Erinnerung an Pogromnacht Papenburgs letzter Jude muss weinen

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Papenburg. Mit einer eindrucksvollen Gedenkstunde haben am Sonntagabend mehr als 300 Papenburger der Vernichtung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1938 gedacht. Der einzige überlebende Papenburger Jude war nicht dabei. „Ich muss immer noch weinen, wenn ich daran denke“, sagt der 88-jährige Wilhelm Polak.

Mit einer würdevollen Veranstaltung, die ganz wesentlich von Jugendlichen der katholischen Papenburger Kirchengemeinde gestaltet wurde, ist auch an das Leid der Papenburger Juden erinnert worden. Auch deren Synagoge am Hauptkanal brannte 1938 ab. In den folgenden Monaten und Jahren starben viele von ihnen in den Konzentrationslagern.

Der einzige Papenburger Jude, der diese Konzentrationslager überlebte und trotz aller Gräueltaten wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte, ist Wilhelm Polak. Bis vor zwei Jahren nahm der alte Herr regelmäßig an der Gedenkveranstaltung am Hauptkanal teil. Die Erinnerungen nehmen in jedoch so sehr mit, dass er sich das mit seinen 88 Jahren nicht mehr zumuten möchte.

Seine Schilderungen der Pogromnacht in Papenburg klingen unglaublich: „Am 9. November war ich 12 Jahre alt, ich sehe wie heute, wie die SA-Leute mit großen Benzinkanistern unser Haus umstellten, um unser Haus vor den Augen der Gaffer in Brand zu stecken. Die Feuerwehr war auch schon da, um ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbarhäuser zu verhindern. Meine Mutter war mit uns Kindern allein im Haus, mein Vater war ja verhaftet worden. Bevor die SA unser Haus anzündete, haben sie das Haus nach Schmuck und anderen Wertgegenständen durchsucht. Sie nahmen den Schmuck mit und eine schöne goldene Spieluhr meines Vaters.

Wir mussten das Haus verlassen, ohne etwas mitnehmen zu dürfen, die Rauchwolke der brennenden Synagoge konnte man bereits riechen und sehen. Unser Nachbar, der Eigentümer des Lebensmittelgeschäftes, an dessen Tür ein Schild mit der Aufschrift ,Juden werden nicht bedient‘ angebracht war, stürmte aus dem Haus mit den Worten, wenn Polaks Haus brenne, sein Haus auch mit abbrenne. Herr Schäfer, der Polizeiwachmeister, kam auf dem Fahrrad heran und gab den SA-Leuten Befehl, sofort aufzuhören, so blieb wenigstens unser Haus erhalten. Mein Elternhaus steht heute noch da.“


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