Solidarität mit Ex-Gefangenem „Briefe ins Gefängnis“ in Papenburg ausgestellt

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Selbst gemalte Regenbögen für Mehmet Desde (zweiter von links) werden gezeigt von Gerold Siemer, Filip Caby und dem Chefarzt für Allgemeinchirurgie, Ulrich Böckmann, der die Ausstellung in das Krankenhaus brachte. Foto: Kristina MüllerSelbst gemalte Regenbögen für Mehmet Desde (zweiter von links) werden gezeigt von Gerold Siemer, Filip Caby und dem Chefarzt für Allgemeinchirurgie, Ulrich Böckmann, der die Ausstellung in das Krankenhaus brachte. Foto: Kristina Müller

Papenburg. Die Papenburger Gruppe von Amnesty International hat im Marienhospital in Papenburg Briefe aus aller Welt an den ehemaligen politischen Gefangenen Mehmet Desde ausgestellt.

Desde ist deutscher Staatsbürger und flog im Juni 2002 in die Türkei, um seinen Vater zu beerdigen, wie er erzählte. Dort wurde er angeklagt, Mitglied in einer linken Organisation zu sein, und schließlich in einem aus seiner Sicht unfairen Prozess zu 22 Jahren Haft „für ein nicht begangenes Delikt verurteilt“, so Desde. Unter Folter habe man ihn gezwungen zu gestehen.

Daraufhin stufte Amnesty ihn als „politischen Gefangenen“ ein und startete eine sogenannte „Urgent Action“ (Eilaktion). Hierbei werde innerhalb weniger Stunden ein weltweites Netzwerk mobilisiert, sagte Gerold Siemer von Amnesty International Papenburg. Menschen aus der ganzen Welt schrieben Briefe für die Freilassung von Desde an staatliche Institutionen wie den türkischen Präsidenten, den Justizminister oder den Gefängnisdirektor.

Auch Desde selbst erhielt seitdem täglich Briefe aus allen Teilen der Welt, so unter anderem aus Neuseeland, Italien, Norwegen, Japan und Taiwan. „Jeder Brief war die Stimme eines Menschen“, sagte Desde. In mehr als 6000 Briefen und Postkarten bekam er Fotos, gemalte Bilder und tröstende Worte.

Die Kinder hätten mit ihren gemalten Bildern Regenbogenstrahlen durch das Gefängnisfenster gesendet, beschrieb Desde seine Empfindungen. „Die Briefe trugen eine Welle der Solidarität und des Mitgefühls durch die Gefängnismauer.“ Sie seien in seinem schwierigsten Lebensabschnitt sein „Fenster zum Leben gewesen“, so Desde.

Eine Eilaktion sei ein rascher massiver Protest, sagte Siemer. Jedes Jahr würden etwa 350 dieser Aktionen gestartet. „So ein Brief öffnet ein Stück weit die Gefängnistür und gibt Hoffnung“, so Siemer weiter. Die Ausstellung zeige, dass solche Briefe etwas bewirken könnten.

Nach sechseinhalb Jahren wurde Desde schließlich freigelassen und kam im Oktober 2008 nach Deutschland zurück. „Das sind verlorene Jahre für mich, aber ich bin stolz, dass ich nicht aufgegeben habe.“

Nach seiner Rückkehr ist er Amnesty beigetreten und arbeitet seit Anfang 2009 in der Türkei-Gruppe in Berlin. „Ich werde auch weiterhin meine Stimme gegen Ungerechtigkeit erheben, koste es, was es wolle.“

Desde hat alle Briefe aufbewahrt und einige zu einer Ausstellung zusammengestellt, die er zum 82. Mal nun in Papenburg präsentiert. Er möchte damit zeigen, warum diese Briefe für politische Gefangene so wichtig sind.

„Wir sind nicht machtlos“, sagte Filip Caby, ärztlicher Direktor des Marienhospitals. „Auch wenn eine Karte nur ein kleines Zeichen ist, können wir nie wissen, was wir damit bewirken.“

Zu sehen ist die Ausstellung „Briefe ins Gefängnis“ noch bis zum 15. November im Eingangsbereich des Marienhospitals.


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