Neue Rasse erzüchtet Papenburger revolutionierte Geflügelzucht

Von Hermann-Josef Tangen


Papenburg. Wenn der Rassegeflügelzuchtverein Papenburg am 15. und 16. November zu seiner traditionellen Geflügelschau einlädt, dann werden sich die Besucher diesmal an einer Sonderschau erfreuen können, die es in dieser Form nicht geben würde, wären die Wurzeln dafür nicht vor über 100 Jahren in der Kanalstadt gelegt worden.

Gezeigt werden die schönsten Exemplare der Zwergversion der Deutschen Langschan, die der Papenburger Johann Heermann im Jahr 1910 erzüchtete und die die Hühnerzucht in ganz Europa revolutionierte.

Der in Werlte geborene Lehrer hatte sich von Kindesbeinen an mit Tauben und Hühnern beschäftigt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befasste sich der inzwischen in Papenburg lebende und arbeitende Pädagoge mit der Verzwergung in der Rassegeflügelzucht. Ziel war es, ein Nutzhuhn zu schaffen, das mit einer guten Legeleistung überzeugt, aber wenig Raum und Futter benötigt und auch für Kreuzungen mit anderen Hühnerrassen zur wirtschaftlich rentablen Produktion herangezogen werden kann.

Unter Geheimhaltung

Unter strenger Geheimhaltung startete er seine Zucht mit einem Zwerg-Cochin und einer schwarzen kurzschwänzigen Bantamhenne. Das Ergebnis kommentierte Heermann mit einem ernüchternden: „Sie waren hässlich wie die Nacht.“ 1905 stellte er daraufhin einen silberfarbenen Landzwerghahn zur Zucht ein und formte in den folgenden Jahren elegante Zwerg-Langschan Figuren, ehe seine Bemühungen 1910 mit einem Prachtexemplar besonderer Güte belohnt wurden.

Im gleichen Jahr erntete er mit dem Auftritt eines Hahnes und einer Henne dieser neuen Rasse auf einer Ausstellung im Zoologischen Garten in Hamburg einen sensationellen Erfolg. Ein Interessent soll ihm für das Pärchen spontan 1200 Mark geboten haben, eine für damalige Verhältnisse außerordentlich hohe Summe.

Der wissenschaftlich orientierte Züchter entwickelte auch den Farbenschlag weiter, fand europaweit Anerkennung und heimste bei den bedeutendsten Geflügelausstellungen und Zwerghuhnschauen im In- und Ausland viele Preise ein. In der Folgezeit vergrößerten ambitionierte Züchter das Angebot. Heute stehen für den nach Angaben des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter durch seine avantgardistische Linienführung und der Legefreudigkeit überzeugenden Deutschen Zwerg-Langschan zehn Farbenschläge zur Verfügung.

Johann Heermann schloss sich nach dem Ersten Weltkrieg dem seit 1877 bestehenden Papenburger Verein für Geflügelzucht und Naturschutz an und initiierte 1924 vor Ort die erste Sonderausstellung. 1952 erhielt er die Goldene Ehrennadel des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter und wurde ein Jahr später Ehrenmitglied des Papenburger Vereins. 1956 verstarb er im Alter von 78 Jahren.

Sonderschau

Die Rassegeflügelausstellung und die Sonderschau „Deutsche Zwerg-Langschan“ findet am Samstag, 15., und am Sonntag, 16. November, in der Reithalle hinter der Gaststätte Schulte-Lind in der Umländerwiek statt. Zu der Sonderschau haben sich nach Angaben der Papenburger Rassegeflügelzüchter, Aussteller aus ganz Deutschland und aus dem grenznahen Ausland angemeldet.