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Frachter wird gesichert Leck geschlagenes Schiff mit Bleikonzentrat im Papenburger Hafen

Von Christoph Assies


Papenburg. Nach der Havarie eines Binnenschiffes beim Emssperrwerk in Gandersum hat die Papenburger Feuerwehr am Mittwoch Wasser aus dem mit Bleigranulat beladenen Binnenschiff gepumpt. Versuche von Feuerwehrtauchern, mehrere Lecks zu schweißen, sind gescheitert. Das Schiff soll nun gesichert werden, bis ein anderer Frachter die Ladung aufnehmen kann.

Das Binnenschiff „Nawatrans VI“ aus dem nordrhein-westfälischen Moers war mit giftigem Bleigranulat, das zur Batterieherstellung dient, auf dem Weg von Frankreich nach Nordenham. Das Wasser, das in das 79 Meter lange Schiff eingedrungen ist, darf nicht zurück ins Hafenbecken gelangen. Das verseuchte Wasser wurde mit Container-Lkws zur weiteren Aufbereitung in ein Chemiewerk nach Nordenham gebracht. Mehrere Lkws mit einem Fassungsvermögen von je 30000 Litern sind auf dem Weg nach Nordenham. Nach Angaben von Stadtbrandmeister Josef Pieper ist der Havarist mittlerweile stabilisiert. „Wir pumpen derzeit die Ballasttanks des Schiffes leer. Damit erleichtern wir das Gewicht um schätzungsweise 6-7 Tonnen“, so Pieper am Vormittag im Gespräch mit unserer Redaktion.Feuerwehrtaucher der Obenender Wehr haben mehrere Leckstellen am Kiel des Schiffes in Höhe des letzten hinteren Laderaumes in Augenschein genommen und provisorisch abgedichtet. Spezialtaucher aus Emden konnten die Leckstellen am Nachmittag nicht schweißen. „In zwei bis drei Tagen kann ein entsprechender Frachter die Ladung aufnehmen, solange versuchen wir, das Schiff zu stabilisieren“, erklärte Pieper am späten Nachmittag.

Das Bleigranulat aus dem Schiffsbauch bleibt nach Angaben von Pieper zunächst an Bord. Sollten die Versuche das Schiff in eine sichere Lage zu halten, scheitern, muss das Gefahrgut auf einer Hafenfläche zwischengelagert werden. „Wir sind auf alle Optionen vorbereitet und haben mit den entsprechenden Hafenfirmen Absprachen getroffen“, so Pieper. Gefahr für die Umwelt besteht nach Angaben von Stadtsprecher Heiko Abbas nicht. „Die Feuerwehr hat alles im Griff“, so Abbas am späten Nachmittag.

Informationen unserer Zeitung, wonach das Schiff gegen 7 Uhr auf der Ems bei Gandersum einen Poller am Emssperrwerk gerammt haben und dabei leckgeschlagen sein soll, bestätigte ein Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Im Zuge dessen soll das Schiff nach Angaben eines Polizeisprechers auch noch über eine Fahrwassermarkierungstonne gefahren sein. Nach der Havarie hatte der 56-jährige Kapitän zur Rettung den Papenburger Hafen angesteuert.

Erst im August war die „Nawatrans VI“ auf dem Weser-Schleusen-Kanal bei Langwedel (Landkreis Verden) mit einem Brückenpoller kollidiert und ebenfalls leckgeschlagen. Damals hatte das Schiff Schräglage und drohte zu sinken. Es entstand ein Sachschaden von etwa 70000 Euro. Zur Ursache der Havarie sagte der Kapitän seinerzeit gegenüber der Polizei aus, dass das Schiff plötzlich manövrierunfähig gewesen sei und nach links gezogen habe.

Im März 2012 kollidierte die „Nawatrans VI“ auf dem Küstenkanal im Surwolder Ortsteil Börgermoor. Damals war das Schiff im befestigten Uferbereich der Wasserstraße auf Grund gelaufen und am Bug leckgeschlagen.

Gegen den 56-jährigen Kapitän, der sein Schiff nun nach der Kollision in Gandersum nach Papenburg bringen konnte, ermittelt die Wasserschutzpolizei Emden wegen des Verdachts der Gefährdung des Schiffsverkehrs. Ob Ladung möglicherweise noch in die Ems gelangte, ist derzeit unklar.