Johannesstift hilft Ein Wohnbereich in Papenburg nur für Demenzkranke

Von Juliane Horn

Feste Fixpunkte gibt es im Johannesstift in Papenburg in jedem Wohnbereich. Sie dienen als Orientierungshilfe für die Bewohner. Foto: Juliane HornFeste Fixpunkte gibt es im Johannesstift in Papenburg in jedem Wohnbereich. Sie dienen als Orientierungshilfe für die Bewohner. Foto: Juliane Horn

Papenburg. Etwa 70 Prozent der Bewohner im Johannesstift in Papenburg leiden an einer Demenzerkrankung. Die Betreuung hat das Pflege- und Altenheim an die Krankheit entsprechend angepasst.

Wenn ältere Menschen ins Pflegeheim umziehen müssen, reagieren sie oft mit einer Abwehrhaltung. Für Demenzkranke sei diese Umgewöhnung aber noch schlimmer, erklärt Holger Möllenkamp , der sowohl das Johannesstift in Papenburg als auch in Dörpen leitet. Denn für sie bedeutet die gewohnte Umgebung Sicherheit, während sie merken, dass sich Körper und Geist verändern. „In den ersten Tagen wollen sie immer wieder nach Hause“, erzählt Möllenkamp. Deshalb sei es wichtig, die Bewohner von Anfang an entsprechend zu betreuen. Die Pflegekräfte zeigen ihnen beispielsweise zuerst das Heim. Wichtig ist laut dem Leiter aber auch, dass Gewohnheiten und Abneigungen sowie die Biografie des neuen Bewohners im Pflegealltag berücksichtigt werden.

Um sich um die an Demenz Erkrankten intensiv zu kümmern, wurde vor knapp 15 Jahren ein spezieller Wohnbereich eingerichtet. Dort untergebracht werden nach Angaben von Möllenkamp die Bewohner, die bereits im stark fortgeschrittenen Stadium an der Erkrankung leiden. Das bedeute allerdings nicht, dass nur dort auf die Krankheit eingegangen werde. Im gesamten Alten- und Pflegeheim – und insbesondere auf der Demenzstation – haben die Verantwortlichen ein Umfeld geschaffen, mit dem Demenzkranke gut zurechtkommen. Dazu zählen wenig spiegelnde Oberflächen und feste Fixpunkte zur Orientierung. Das können etwa bestimmte Schilder oder Möbel in den Fluren sein. Hinzu kommen feste Rituale wie Gottesdienste, gemeinsames Backen oder Gespräche.

Der Wohnbereich für schwer demenzkranke Bewohner – in dem acht Zimmer zur Verfügung stehen – unterscheidet sich nach Angaben von Möllenkamp nur durch eine intensivere Betreuung vom Rest des Heims. Durch die räumliche Trennung gebe es zudem weniger Konflikte mit den restlichen Bewohnern: „Sie müssen sich dann nicht ständig anhören, was sie falsch machen“, berichtet der Heimleiter. Und das gilt auch für die Pflegekräfte: „Sie sehen auch mal über die Defizite der Bewohner hinweg und konfrontieren sie nicht ständig damit“, fügt Möllenkamp hinzu.

Ein Umzug von einem anderen Wohnbereich in den für schwer Demente findet übrigens nur dann statt, wenn der Nutzen höher als der Schaden ist. Schließlich würde ein neues Zimmer bedeuten, dass sich der Bewohner wieder umgewöhnen muss. Doch egal, wo die Bewohner mit Demenz im Johannesstift leben – für das Personal ist es laut Möllenkamp wichtig, zumindest die Lebensqualität zu beeinflussen zu können, wenn schon nicht den Krankheitsverlauf.