Mehr Geld für gesetzliche Betreuer Auch SKFM Papenburg kämpft für höhere Pauschale

Von Jan-Hendrik Kuntze

Neben Hausbesuchen ist vor allem die Bewältigung von Papierkram ein Hauptaufgabenfeld der Betreuer des SKFM. Das Bild zeigt Petra Engeln und SKFM-Geschäftsführer Norbert Schmidt. Foto: Jan-Hendrik KuntzeNeben Hausbesuchen ist vor allem die Bewältigung von Papierkram ein Hauptaufgabenfeld der Betreuer des SKFM. Das Bild zeigt Petra Engeln und SKFM-Geschäftsführer Norbert Schmidt. Foto: Jan-Hendrik Kuntze

Papenburg. Die gesetzliche Betreuung wird zur Belastung für den Haushalt vieler Betreuungsvereine – auch des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Papenburg. Schuld ist der Bund, denn die gesetzlich geregelte Pauschalvergütung ist schon seit Jahren nicht mehr angehoben worden. Einige Vereine fürchten, ihr Angebot bald einstellen zu müssen.

Das Problem liegt in der Mischkalkulation, auf der das Gesetz aus dem Jahr 2005, das die Vergütung regelt, basiert. Darin ist von einer Mischung von schweren und mittelschweren Fällen ausgegangen worden. Heutzutage sind die Betreuungsfälle jedoch überwiegend schwerer Natur, wie Norbert Schmidt, Geschäftsführer des SKFM Papenburg, und seine Kollegin Petra Engeln, die bei SKFM die Betreuung verantwortet, erklären.

Während minder schwere Betreuungsfälle auch von Ehrenamtlichen übernommen werden, sind hauptamtliche Betreuer für die schweren Fälle zuständig. 300 Betreuten des SKFM im nördlichen Emsland stehen zurzeit zehn hauptamtliche und 53 ehrenamtliche Betreuer gegenüber. Pro Stunde wird dem SKFM seit 2005 eine Pauschale von 44 Euro vom Bund zugestanden.

Im Monat sind pauschal dreieinhalb Betreuungsstunden gesetzlich vorgesehen. Mehrarbeit wird nicht vergütet. Der Verein braucht das Geld nicht nur für die hauptamtliche Betreuungsarbeit, sondern auch für die Schulung der Ehrenamtlichen, schließlich „wollen wir die nicht allein lassen“, so Schmidt.

Um sein Angebot auch in Zukunft in der jetzigen Form machen zu können, unterstützt auch der SKFM Papenburg eine gesetzliche Erhöhung der Betreuungspauschale. Dabei wird langfristig das Ziel angestrebt, dass für eine Erhöhung der Pauschale nicht jedes Mal gleich eine Gesetzesänderung notwendig ist.

Doch was ist eigentlich die Aufgabe eines gesetzlichen Betreuers? Betreut werden Menschen, die aufgrund einer Erkrankung ihre Angelegenheiten nicht mehr oder nur noch zum Teil selbstständig regeln können. Das können psychische Behinderungen oder Suchterkrankungen sein, aber auch Demenz.

In mehreren Bereichen kann ein gesetzlicher Betreuer Angelegenheiten für einen Betroffenen regeln. Vermögensfürsorge und Behördenangelegenheiten gehören dabei zu den häufigsten, wie Engeln kundtut. Daneben sind Gesundheitsfürsorge, Wohnungsangelegenheiten und Aufenthaltsbestimmung drei weitere Bereiche, in denen ein Betreuer Aufgaben übernehmen kann.

Die Entscheidung darüber, ob jemand nicht mehr fähig ist, seine Angelegenheiten selbst zu regeln, trifft ein Gericht auf der Grundlage ärztlicher Gutachten. Dabei wird einer Person in der Regel nicht als Ganzes die Handlungsfähigkeit abgesprochen, sondern nur in Teilbereichen. Für diese wird dann ein Betreuer gestellt.

Kein Automatismus

Was viele nicht wissen: Eine automatische Betreuung durch Familienangehörige wie zum Beispiel den Ehepartner ist nicht möglich, wie Norbert Schmidt hervorhebt. Es sei denn, der Betroffene hat im Voraus mit einer Vorsorgevollmacht Weitblick bewiesen.

Nimmt der Betreuer dann seine Arbeit auf, „kommt er oft mit einer Kiste voll Papieren zurück, die in Ordnung gebracht werden müssen“, so Schmidt. Der Betreuer hat die Aufgabe, alle ihm übertragenen Angelegenheiten im Sinne des Betroffenen zu regeln. Dabei steht er zwischen allen Stühlen. Verwandte, Vermieter, Gläubiger, Banken, Ärzte, Behörden: Der Betreuer vermittelt zwischen den Fronten, das Interesse des Betreuten dabei immer fest im Blick.

Einer Entmündigung kommt die rechtliche Fürsorge allerdings nicht gleich. So bleibt der Betreute zum Beispiel weiterhin vertragsfähig. „Das letzte Wort hat der Betroffene“, sagt Engeln. Das ist auch gut so, denn Engeln und Schmidt heben hervor, dass es dem SKFM nicht um kalte Schreibtischarbeit geht. Ebenfalls müsse ein soziales Umfeld geschaffen werden, in dem sich der Betroffene wohlfühlt. Eine Grenze des Betreutenwillens gibt es allerdings doch: „Das Wohl des Betroffenen ist oberste Maxime“, so Engeln. Dem Alkoholiker wird sie keinen Schnaps kaufen, heißt das im Klartext.