Kosten rund 30 Millionen Euro Alte Schleuse in Herbrum soll reaktiviert werden


Herbrum. Seit über einem Jahr ist die alte Herbrumer Schleusenkammer aufgrund massiver baulicher Mängel für den Schiffsverkehr gesperrt. Nun fasst das Wasser- und Schifffahrtsamt Meppen (WSA) eine rund 30 Millionen Euro teure Grundinstandsetzung ins Auge, um beim Ausfall der Hauptschleuse über eine Ausweichmöglichkeit zu verfügen.

Beim Besuch der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (CDU) und Heinz-Josef Joeris von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Bonn warb das WSA für das Projekt. Dazu muss das Vorhaben allerdings in seiner Dringlichkeit höher in der Prioritätenliste platziert werden. „Wir sehen die Notwendigkeit als deutlich höher an“, sagte Holger Giest, Leiter Wasser- und Schifffahrtsamt Meppen (WSA). Denn der Schleuse Herbrum komme als Einfahrtstor in den Dortmund-Ems-Kanal eine ganz besondere Bedeutung zu. Zudem sei sie wichtiger Anlaufpunkt für die Dörpener Papierindustrie sowie das benachbarte Güterverkehrszentrum (GVZ). „Spätestens seit dem Unfall im Jahr 2003, als das Binnenschiff „Irlich“ bei Rhede über einen längeren Zeitraum den Verkehr zum Erliegen brachte, wurde die Bedeutung dieses Streckenabschnitts deutlich“, sagte Giest. Die Binnenschiffe mussten damals große Umwege in Kauf nehmen.

Das WSA drängt nach seinen Worten schon seit Längerem auf eine Grundinstandsetzung der alten Schleuse, denn bei einem Ausfall der Hauptschleuse drohte ein Erliegen der Schifffahrt über einen sehr langen Zeitraum.

Norbert Gebken vom WSA Meppen machte deutlich, dass die alte Herbrumer Schleusenkammer aufgrund der Baufälligkeit und der Sicherheitsmängel bereits im Jahr 2012 temporär außer Betrieb gesetzt werden musste. Nachdem weitere Gutachten eingeholt wurden, erfolgte im vergangenen Jahr die dauerhafte Stilllegung. „Wir haben die Schaltung spannungsfrei gesetzt, damit auch eine vorübergehende Inbetriebnahme ausgeschlossen ist“, sagte Gebken.

Konkret müssten bei der Grundinstandsetzung der Schleusenkammer die Spundwände sowie die Rahmenkonstruktionen und Tore erneuert werden. Ein zeitnaher Beginn der Baumaßnahmen ist zurzeit allerdings nicht möglich. Denn aktuell steht dieses Vorhaben nicht sehr hoch auf der Prioritätenliste bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS). „Die wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region steht und fällt mit der Ems und dem Küstenkanal“, sagte Gitta Connemann. Sie will sich für eine neue Bewertung des Vorhabens einsetzen.

Erhebliche Probleme bereitet der WSV aber auch der Schlick in der Ems, der aufgrund der Gezeiten bis zur Schleuse Herbrum gespült wird und selbst die Schleusenkammern massiv befällt. Bei Ebbe ist die Fahrrinne nur noch mit Mühe erkennbar. „Während 18 Stunden Dienstbetrieb kann aufgrund dieser Problematik bestenfalls sechs Stunden geschleust werden“, sagte Thorsten Seiwald von der WSV. Um das Problem zu
lösen, wurde ein Unternehmen beauftragt, das viermal pro Jahr den Schlick beseitigt.