Bereitschaft auf Tiefpunkt Mediziner werben in Papenburg für Organspende

Ihre Organspendeausweise zeigen hier (von links) Karl-Peter Schwemm, Ursula Mersmann, Barbara Backer, Gitta Connemann und Christian Prause. Foto: Jennifer KemkerIhre Organspendeausweise zeigen hier (von links) Karl-Peter Schwemm, Ursula Mersmann, Barbara Backer, Gitta Connemann und Christian Prause. Foto: Jennifer Kemker

jke Papenburg. „Die Organspende ist eine Angelegenheit, die nicht alle interessiert, aber alle interessieren sollte.“ Damit leitete die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann die Podiumsdiskussion zum Thema „Organspende – Mit Herz und Verstand“ in Papenburg ein.

Auf dem Podium saßen Dr. Christian Prause, Oberarzt im Meppener Ludmillenstift und Transplantationsbeauftragter, sowie Dr. Karl-Peter Schwemm, Chefarzt der Anästhesie im Papenburger Marien-Hospital und ebenfalls Transplantationsbeauftragter, zusammen mit Barbara Backer, die selbst auf eine fremde Leber angewiesen ist. Wie Gitta Connemann sagte, ist das Thema noch immer ein Tabu in der Gesellschaft. „Einen bitteren Beigeschmack hat die Vorstellung, dass erst jemand sterben muss, damit ein Patient in den Genuss einer Spende kommt“, so Connemann weiter.

Oberarzt Prause informierte das Publikum in einem Kurzvortrag darüber, dass in Deutschland derzeit rund 12000 Menschen auf ein Spenderorgan warten. Wie aus seinem Vortrag hervorging, warten durchschnittlich etwa 8000 Menschen in Deutschland auf eine Niere. Die Wartezeit dafür beträgt bis zu neun Jahre.

Bei Schäden an Organen wie Herz oder Lunge gibt es allerdings keine Möglichkeit, die Wartezeit auf eine Spende zu überbrücken, berichtete er weiter. „Viele Patienten sterben, bevor ein Organ zur Verfügung steht“, sagte Prause. Nach Angaben des Oberarztes konnte 2010 noch 5088 Patienten erfolgreich ein Organ transplantiert werden. 2013 hat sich die Zahl auf 3247 verringert.

Tiefpunkt erreicht

Sowohl Prause als auch Schwemm halten die Organspende – gerade in einer hochmodernen Welt wie heute – aber für eine wichtige Angelegenheit. „Eine Spende ist in der Lage, 30,8 zusätzliche Lebensjahre an drei bis vier Empfänger weiterzugeben“, erklärt Prause. Weiter berichtete er, dass die Bevölkerung eine positive Haltung zum Thema entwickelt hat, seit 1997 das Transplantationsgesetz in Kraft getreten ist. Erst ab dem Jahr 2010 ging das Vertrauen der Menschen kontinuierlich zurück. Dafür verantwortlich waren etwa Manipulationen an Organspendelisten wie im Klinikum in Göttingen. Wie Prause erklärte, sei heute mit 800 Transplantationen im Jahr ein Tiefpunkt erreicht.

Auch im Emsland waren im vergangenen Jahr 17 Patienten auf eine Spende angewiesen. Nur vier davon konnten jedoch realisiert werden, so Prause. Als einen der Gründe nannte er, dass sich viele noch nicht mit der Möglichkeit, Organspender zu werden, beschäftigt haben.

Barbara Backer berichtete indes aus ihren Erfahrungen. Mit 34 Jahren hatte sie die Diagnose bekommen, dass ihre Leber teilweise zerstört war. Nach langer Wartezeit erhielt sie im letzten Moment schließlich ein Organ. Heute ist sie Ansprechpartnerin für Lebertransplantierte in Deutschland und informiert zusammen mit Prause die Menschen ehrenamtlich.