Gedenken an die Pogromnacht 1938 Auch im Emsland gingen Synagogen in Flammen auf

Von Jan-Hendrik Kuntze

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Eine Gedenktafel erinnert an die jüdische Synagoge in Papenburg. Foto: Jan-Hendrik KuntzeEine Gedenktafel erinnert an die jüdische Synagoge in Papenburg. Foto: Jan-Hendrik Kuntze

Papenburg. Den Mord an Ernst Eduard vom Rath in Paris, der von dem Juden Herschel Grynszpan in der französischen Hauptstadt Anfang November begangen worden war, nahmen die Nazis zum Anlass, in ganz Deutschland Synagogen anzuzünden – auch im nördlichen Emsland. Am Sonntag wird der Opfer der „Reichspogromnacht“ gedacht.

Es war am frühen Morgen des 10. November 1938, als der Meppener SA-Standartenführer Ernst T. den Befehl erhielt, alle männlichen Juden in Schutzhaft zu nehmen sowie die Synagogen des Standartenbereiches anzuzünden. Schon kurz darauf brach der erste angeforderte Lkw in Richtung Lathen auf, seine Ladung bestand aus 15 bis 20 Männern der SA. Das Rollkommando zündete die Lathener Synagoge mithilfe von Benzin an. Das Gebäude brannte vollständig nieder.

Die nächste Station war Sögel, das Vorgehen dasselbe. Doch dieses Mal lief nicht alles rund. Denn der Brand drohte, auf die umliegenden Häuser überzuspringen, was verhindert werden musste. Schließlich waren in der Zwischenzeit neue Befehle eingetroffen, die besagten, dass das Eigentum und das Leben der übrigen Bevölkerung keinen Schaden nehmen dürften.

Also forderte T. eine Motorspritze aus Werlte an, um die umliegenden Häuser zu schützen. In Werlte selbst zündete das Rollkommando die Synagoge aus genau diesem Grund nicht an. In direkter Nachbarschaft befand sich eine Tankstelle, weshalb darauf verzichtet wurde, das Gotteshaus in Brand zu setzen. Verschont blieben die Juden Werltes aber nicht: Die Nazis schafften das Inventar der Synagoge auf den Marktplatz, wo es ein Raub der Flammen wurde.

In Papenburg war gegen 5 Uhr morgens mit der Verhaftung aller jüdischen Männer begonnen worden. Die Zerstörung der Synagoge, die auf dem Gelände der heutigen Sparkasse am Hauptkanal stand, startete gegen 7.30 Uhr. 20 SA-Männer machten sich daran, mit einer langen Latte die Fensterscheiben einzuschlagen, die Tür des Gotteshauses aufzuhebeln und das Feuer zu legen. Dazu hatte man einen Scheiterhaufen aus dem Inventar im Gebäude errichtet, auf dessen Spitze die sechs Thorarollen platziert wurden. Mehrere Benzinkanister waren nötig, den zuerst nicht recht in die Gänge kommenden Brand anzufachen. Stehen gebliebenes Mauerwerk wurde anschließend mit einem schweren Balken dem Erdboden gleichgemacht. Die Zerstörung der Synagoge fand unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Die Feuerwehr war ebenfalls vor Ort, um die umliegenden Gebäude zu schützen.

Am Sonntag wird vor der Sparkasse Papenburg um 17.30 Uhr eine Gedenkfeier stattfinden, in Sögel um 11 Uhr bei der Mensa des Schulzentrums.


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