Prozess um Totschlag Zeugen beschreiben Papenburger als „Paradiesvogel“

Von Horst Troiza

In Osnabrück steht ein Papenburger vor Gericht, dem vorgeworfen wird, seinen Bruder umgebracht zu haben. Foto: dpaIn Osnabrück steht ein Papenburger vor Gericht, dem vorgeworfen wird, seinen Bruder umgebracht zu haben. Foto: dpa

Papenburg. Zweiter Verfahrenstag im Prozess um den Tod eines Mannes aus Papenburg vor dem Landgericht Osnabrück. Die Anklage wegen Totschlags richtet sich gegen dessen Bruder, der mit dem Opfer in einer gemeinsamen Wohnung im Haus an der Straße Erste Wiek links gelebt hat. Eine Zeugin beschrieb das Bruderpaar als „schräge Paradiesvögel“.

Der 51-Jährige hatte am Abend des 27. Februars dieses Jahres bei der Nachbarin geklingelt. Er gab an, sein Bruder läge tot in der Wohnung. Gemeinsam mit einer weiteren Nachbarin und deren Tochter hatten die Frauen dann den leblosen Körper aufgefunden und den Rettungsdienst alarmiert. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen, fand aber bei der ersten Untersuchung eine Schwellung am Auge sowie Würgemale am Hals der Leiche. Der Tat verdächtigt ist der Bruder, der aber angibt, geschlafen und nach dem Aufwachen den Leichnam entdeckt zu haben.

Zeugen malten ein etwas ungewöhnliches Bild von den Brüdern. „Sie haben beide kein gutes Verhältnis zur Polizei gehabt“, beschrieb jetzt eine Zeugin aus dem Nachbarhaus. Auch im Haus sei niemand gut auf die Brüder zu sprechen gewesen. Ihr gegenüber hätten sie sich aber immer korrekt verhalten. So hätten sie ihr zum Beispiel geliehenes Geld immer pünktlich zurückgezahlt, „und meist noch eine kleine Süßigkeit draufgelegt“. Die von einem anderen Zeugen als „unzertrennliches Paar“ beschriebenen Männer charakterisierte sie als „schräge Paradiesvögel“, die auch mal lautstark „bei offenem Fenster Geister vertrieben“ hätten. Es sei auch vorgekommen, dass sich die Brüder gestritten hätten. Das habe sie aber immer nur von Dritten erfahren. Soweit sie sich erinnern kann, habe aber nie jemand etwas davon gesagt, dass Streitigkeiten auch handfest ausgetragen worden seien.

Als der Angeklagte am Abend des Todes seines Bruders zu ihr gekommen war, habe er leicht getorkelt. Diese Beobachtung war bereits von anderen Zeugen geäußert worden. Jedoch sei er nicht betrunken gewesen, was ein Atemalkoholtest durch die zum Tatort gerufene Polizei bestätigt hatte.

Im Anschluss wurde auch der Arzt des Angeklagten befragt. Der Mediziner berichtete von Angstzuständen, unter denen sein Patient seit längerer Zeit leide. Zusätzlich habe er über Schweißausbrüche und nächtliche Erregungszustände geklagt.

Das Verfahren wird fortgesetzt.