten tänzerischen Schritte machte sie 1964 in einer Kinderballettschule in ihrem Heimatort Burg in Sachsen-Anhalt. Der Unterricht faszinierte so sehr, dass sie sich mit 16 Jahren entschied, in das Ballettinternat Leipzig zu wechseln.

Nach bestandener Eignungs- und Aufnahmeprüfung begann sie dort eine dreijährige Ausbildung zur Tänzerin. Fortan pendelte sie zwischen der Ballettstange im Übungssaal und der Schulbank: Auf dem Stundenplan standen klassisches Ballett, Improvisation oder Jazz, aber auch kulturwissenschaftlich ausgerichtete Fächer wie zum Beispiel Tanzgeschichte.

Jedes halbe Jahr hatte sie Zwischenprüfungen zu bestehen, bei denen die Schülerinnen nach strengen Kriterien aussortiert wurden. Köhler schaffte es mit fünf anderen bis zum Schluss, 18 Mädchen hatten sich anfangs der Herausforderung gestellt. Sie erinnert sich noch gut an den damaligen Leistungsdruck: „Ich hatte vor jeder einzelnen Prüfung Angst, nicht zu bestehen.“

Nach ihrem Abschluss wurde sie von der sogenannten „Bühneneinsatzkommission“ dem Erich Weinert Ensemble in Berlin zugeteilt, das für die Nationale Volksarmee der DDR tanzte. Die Aufführungen fanden regelmäßig zu politischen Anlässen statt. So erinnert sich die Papenburger Ballettlehrerin beispielsweise auch an einen Auftritt vor Erich Honecker, der in der DDR Generalsekretär des Zentralkomitees der SED war.

Zu der Geburt ihrer Tochter Jana 1978 verließ Köhler das Weinert Ensemble und begann nach dreijähriger Pause 1981 ihre Arbeit am Theater der Altmark Stendal. Dort wirkte sie unter anderem in Inszenierungen von „Der Nußknacker“ oder „Die kleine Nachtmusik“ mit. Sie übernahm aber auch Sprechrollen in Kinderstücken. Mit Blick auf ihre Zeit in Stendal gerät Köhler ins Schwärmen. Besonders an die Tourneen durch die verschiedenen Kulturhäuser Sachsen-Anhalts erinnert sie sich gern.

Der Mauerfall 1989 bildete den Wendepunkt ihrer Karriere. Von da an musste das Theater der Altmark sparen. „Es war nur noch eine Frage der Zeit bis sie die Sparte Ballett komplett entlassen würden und so bin ich vorher gegangen. Das war die richtige Entscheidung“, bewertet Köhler heute ihren Entschluss, nach der Wende der ehemaligen DDR den Rücken zu kehren.

„Bekannte hatten uns von Papenburg erzählt und so haben wir kurz entschlossen die Koffer gepackt.“ Ihre Anstellung beim TV Papenburg erhielt sie im Oktober 1991. Die Ära der Ballettgalas im Forum Alte Werft begann vier Jahre später. Seitdem widmet sich Köhler jedes Jahr liebevoll den vielfältigen Vorbereitungen: Choreografien für mehr als 20 Ballettgruppen kreieren, geeignete Musik auswählen und jeder Rolle das passende Kostüm verpassen. Ihre Mutter Inge Lüdtke arbeitete in der DDR als Schneiderin. Sie hilft ihr bis heute bei den Kostümen und den Requisiten.

Trotz aller Routine: Auch nach 19 erfolgreichen Aufführungen hat Köhler am Tag der Ballettgala noch Lampenfieber. „Ich bin vor den Auftritten meiner Schülerinnen noch immer so nervös wie damals, als ich selbst auf der Bühne stand.“